Nicht die Jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen steht allein da

Friedhelm Pothoff
Die zerstörte Scheibe der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen.
Die zerstörte Scheibe der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen.
Foto: FUNKE Foto Services
Ein Unbekannter zerstörte eine Scheibe der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen. Ein Kommentar von Friedhelm Pothoff.

Gelsenkirchen. Es ist jetzt zwei Jahre her, da warfen Vermummte in einer Juli-Nacht einen Gullideckel durch eine Scheibe der Neuen Synagoge. Wenige Monate erst sind vergangen, da wurde eine Skulptur auf dem Platz vor dem Gebäude beschädigt. Nun hat jemand in der Nacht vom 13. auf den 14. August versucht, mit einem Gegenstand eine Glasscheibe an der Georgstraße zu zerstören. Dass die Polizei ermittelt, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Und mal ganz persönlich formuliert: Ich hoffe, dass jeder einzelne Täter erwischt wird und zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Eine gewisse Verunsicherung in der Jüdischen Gemeinde ist die Folge, auch der letzten Tat. Sie ist etwa daran abzulesen, dass ihre Mitglieder die neuerliche Attacke sehr defensiv behandelten. Bis es jetzt nicht mehr anders ging. Lobenswert ist daher das Dokument der Stärke, das die Jugendgruppe der Gemeinde am Donnerstag mit ihrem Auftritt beim Antikriegstag zeigte. Verheimlichen kann man diese Ereignisse auf Dauer ohnehin nicht. Und die Menschen, die an der Georgstraße ihren Glauben ausüben, würden so auch dies nicht erfahren: Die Gelsenkirchener Stadtgesellschaft ist weitaus solidarischer als so manch ideologisch völlig fehlgeleitete Gruppe glauben mag. Womit wir in der Politik angekommen wären.

Das rechte Lager wird sich demaskieren

Was die Bürgermeisterin, was Martina Rudowitz in ihrer Rede vor der Neuen Synagoge thematisch anstieß, wird die Öffentlichkeit mindestens bis September 2017 intensiv begleiten. Die verschiedenen Parlamentswahlen, die anstehen, werden Parolen ans Licht befördern, die oft nur noch als verbale Mahnmale aus dem Geschichtsunterricht bekannt sind. Darunter befinden sich ja bereits gezielte Tabubrüche, wie etwa der Einsatz von Schusswaffen an Grenzen. Das rechte Lager wird sich demaskieren, indem es weiter mit den Sorgen und Ängsten der Bevölkerung zu spielen versucht. Auf anderen Wegen erreicht es die Menschen nicht.

Dem wirksam und öffentlich entgegenzutreten, hat zwei Effekte: In großer Dimension gedacht stärkt es die Demokratie insgesamt. Und in Gelsenkirchen erfährt so auch die Jüdische Gemeinde, dass nicht sie es ist, die allein dasteht.