Marco Buschmann, ein liberaler Handelsreisender

Marco Buschmann, FDP Bundesgeschäftsführer, am Donnerstag den 21. August 2014 beim Interview in der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen.
Marco Buschmann, FDP Bundesgeschäftsführer, am Donnerstag den 21. August 2014 beim Interview in der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen.
Foto: Michael Korte
Der Gelsenkirchener Marco Buschmann organisiert als Bundesgeschäftsführer der FDP das politische Überleben seiner Partei wesentlich mit.

Gelsenkirchen. Marco Buschmann ist so etwas wie ein Handelsreisender. Als Bundesgeschäftsführer der Freien Demokraten Deutschlands organisiert der 37-jährige Volljurist das politische Überleben seiner Partei zwischen Sylt und Oberstdorf, zwischen Görlitz und Isenbruch wesentlich mit. Wie der jüngste Blick nach Hamburg zeigt: mit einigem Erfolg. Dort erreichten die Liberalen mit 7,4 Prozent der Stimmen bei der Bürgerschaftswahl 2015 ein Ergebnis, das einer vielerorten totgesagten Partei ausdrücklich attestiert, dass womöglich mehr als nur ein Funken Leben in ihr steckt.

Buschmann schreibt dies dem inneren Modellwechsel der FDP zu, den die Partei bei ihrem traditionellen Dreikönigstreffen öffentlich machte. Mal abgesehen von Geschmacksfragen, wenn es um die neue liberale Farbe Magenta geht, ist der Gelsenkirchener davon überzeugt, dass die Freien Demokraten sich deshalb im Aufwind befinden, „weil wir wieder eine Haltungspartei sein wollen und es wieder geworden sind“.

Von alten Ritualen wolle man sich befreien, zusammen an dem Ziel arbeiten, in den Ländern und 2017 auch im Bund die Ergebnisse erzielen, um etwa wieder in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Buschmann: „Wir sind weit davon entfernt so zerstritten zu sein, wie wir uns im Jahr 2013 noch präsentierten.“ Im vergangenen Jahr habe die Strömung zurück zu den Wurzeln geführt, unterstützt durch einen aufwendigen Leitbildprozess mit über 300 Veranstaltungen und Vorschlägen von über 15 000 Mitgliedern.

Mehrmals im Monat in Gelsenkirchen

Doch Marco Buschmann ist nicht ausschließlich Bundesgeschäftsführer der FDP. Er ist nach wie vor auch Kreisparteivorsitzender in Gelsenkirchen und „immer mal wieder im Monat für mehrere Tage vor Ort“. Den lokalen Prozess, eine Fraktionsgemeinschaft mit der Wählerinitiative Nordrhein-Westfalen (WIN) zu bilden, begleitet er schon intensiv in Gesprächen und Gremien. Er streitet auch nicht ab, dass allein dieser Schritt in der Partei von einigen mit großer Skepsis beobachtet würde, sagt aber: „Das ist nicht in erster Linie eine Entscheidung der Partei, sondern eine von Jens Schäfer.“ Er sei als Stadtverordneter gewählt worden und müsse für sich entscheiden, wie er seine Arbeit am besten organisiert.

Dass die Ambitionen schon beim Kommunalwahltermin im Mai 2014 aufkamen, aber sich nicht durchsetzten, verneint Buschmann nicht. Offenbar aber kann der Einzelmandatsträger Schäfer auch gut neun Monate später nicht damit dienen, einen rosa gefärbten Blick durch die FDP-Brille zu liefern. Die Arbeit ist nicht einfacher geworden. Entsprechend trägt der Kreisvorstand in Gelsenkirchen dem Wunsch seines übrig gebliebenen Stadtverordneten jetzt Rechnung.

Gibt es Bedingungen, um als Juniorpartner mit der WIN diese politische Gemeinschaft einzugehen? „Wir werden diese Aufstellung, wenn sie nach einer Prüfung durch die Verwaltung zustande kommen sollte, sorgfältig beobachten, um zu sehen, wie liberale Ideen in der Fraktionsgemeinschaft zum Tragen kommen“, sagt Marco Buschmann.

Auch das ist eine Haltung. Ob sie dazu geeignet ist, in Gelsenkirchen ein eigenes Profil der Liberalen erhalten zu können, wird erst die Zukunft können.

 
 

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