Menü mit Flughund

Elisabeth Höving
Flughunde in der Tropenhalle der Erlebniswelt Asien im Zoom, Pfleger Rico Pirl beim Fütterversuch per Hand Foto: Franz Meinert
Flughunde in der Tropenhalle der Erlebniswelt Asien im Zoom, Pfleger Rico Pirl beim Fütterversuch per Hand Foto: Franz Meinert
Foto: WAZ FotoPool

Zur Vorspeise ein Reh-Süppchen, anschließend ein Filet vom Springbock und zum Dessert – einen asiatischen Flughund. Aber nicht auf dem Teller, sondern in luftiger Höhe über dem Tische kreisend. Wer im Tropenrestaurant „Pangung“ in der Zoom-Erlebniswelt Platz nimmt, der bekommt zum Menü exotische Vögel und andere Flattermänner gratis dazu.

Und wenn ein paar Damen irgendwann spitze Schreie ausstoßen, dann ist die Erlebnisgastronomie förmlich perfekt. Denn dann hat einer der Hunde im Flug etwas fallen lassen – Abenteuer Tropenparadies.

Am frühen Abend hört der Restaurantbesucher zum Aperitif vor allem das fröhliche Gezwitscher schillernder Vögel. Zwischen Palmen, Bananenstauden und meterhohen Bäumen singen zierliche Reisfinken, Rotohr-Bülbüls, gurren Fruchttauben, Straußwachteln hüpfen vorbei, und mit viel Glück begegnet der Gourmet auch George, dem ausgebüxten Schönhörnchen.

Mit einsetzender Dunkelheit dimmen die Vögel ihre Gesänge und es kommt die Stunde der Flughunde. Wie dunkle Schatten rauschen die nachtaktiven Flieger durch die Dschungelluft, so dass manch überraschte Restaurantgast vergisst, die thailändische Ente oder das Spanferkel auf seinem Teller auf die Gabel zu spießen. „Sind das Fledermäuse?“, heißt die meistgestellte Frage.

Nun, nicht ganz. Wie die kleineren Fledermäuse aber gehören die Flughunde zu den Fledertieren. Zwölf der tagsüber müden Gesellen beheimatet die Tropenhalle. Darunter ein Baby, das am 6. Januar im Zoo das Licht der Welt erblickte und sich bislang noch keinen Millimeter von der Mutter wegbewegte.

Überhaupt, bewegen. Wie schwarze Säcke hängen die Hunde des Tags kopfüber unter der Decke der Tropenhalle oder hoch in den Bäumen und schlafen. Nur manchmal, da schieben sich die Flügel, die sie wie einen Batman-Umhang um den Körper geschlungen haben, zur Seite und der Besucher blickt in zwei dunkle Knopfaugen. Und erkennt auf Anhieb, woher der deutsche Name der Tiere herkommt: Ihre lange Schnauze erinnert deutlich an einen Hund.

Jeder Flughund hat seinen Stammplatz zum Abhängen. „Vor allem dadurch kann ich sie auch unterscheiden“, sagt Reviertierpfleger Rico Pirl. Ansonsten kennt der 33-Jährige die Flieger vor allem aus der Distanz. Wirklich handzahm werden die scheuen Fledertiere nicht (Mit Weintrauben kommt Pirl allerdings nah an einige heran).

Darum muss auch kein Restaurant-Besucher Angst haben, dass ihm die Tiere zu nahe kommen. Oder gar das Steak vom Tisch klauen. „Diese Flughunde sind reine Vegetarier“, beruhigt Pirl, und echte Leckermäuler. Süße Früchte wie Mangos, Melonen oder Weintrauben sind ihre Leibspeise. Dazu genehmigen sie sich ein Schlückchen Nektar, gerne mit Waldmeister-, Himbeer- oder Traubengeschmack. In Schälchen werden Futter und Saft hoch in die Bäume gehängt. Und das sind die Stellen, die die Flughunde de dann ansteuern, während im Restaurant diniert wird.

So groß wirken die Tiere vor allem durch die Spannweite ihrer Flügel, die bis zu 1,40 Meter beträgt. Ein Flughund wird 20 bis 25 Jahre alt.

Beobachtet werden die Hunde zurzeit nicht nur von Zoo- und Restaurant-Besuchern. Biologiestudentin Mandy Narloch (25) erforscht im Zoom das Verhalten der Flughunde für ihre Diplomarbeit.