Gelsenkirchen

Macht und Identifikation: Das treibt Gruppenvergewaltiger an

In dieser Wache in Gelsenkirchen stellte sich Dean Martin L. im Beisein seines Anwalts.
In dieser Wache in Gelsenkirchen stellte sich Dean Martin L. im Beisein seines Anwalts.
Foto: ANC-News/ Polizei Essen

Gelsenkirchen. Eine Gruppe junger Männer vergewaltigt brutal mehrere Mädchen. Sie hecken vorher einen Plan aus, locken ihre Opfer an abgelegene Orte und setzen sie unter Druck. Dann zwingen sie sie zum Sex. Hinterher machen sie sich noch über ihre Opfer lustig.

So soll es geschehen sein im Dezember und Januar im Ruhrgebiet. Fünf Männer zwischen 16 und 23 Jahren sind dringend tatverdächtig, mindestens zwei 16-Jährige in Essen und Gelsenkirchen zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Dabei kam es auch zu Vergewaltigungen. Bei einem weiteren Fall im Januar ist noch nicht klar, ob die Tat nur geplant war oder wirklich stattgefunden hat.

Was treibt Menschen zu solchen Taten an?

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„Bei Vergewaltigungen geht es um Macht“

„Bei Vergewaltigungen geht es fast immer um Macht, nicht in erster Linie um Sexualität“, sagt Psychologe Sebastian Bartoschek im Gespräch mit DER WESTEN. Die Gruppe verstärke dieses Machtgefühl noch.

„Sie gibt den Einzelnen die Möglichkeit, sich innerhalb der Gruppe als Player zu inszenieren. Es entsteht eine verschworene Gemeinschaft, in der jeder von sich selbst und den anderen weiß: ,Du hast mitgemacht.' Gerade unter Heranwachsenden ist die Gruppe von extrem hoher Bedeutung."

Opfer werden abgewertet

Dass die mutmaßlichen Täter ihre Opfer hinterher noch über Snapchat verhöhnten, passe ebenfalls gut ins Bild: „Man legitimiert sich gegenseitig und gibt sich das Gefühl, dass die, die es verdienen, auch so handeln dürfen. Im Gegensatz dazu werden die anderen, die Opfer, in ihrem Menschsein abgewertet. Das gelingt nirgends so gut wie in Gruppen.“

Mittlerweile laufen Ermittlungen gegen alle fünf Mitglieder der beschuldigten Gruppe. Drei von ihnen sitzen schon länger in Untersuchungshaft, ein 16-Jähriger ist noch frei, da er zu jung ist und laut Staatsanwaltschaft bei ihm keine Fluchtgefahr bestehe.

Der letzte, bundesweit mit Fahndungsfoto und vollem Namen gesuchte Tatverdächtige Dean Martin L. (18) aus Gelsenkirchen hat sich am Donnerstagabend bei der Polizei gestellt. Er wird am heutigen Freitag dem Haftrichter vorgeführt.