Nichts zu sehen bei Akustik-Ausstellung im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Studenten der Kunstakademie Münster zeigen bei ihrer Ausstellung "High-heeled shoes can damage slides" im Kunstmuseum Gelsenkirchen akustische Werke. Foto: Sebastian Konopka
Studenten der Kunstakademie Münster zeigen bei ihrer Ausstellung "High-heeled shoes can damage slides" im Kunstmuseum Gelsenkirchen akustische Werke. Foto: Sebastian Konopka
Foto: WAZ FotoPool
Eine Tour durch die großen Museen der Erde - übermittelt durch Geräusche. Das ist die Idee hinter der Ausstellung "High-heeled shoes can damage slides" im Kunstmuseum Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen.. In dieser Ausstellung gibt es – nichts zu sehen. Nun ja, so gut wie nichts. Stattdessen mutiert der Betrachter im Kunstmuseum Gelsenkirchen zum Zuhörer. Am morgigen Freitag eröffnet der Kunstverein seine außergewöhnliche Ausstellung im Rahmen der Reihe „Lehrer - Schüler“ .

Und hier heißt es dann: Audioguide auf die Ohren und vor leeren weißen Wänden genüsslich in Kunst schwelgen. „High-heeled shoes can damage slides“ titelt die Klasse Buetti der Kunstakademie Münster ihre Ausstellung von akustischen Werken.

"Ein Museum über die Ohren stülpen"

16 Studenten erarbeiteten gemeinsam mit dem Schweizer Künstler und Professor Daniele Buetti das überraschende Konzept. Mit einem Aufnahmegerät machten sie sich auf in die großen Museen dieser Welt und nahmen dort unterschiedlichste Geräusche auf. Mal inszenierte, wie das Konzert eines baskischen Hornisten im Guggenheim Museum Bilbao, mal provozierte, wie im Madrider Prado durch das Klicken einer Kamera, mal ganz zufällige. So hört der Ausstellungsbesucher mit den Ohren des Künstlers. Student Jan Enste: „Hier kann man sich ein Museum über die Ohren stülpen.“

Dann hört der Besucher Gesprächsfetzen, Klänge, das Rascheln von Kleidung und vor allem ganz oft Schritte, die durchs Museum hallen. Durch das Kölner Museum Ludwig zum Beispiel, das Haus der Kunst München, den Pariser Louvre oder das Stedelijk Museum Amsterdam.

Titel der Ausstellung erinnert an Reisen

Die Arbeiten dokumentieren nicht nur Töne, sondern die Künstler komponierten mit den Klängen jeweils eine Art Partitur, die Bilder im Kopf des Hörers provozieren. Fantasie ist gefragt in dieser Schau der Töne. Und auch Kommunikation. Denn pro Museum gibt es jeweils nur einen Audioguide. Besuchergespräche wie „In welchem Museum bist Du denn gerade?“ oder „Darf ich jetzt mal in den Louvre?“ sind intendiert.

Nun, und ein kleines bisschen zu sehen gibt es auch. Alle Eintrittskarten der besuchten Kunststätten hängen an den Museumswänden. Ein spielerisches Element, an dem sich das Auge festhalten kann. Prof. Buetti: „Es entsteht ein kindlicher Reiz, beim Hören auch das jeweilige Museumsticket zu finden.“

Der Titel der Ausstellung übrigens entstammt einer Anweisung aus Flugzeugen: Hohe Absätze können im Falle eines Falles die Notrutschen beschädigen. Und soll ganz einfach an Reisen erinnern, die erst so manchen Museumsbesuch ermöglichen.

 
 

EURE FAVORITEN