Markus Töns sieht seine Chance für einen Wechsel

Markus Töns, Gelsenkirchener Abgeordneter der SPD im NRW-Landtag, möchte im nächsten Jahr für den Bundestag kandidieren.
Markus Töns, Gelsenkirchener Abgeordneter der SPD im NRW-Landtag, möchte im nächsten Jahr für den Bundestag kandidieren.
Foto: Funke Foto Services
In dem Abschied von Joachim Poß sieht er seine Chance: Markus Töns möchte gerne vom Land- in den Bundestag wechseln.

Gelsenkirchen.. In diesem Schritt spiegelt sich das ganze politische Selbstverständnis von Markus Töns wider. Seit elf Jahren ist der Gelsenkirchener Sozialdemokrat im Düsseldorfer Landtag vertreten. Im nächsten Jahr, wenn im Mai das Parlament neu gewählt wird, tritt der 52-Jährige nicht mehr an. Sein Ziel für das Jahr 2017 ist ein anderes, ist das Erreichen der nächsthöheren Sprosse auf der politischen Leiter. Dort steht in dicken Lettern: Berlin.

Seit klar ist, dass Joachim Poß (67) im nächsten Jahr nicht mehr für den Bundestag kandidieren wird, hat sich Töns in Position gebracht. Geliebäugelt hat er durchaus schon etwas länger mit diesem Schritt, dessen Planung aber untrennbar von den Absichten des Amtsinhabers abhingen.

Erst als Poß, der 2017 nach sage und schreibe 37 Jahren als Abgeordneter seinen Abschied nehmen wird, im Frühjahr seinen Rückzug ankündigte, hat sich der Politikwissenschaftler aus der Gelsenkirchener Altstadt mit seinen Ambitionen aus der Deckung gewagt. „Ich finde es mehr als nur interessant, das weitergehende politische Parkett zu betreten. Das ist jetzt eine Chance, die ich wahrnehmen möchte und die ich sehr reizvoll finde. Ich möchte nach Berlin und bin überzeugt davon, dass das auch klappt“, sagt Töns mit fester Stimme und dem notwendigen Selbstbewusstsein ausgestattet, das Ziel erreichen zu können.

Auf Vorstellungstournee

Mit den anderen Genossinnen und Genossen, die sich alle zunächst innerparteilich um die Kandidaturen für Land und Bund bewerben, ist er derzeit auf Vorstellungstournee durch die Ortsvereine und Gremien. Die AG 60plus der Sozialdemokraten fühlte ihm auf den Zahn. Diverse Ortsvereine auch. Zwei nominierten ihn bereits: Buer Mitte III und Altstadt. Fakten aber schafft der Parteitag des Unterbezirks am 28. Juni. Für Berlin und für Düsseldorf.

„Meine Erfahrung spricht für mich“, glaubt Markus Töns. Kommunal habe er viele Jahre gewirkt. Seit 2004 sei er auch Mitglied des Unterbezirksvorstandes. Nur ein Jahr später zog er zum ersten Mal in den Düsseldorfer Landtag ein, dessen Mitglied er seither ist. Als die wohl spannendste Zeit bezeichnet Töns die zwei Jahre in der rotgrünen Minderheitsregierung von 2010 bis 2012: „Das war ideal für Parlamentarier. Da hatten wir Freiheiten, die es vorher und anschließend nicht wieder gab. Der Spielraum war einfach bedeutend größer.“

Erfahrung würde helfen

Seine große Erfahrung, glaubt er, werde ihm als Bundestagsabgeordneter helfen. Selbstverständlich vergisst der Vater von drei (erwachsenen) Kindern an dieser Stelle nicht das Verfahren. Erst kommt die Partei, und wenn die Ja sagt, dann muss es noch der Wähler im Herbst 2017 tun. „Doch sollte alles so kommen, glaube ich nicht, dass ich eine Legislaturperiode benötigte, um mich in Berlin zu akklimatisieren. Das wird ja sonst oft behauptet.“

Als einen echten Vorteil wertet er in diesem Zusammenhang seine langjährige Arbeit im Landesparlament. Er ist der Freihandelsexperte des NRW-Landtages, der als Berichterstatter im europäischen Ausschuss der Regionen (AdR) an dieser Stelle die Interessen in Brüssel vertritt. Entsprechend steckt der leidenschaftliche Schalke-Anhänger seine politische Spielwiese ab: „Der Wirtschaftsausschuss würde mich sehr reizen, gerade wegen meiner intensiven Arbeit mit TTIP. Das Thema wird in Berlin in diesem Ausschuss behandelt.“

Politische Handlungsfelder

Für ihn interessante Handlungsfelder macht der 52-Jährige zudem in den Bereichen Außen- und EU-Politik aus. „Und in der Kommunalpolitik. Das wäre ein Ausschuss des Bundestages, den ich ebenfalls sehr spannend finde.“ – Nicht zuletzt in Verbindung mit Parteifreund und Oberbürgermeister Frank Baranowski als Vorsitzendem der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) in Deutschland.

Dass man bei all den Themen nicht die Menschen aus dem Blick verlieren dürfe, sieht Töns als erstes Ziel. Dass Renten nicht weiter sinken dürfen, dass der drohenden Altersarmut wirksam begegnet werden müsse, sind nur zwei von mehreren Stichworten, die er im Wahlkampf mit klaren Aussagen unterfüttern müsste, sollte er tatsächlich der SPD-Kandidat für Gelsenkirchen werden. Auch eine starke Positionierung seiner Partei im Bund fordert er ein.

Vielleicht kommt Markus Töns ja die eine oder andere weitere Idee dazu, wenn er am Herd steht. Denn wenn Schalke 04 seine „Leiden“schaft ist, bezeichnet er das Kochen als ein Hobby.

 
 

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