Mieter ohne Zahlungsmoral

Von Irene Stock
Ursula (73) und Eberhard (74) Kirchner sind Eigentümer des Hauses Angelnstraße 15 in Gelsenkirchen. Die ehemaligen Mieter der Erdgeschosswohnung sind über Nacht ausgezogen und haben eine Menge Unrat zurückgelassen. Das Foto nzeigt den zugemüllten Kellerraum.
Ursula (73) und Eberhard (74) Kirchner sind Eigentümer des Hauses Angelnstraße 15 in Gelsenkirchen. Die ehemaligen Mieter der Erdgeschosswohnung sind über Nacht ausgezogen und haben eine Menge Unrat zurückgelassen. Das Foto nzeigt den zugemüllten Kellerraum.
Foto: WAZ

Gelsenkirchen.  Ein Sozialhilfeempfänger galt früher unter Vermietern als sichere Sache - die zuständige Behörde zahlte zuverlässig die Miete direkt an den Vermieter. Heute ist die Lage komplizierter. Das belegen Leserbriefe, die die Redaktion nach dem Bericht über das Ehepaar Ursula (73) und Eberhard Kirchner (74) erhalten hat. Das hatte sich an die WAZ Gelsenkirchen gewandt, weil ihre Mieter die Wohnung vermüllt und in einem desolaten Zustand verlassen hatten.

Tenor der Briefe (siehe Zweittext): Die Vermieter bekommen aus Datenschutzgründen keine Auskunft vom Jobcenter. Zu den Mietausfällen kommen zusätzliche Kosten für Rechtsanwalt, Gericht, Räumungsklage, Entrümpelung, Spedition und Einlagerung der geräumten Möbel sowie für die Renovierung der oft desolaten Wohnung. Verluste in fünfstelliger Höhe sind keine Seltenheit.

Fehlende Unterstützung vom IAG

Vermieter beklagen, dass der Mieter die Miete komplett einbehält, dass Nebenkostenabrechnungen nicht bezahlt werden, man keine Auskünfte über die Ursache erhält. „Er kürzt die komplette Miete für angebliche Mängel, die wir uns nicht einmal ansehen dürfen. ... Wir können zusehen, wie wir an die Miete kommen, es bleibt nur noch die Räumungsklage“, so Sabine und Hubert Dopmeier. Manche Hausbesitzer haben das mehrmals erlebt. Für sie steht fest, dass sie an Hartz IV-Empfänger keine Wohnung mehr vermieten. Es sei denn, die Miete wird vom Jobcenter direkt an den Vermieter überwiesen.

Frust gibt es über die fehlende Unterstützung vom Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen (IAG). Leserin Beetz (72) beklagt, dass ihr Gespräch dort „nichts gebracht hat“. Sie setzt auf den Petitionsausschuss des Landtages und hofft, dass sich Betroffene in Gelsenkirchen zu einer Initiative zusammenschließen. „Es geht auch um die Frage, wo die Steuergelder bleiben“, sagt Ursula Kirchner. Eine Antwort darauf bekam sie im Gespräch mit dem Jobcenter nicht. Das Jobcenter erhält jährlich 89 Mio Euro von der Stadt für Hartz IV-Mietkosten.

Das IAG reagiert jetzt auf die Beschwerden, „weil wir immer wieder für das Fehlverhalten der Leistungsempfänger verantwortlich gemach werden“, so Pressesprecherin Susanne Auth. Heute finden Gespräche „auf höherer Ebene“ (Auth) statt, um zu beraten, wie man eine „vermieterfreundliche Dienstleistung anbieten kann.“ Dem Vermieter soll zukünftig mehr Basisinformationen angeboten, die Kommunikation verbessert, die Transparenz größer werden. „Wir werden aber auch unsere Grenzen aufzeigen, die uns aufgrund der Gesetzeslage gesetzt sind, aufzeigen.“