Namensgeber überreicht Preis persönlich

Die Pianistin Milana Chernyavska am Sonntag bei ihrem Konzert im Schloss Horst.
Die Pianistin Milana Chernyavska am Sonntag bei ihrem Konzert im Schloss Horst.
Foto: Mark Wohlrab

Gelsenkirchen.. Eine Reise von Wien nach Paris und zurück im Spannungsfeld der verschiedenen Musikepochen unternahm das Publikum beim Konzert des Klavierfestivals Ruhr am Sonntag in der Glashalle von Schloss Horst. Die ukrainische Pianisten Milana Chernyavska gestaltete einen denkwürdigen Abend.

Sie eröffnet das umfangreiche Programm mit Mozarts F-Dur-Sonate KV 332: Ein Werk mit lichten und dunklen Momenten, dessen Dualität Chernyavska mit delikater Leichtigkeit im Anschlag schön herausstellt. Dann ein radikaler Zeitsprung von rund 130 Jahren: Maurice Ravels „Valses nobles et sentimentales“ spielt sie aus einem Guss, ohne Zäsur zwischen den einzelnen Stücken des Zyklus‘.

Eigener Klangkosmos

Die Interpretin kitzelt Ravels Bezüge zum Wiener Walzer-Stil heraus, schwelgt in den impressionistischen Klangwelten voller betörender Dissonanzen. Technisch brillant und gleichsam interpretatorisch kompetent beschließt Milana Chernyavska den ersten Teil mit Chopins g-Moll-Ballade op. 23.

Zu ganz großer Form läuft die Pianistin nach der Pause mit Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 17 d-Moll op. 31/2 „Der Sturm“ auf. Mit diesem Werk, das am Beginn einer neuen Schaffensperiode des Komponisten steht, erschafft Chernyavska einen ganz eigenen Klangkosmos, in den sie die Zuhörer mitnimmt. Die Zeit scheint stillzustehen, wenn sie kleinste Nuancen aus der Komposition hervormodelliert und gleichzeitig stets den großen Bogen im Blick behält. Berückend, meditativ, fesselnd gelingt ihr das Adagio.

"Musikalische Natürlichkeit"

Zum furiosen Finale spielt Milana Chernyavska eine virtuos auftrumpfende, den schalkhaften Humor der Musik betonende Interpretation von Robert Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ op. 26 – ein beeindruckender Abschluss eines zweistündigen Konzerts.

Nach zwei Zugaben wird der Pianistin von Klavierfestival-Intendant Franz Xaver Ohnesorg der von Aurelia und David Furtwängler (Großneffe des Dirigenten Wilhelm Furtwängler) gestiftete Alfred-Brendel-Förderpreis überreicht. Stifter und Namenspatron der Auszeichnung sind anwesend. Der große Pianist Alfred Brendel sagt kurz und knapp über Milana Chernyavskas Spiel: „Was sie auszeichnet, ist ihre musikalische Natürlichkeit.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

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