Offene Ganztagsschule in Gelsenkirchen ist laut OB Baranowski ein Erfolg

Friedhelm Pothoff
Die OGS-Räume der Grundschule Beckeradstraße in der Bauphase. Das Projekt Offene Ganztagsschule ist in Gelsenkirchen laut Oberbürgermeister Frank Baranowski ein Erfolg. Bild: Thomas Schmidtke
Die OGS-Räume der Grundschule Beckeradstraße in der Bauphase. Das Projekt Offene Ganztagsschule ist in Gelsenkirchen laut Oberbürgermeister Frank Baranowski ein Erfolg. Bild: Thomas Schmidtke
Foto: WAZ
Das Projekt Offene Ganztagsschule ist ein Erfolg - zumindest laut dem Fazit von Oberbürgermeister Frank Baranowski. Möglich wurde sie durch die Föderalismusreform. Doch auch die Akzeptanz der Eltern spiele eine wichtige Rolle.

Gelsenkirchen. Sieben Jahre umfasst der Projektzeitraum. Sieben Jahre, in denen die Erfolgsgeschichte der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Gelsenkirchen geschrieben wurde. Am Dienstag zog Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) in den OGS-Räumen der Beckeradschule in Buer jedenfalls ein Fazit, das aus seiner Sicht zufriedenstellend ausfiel.

„Wir haben 100 gut ausgestattete Gruppen im Bereich Offener Ganztag, die stadtweit von 2400 Kindern besucht werden. Wir haben an allen Grund- und Förderschulen gleiche Qualitätsstandards“, listet der OB auf, der das Thema schon früh nach seinem Amtsantritt im Jahr 2004 „zur Chefsache“ erklärt hatte.

Offensive Vorgehensweise ist ein Plus

Einen Grund für den positiven Verlauf macht Baranowski in der offensiven Vorgehensweise aus. Früh schon habe Gelsenkirchen auf Qualität gesetzt, sagt er: „Wir wollten keine Betreuung im Sinne von Verwahrung. Denn viele Kinder brauchen mehr Zeit für die Schule. Die Frage, ob die OGS die Antwort darauf ist, kann man eindeutig mit Ja beantworten.“ Auf diese Weise sei eine gute Kombination der Bereiche Schule und Jugendhilfe in der Stadt möglich geworden. Und die Betreuungskette reiche nun von der Geburt mit begleitenden Besuchen bis zum 14. Lebensjahr, also bis in den Bereich der Sekundarstufe I. „So kann man Bildungspolitik auch als präventive Sozialpolitik betrachten – als Zukunftspolitik“, resümiert Baranowski.

Möglich wurde all dies vor der sogenannten Föderalismusreform, die im September 2006 in Kraft trat und ein ähnliches Vorhaben nun kaum mehr zulassen würde, weil Bildungspolitik (auch finanziell) seither weitgehend Ländersache ist. Bereits zwei Jahre zuvor aber hatte der Bund vier Milliarden Euro für das OGS-Projekt zur Verfügung gestellt, von denen 912 Millionen nach NRW flossen. Das war die finanzielle Basisausstattung für eine Gelsenkirchener Gesamtinvestition, die am Ende aller Maßnahmen zusammen mit den Bundesmitteln 14,4 Mio. Euro betrug.

Akzeptanz bei Eltern nimmt zu

„Der städtische Anteil liegt bei 3,7 Millionen Euro“, rechnet der Oberbürgermeister am Dienstag vor und sei damit weitaus höher als der zehn Prozent betragende Pflichtanteil, den eine Kommune im Regelfall zu leisten habe.

Doch Geld ist nicht alles. Um in der Thematik etwas zu erreichen, musste auch viel in den Köpfen aller Beteiligten bewegt werden. Da sind die Eltern eingeschlossen. Rolf Flegel, der Leiter der Beckeradschule, hat diesen Prozess über Jahre erlebt und begleitet: „Die Annahme hat sich mehr und mehr positiv verändert als klar war, wie es inhaltlich laufen wird. Es gibt ein Mittagessen und Hausaufgaben und eine Lernzeit, die von Lehrern unterstützt wird. Die Kinder müssen aber auch selbstständig arbeiten.“ Zudem würden die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.

Um all das zu vermitteln, erzählt Sunay Kökel, OGS-Leiterin (der Arbeiterwohlfahrt) an der Beckeradschule, sei etwa ein Elternbeirat eingerichtet worden und würden regelmäßig Elternabende durchgeführt. „Die Lernzeit ist der Knackpunkt für die Eltern“, berichtet sie. Die Väter und Mütter darüber hinaus als Partner in die Schule zu bekommen, sei ein weiterer wichtiger Aspekt für den Erfolg der Offenen Ganztagsschule. Kökel: „Vorleseaktionen helfen da beispielsweise, um Schule als lebendigen Ort im Stadtteil zu etablieren.“