Modell-Geschäft auf Hochtouren

Thomas Wilting hat sein Hobby zum Beruf gemacht und den Familienbetrieb „Power Save Racing“gegründet. Der Schalker Laden ist ein Ziel für Modellauto-Fans. Selbst Zeit für den hochtourigen Spaß hat der 50-Jährige kaum noch.  Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Thomas Wilting hat sein Hobby zum Beruf gemacht und den Familienbetrieb „Power Save Racing“gegründet. Der Schalker Laden ist ein Ziel für Modellauto-Fans. Selbst Zeit für den hochtourigen Spaß hat der 50-Jährige kaum noch. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Das berufliche Leben von Thomas Wilting läuft bei PSR hochtourig. Immer. Und auch seine Söhne Sebastian (30), gelernter Kfz-Mechaniker, und Vincent (22) arbeiten gerne im erhöhten Drehzahlbereich.

Der Jüngere als Fahrer, der ältere im Geschäft – und gerne auch mal auf der Rennpiste. Die ist überschaubar, zugeschnitten auf den Maßstab XXXS. Bei den Wiltings, inklusive „Chefin“ Ellen, dreht sich alles um Modellbau. Und bevorzugt um kleine, schnelle Autos.

Die Herzogstraße in Schalke. Gewerbegebiet. Die Hoflage teilen sich Klein-Betriebe. Hausnummer 61 hat sich zum Ziel für Parkplatzfahrer, Offroader und Racer entwickelt. Im Internet bietet Wiltings Power-Save-Racing (PSR) auf zig Seiten „News“, weltweite Rennberichte von Firmen-Fahrern, Produkte, Tuning-Tipps und und und. Hier im Laden gibt’s die Hardware.

Das ist Hightech, kein Spielzeug

In Tütchen konfektioniert hängen die Wände voll mit Federn, mit Getrieben, Kupplungen und Radsätzen, Schraubensicherungen, Filtern. Modellautos sind übermotorisiert. Entsprechend hoch ist der Verschleiß. Da ist kontinuierlicher Nachschub gefragt. Dazwischen stehen die größeren Objekte der Begierde für die Modellbauszene: Fernsteuerungen, Antennen, Autos, Autos, Autos. Phantasiemodelle, die auf dicken Reifen querfeldein jagen, flache Flundern, die ordentlich Gummi auf den Asphalt radieren, grell gebrushte Buggys, 4x4 Fahrzeuge von den Firmen, die in der Branche Klang und Namen haben: Mugen, Kyosho, Horizon, Traxxas.

Und zu jedem Modell hat der Chef was zu sagen: „Der ist einzigartig, der hat liegende Stoßdämpfer“, schwärmt er über einen Mini, nimmt das nächste Wägelchen in die Hand – „was da für ein Gebläse drin ist, grandios.“ Weiter geht’s: „Den fährt Ken Block, der Driftgott schlechthin“ und „der hier fährt mit Brushless Technologie, ist ganz klein und geht ab wie die Hölle.

Das ist Hightech, kein Spielzeug“. Kleine Atempause. Boote, Flieger und Helikopter hat PSR auch parat. Und der 50-Jährige die Sprüche dazu: „Das ist der kleinste 3-D-Heli der Welt, der kommt aus den Staaten. Piloten wollen ja alle auf dem Rücken fliegen.“ Das ist, Geschick am Steuer vorausgesetzt, mit dem Modell selbstredend möglich.

Fachsimpelei und „Benzin“-Gespräche

Auf engem Raum gibt’s den Modell-Kosmos zum anfassen und angucken. Fachsimpelei und „Benzin“-Gespräche inklusive. Wobei: Benzin geht leicht am Stoff vorbei, der den fixen Vortrieb liefert. Die Rennmodelle werden von Akkus angetrieben, oder eben mit Nitro und Rizinusöl. Methanol und Nitromethan mit einer Reinheit von über 99,9 % mischt PSR als Treibstoff für schnelle Träume an. Der besondere Sprit aus Schalke kommt weltweit zum Einsatz und treibt nicht nur die Motörchen zu Höchstleistung. Er ist in Kombination mit entsprechenden Luftfiltern („wir sind die einzigen, die mit Wasserstrahl schneiden“) aus dem Hause PSR auch wesentlicher Teil des Geschäftserfolgs.

Magenta haben die Wiltings als Signalfarbe für PSR gewählt. Vielleicht auch eine Reminiszenz an den alten Arbeitgeber. „Bis 2007 habe ich 30 Jahre für die Telekom gearbeitet. 2004 habe ich nebenher mit dem Modellbau angefangen, erst als Hobby. 2009 haben wird dann den Online-Shop und den Laden eröffnet. Das Lokal war ursprünglich nicht geplant, aber dann haben wir uns gesagt, wir wagen das“, fasst Wilting die Firmengeschichte knapp zusammen.

Mittlerweile beschäftigt PSR sieben Angestellte, ein Auszubildender gehört zum Team. „Ohne Leidenschaft und ein bisschen Ballaballa für den Modellbau kann man hier nicht arbeiten“, sind sich die Wiltings sicher – und einig in ihrem Anspruch. „Wir wollen die Technik besser machen.“

 
 

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