Mehr Wechsler vom Gemeinsamen Unterricht in Förderschule

Ute Hildebrand-Schute
Die 2011 eingeweihten neuen Räume der Nachmittagsbetreuung des LWL Förderschulzentrum in Gelsenkirchen werden gemeinsam von der Focus- und der Glückauf-Schule genutzt. Am Dienstag hat auf dem Gelände der LWL-Schulausschuss getagt.
Die 2011 eingeweihten neuen Räume der Nachmittagsbetreuung des LWL Förderschulzentrum in Gelsenkirchen werden gemeinsam von der Focus- und der Glückauf-Schule genutzt. Am Dienstag hat auf dem Gelände der LWL-Schulausschuss getagt.
Foto: WAZ FotoPool
Statt Gemeinsamer Unterricht , kann frühe sonderpädagogische Förderung besser sein. Das erklärte Marianne Michaelis, die Leiterin der Löchterschule, am Dienstagvormittag in der Sitzung des LWL-Schulausschusses, der seine 19. Sitzung in der Glückauf-Förderschule abhielt.

Gelsenkirchen. „Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis“, murmelte ein Mitglied des LWL-Schulausschusses vernehmlich mit Blick auf die bevorstehende Inklusion, als Gisela Wallhorn, Leiterin der Glückauf-Förderschule berichtete, dass zunehmend Kinder vom Gemeinsamen Unterricht der Regelschule in die Förderschule wechseln würden. Die Schulleiterin war am Dienstag Vormittag Gastgeberin für den Schulausschusses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), der in ihren Räumen seine 19. Sitzung abhielt.

Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation ist eine von Dreien, die hier auf dem weitläufigen Gelände des LWL-Schulzentrums untergebracht sind. Dazu gehört auch die Löchterschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung und die Focus-Schule mit dem Schwerpunkt Sehen.

Frühes Scheitern ist ein Problem für die Schüler

Auch die Leiterinnen der beiden anderen Förderschulen haben Erfahrungen mit Schulwechslern. Marion Mohr (Focus-Schule): „Die Zahl der Wechsler steigt.“ Als einen Grund macht die Schulleiterin aus, dass viele Eltern den Besuch einer Förderschule als „Makel“ begreifen und ihre Kinder deshalb lieber auf einer Regelschule sehen würden, wo sie dann aber wohlmöglich nicht zurecht kämen. Denn viel wichtiger als eine barrierefreie Schule, so erklärte Marianne Michaelis von der Löchterschule, sei eine frühe sonderpädagogische Förderung, die die Kinder so stärke, dass sie anschließend in der Regelschule gut bestehen können. „Ansonsten erleben die Kinder ein frühes Scheitern“, warnte die Schulleiterin.

Psychosomatische Auffälligkeiten und Versagensängste würden die Eltern oft als Grund benennen, wenn sie ihr Kind vom Gemeinsamen Unterricht (GU) ab- und an der Förderschule anmelden würden, sagt auch Schulleiterin Gisela Wallhorn. Die Raumakustik mache es beispielsweise schwerhörigen Kindern oft schwer, in einer Regelschule klar zu kommen, für Gehörlose fehlt es an der Gebärdensprache.

LWL-Förderschulen haben Schüler aus Gelsenkirchen und Umgebung

Auf der anderen Seite aber steigen die Zahlen beim GU. Über 100 sind dafür angemeldet, 149 besuchen die Glückauf-Schule, 21 den Schulkindergarten und 104 die Frühförderung. Die Focus-Schule hat 71 Schüler, 92 Kinder sind in der Frühförderung und 38 im GU. Die Löchterschule hat 217 Schüler, von denen 74 schwerbehindert sind, drei Schüler besuchen den Gemeinsamen Unterricht, einer erhält Hausunterricht. In allen drei Schulen kommen die Kinder aus Gelsenkirchen und dem Umkreis.

Unter Leitung des Vorsitzenden Karl-Heinz Dingerdissen ging es im Schulausschuss anschließend u.a. um den Schulentwicklungsplan.