Mehr Zeit für Pflege als für Dokumentation

Im Gespräch mit Heimbewohnerin Erna Schröder (v.l.) im ASB-Heim am Schlosspark: SPD-Vorsitzender Heike Gebhard, SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach und MdB Joachim Poß.
Im Gespräch mit Heimbewohnerin Erna Schröder (v.l.) im ASB-Heim am Schlosspark: SPD-Vorsitzender Heike Gebhard, SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach und MdB Joachim Poß.
Foto: WAZ FotoPool
Im Rahmen seiner Wahlkampftour machte SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach Station im Gelsenkirchener ASB-Pflegeheim am Schlosspark und diskutierte mit Mitarbeitern über deren Wünsche und Forderungen an die Politik.

Gelsenkirchen. Pflegedienstleiter Peter Henze weiß, wie sehr seine Mitarbeiter – und er selbst – im ASB-Pflegeheim Am Schlosspark unter Druck stehen. Ein Druck, der nach seiner und der Meinung der meisten Mitarbeiter so nicht sein müsste in einem gut besetzten Haus. Die Minutenpflege macht er dafür verantwortlich. Das meint die minutengenaue Dokumentationspflicht über jedes Gespräch, jede Handreichung. Die Qualität der Dokumentation entscheidet über die Bewertung – statt dass die Pflege direkt am Menschen bewertet würde.

Da stieß er beim prominenten Gast in der Einrichtung, Prof. Karl Lauterbach, auf offene Ohren. Seine SPD, so der Experte im WahlkampfTeam von Peer Steinbrück, der auf Einladung von MdB Joachim Poß ins Haus gekommen war, strebe eine Reform an, die sich am Menschen orientiere, nicht am Papier. Das Dokumentationswesen, das es seit Einführung der Pflegeversicherung gibt, habe sich so nicht bewährt.

1,8 Formulare kommen jährlich dazu

Dem mochte ASB-Fachbereichsleiter für die Region, Tobias Ahrens, nur zustimmen. 1,8 Formulare zur Dokumentation kämen seither alljährlich dazu. Ein Aufwand, der viel zu viel Zeit der Mitarbeiter binde.

Yvonne Schmidt, die seit 2003 als Altenpflegerin arbeitet, klagt in der Gesprächsrunde mit den Politikern und Heimmitarbeitern: „Ich brauche mehr Zeit für die Dokumentation als für die Pflege der Bewohner. Das kann doch nicht richtig sein“, ärgert sie sich. Sie macht ihren Beruf gern – den eigentlichen Beruf.

Mehr helfende Hände nötig

Was man sich im Haus wünschen würde , wäre eine individuellere Besetzung von Stellen. In Stationen mit vielen dementen Menschen etwa wäre es wichtig, mehr helfende Hände zu haben, so Ahrens. Menschen, die einen Verwirrten begleiten, mit ihm sprechen. Dafür bräuchte es nicht nur Fachkräfte. Bei anderen wiederum könnten ergotherapeutische Fachkräfte sinnvoller sein als Pflegefachkräfte. Auch bedarfsgerechtere Stellenpläne stünden in der SPD-Reform, bestätigte Lauterbach.

Am Ende des Gesprächs bescheinigten die Mitarbeiter dem SPD-Experten Prof. Lauterbach große Sachkenntnis, was man nicht über alle Politiker sagen könne, die schon vor Ort gewesen seien. Ob sie glauben, dass sein Besuch im Haus ihnen konkret in absehbarer Zeit weiterhelfen wird? „Man wird sehen.“

 
 

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