Nah am Gelsenkirchener Justizzentrum angedockt

Jörn Stender
Ins Eckhaus Bochumer Straße 81 zogen die vier Anwälte. Sie suchten gezielt die Nähe zum neuen Justizzentrum.
Ins Eckhaus Bochumer Straße 81 zogen die vier Anwälte. Sie suchten gezielt die Nähe zum neuen Justizzentrum.
Foto: Michael Korte
Vier Anwälte zogen mit ihren Kanzleien an die Bochumer Straße. Das Viertel ist für sie besser als sein Ruf. Drei Gerichte liegen direkt vor der Bürotür.

Gelsenkirchen. Das neue Justizzentrum besetzt mächtig und auch ein wenig ehrgebietend das Entree an der Bochumer Straße. Amts-, Sozial- und Arbeitsgericht sind hier, auf dem Platz zwischen Junkerweg und Claire Waldoff-Straße, seit wenigen Wochen unter einem Dach vereint. Auch als mächtiger Anker für die Stadtteilentwicklung Ückendorfs ist der Behördenkomplex gedacht. Festgemacht haben in direkter Nachbarschaft bereits vier Anwälte. Für sie war die Bochumer Straße eine erste Adresse.

Vier Anwälte, zwölf Rechtsgebiete – und drei Gerichte keine 50 Meter entfernt:. Ideal für die Arbeit, auch für die Sitzungsvertretungen anderer Anwälte bei Gericht. Bei der Strategieplanung mussten Volker und Malte Stuckmann, Vater und Sohn, 69 und 38 Jahre alt, nicht lange grübeln. Auch für Maximilian Hermandung und Florian Beisenbusch, beide 31, war die Sache schnell klar: Ihre Bürogemeinschaft mit zwei Kanzleien sollte nach Ückendorf ziehen. „Als die Bagger rollten und tatsächlich mit den Bau begonnen wurde, haben wir angefangen, uns umzuschauen“, sagt Malte Stuckmann. Die Alte Apotheke vis-à-vis hatten sie zunächst im Blick, das Eckhaus Bochumer Straße 81 ist es schließlich geworden. Das Justizzentrum hat die Hausnummer 79.

„Kanzleiamjustizzentrum.de“ haben sich die Anwälte gesichert

Früher beherbergte das Haus eine Eckkneipe, später eine städtische Einrichtung. Dann stand das Ladenlokal leer. Beisenbusch fiel der „winzig kleine“ Zettel mit der Aufschrift „zu vermieten“ im Fenster auf. Man wurde einig. Gut 300 Quadratmeter belegen die Kanzleien jetzt auf zwei Etagen. Das Haus wurde durchrenoviert, auch von außen. An der Fassade prangt dezent und dennoch unübersehbar der Kanzleiname, in den Fenstern die Internetadresse. „Kanzleiamjustizzentrum.de“ haben sich die Anwälte gesichert – „das war noch frei“, sagt Beisenbusch. Und man merkt, dass ihn der Coup freut.

Mit sieben Mitarbeiterinnen und 500 Umzugskartons sind die Kanzleien zum Jahreswechsel an der Kirchstraße ausgezogen. „Am 4. Januar haben wir hier den Betrieb begonnen. Das war alles auf den Punkt fertig“, sagt Malte Stuckmann. Sein Vater Volker ist ein altgedienter Anwalt für Familien- und Strafrecht – und mit 69 eigentlich im Ruhestandsalter. Aber neben Schalke, dort sitzt Stuckmann senior im Ehrenrat, „ist das hier seine Leidenschaft. Für ihn ist das Beruf und Berufung“, meint Malte Stuckmann.

Die Parksituation rundum ist wie erwartet angespannt

Ein Stück die Bochumer Straße hoch sitzt noch ein Kollege mit seiner Kanzlei – der Notar Ulrich Schitteck. Er war der Solist vor Ort, als nur das Arbeitsgericht hier seinen Sitz hatte. Mit dem nahen Wissenschaftspark und dem neuen Justizzentrum werden die Möglichkeiten beträchtlich wachsen, ist sich das neu zugezogene Quartett sicher. „Wir haben eine grundsätzlich positive Erwartungshaltung wegen Ückendorf“, sagt Beisenbusch. Das Image des Stadtteils, die Sicherheitsdebatten – im Berufsalltag der Anwälte ist das bislang nicht angekommen. „Im Gegenteil, wir erleben das hier als einen Ort voller Vielfalt, auf jeden Fall gilt das kulinarisch. Der Standort ist besser als sein Ruf. Ich glaube, dass viele generell das Potenzial dieser Stadt nicht sehen“, sagt Hermandung und Malte Stuckmann ergänzt: „Es schätzen viele falsch ein, was sich hier entwickeln wird.“

Für die Anwälte war zumindest klar: „Wenn, dann werden wir Revieranwälte. Wenn wir eine Kanzlei machen, dann zusammen. Und dann auch in Gelsenkirchen. Ich denke, hier passiert ganz viel. Das war eine ganz bewusste Entscheidung für den Standort“, sagt Beisenbusch. Alles rosig also? Nicht ganz. Die Parksituation rundum ist wie erwartet angespannt. Stuckmann: „Ein Parkhaus wäre ideal und wünschenswert.“