Lüpertz malt Herkules einen (königs-)blauen Bart

Der Künstler Markus Lüpertz bemalte seinen Herkules am Dienstag in luftiger Höhe. Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Der Künstler Markus Lüpertz bemalte seinen Herkules am Dienstag in luftiger Höhe. Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.. Aus seinem Göttersohn Herkules macht Künstler Markus Lüpertz in Gelsenkirchen einen Blaubart: Lüpertz verleiht der 18 Meter hohen Skulptur seit Dienstag ein grelles Make-up. Am 14. Dezember wird der Koloss auf den THS-Turm gehievt.

Fast königsblau leuchtet sie, die üppige Haarpracht von Herkules, dem potenten Göttersohn. Die Pinselquaste setzt erneut an und der Kunst-Koloss mutiert zum Blaubart. Malerfürst Markus Lüpertz blickt seinem monströsen Kunstwerk in luftiger Höhe zufrieden in die Augen. Sein stählerner Herkules, mit satten 18 Metern die größte Skulptur, die er je geschaffen hat, bekommt seit gestern ein Gesicht.

Neue Helden braucht das Land. Sagt Lüpertz. Und schuf sich und der Region einen kraftstrotzenden Koloss, einen korpulenten Riesenkerl, einen Herkules eben. Seit wenigen Tagen steht der Held auf beiden Beinen. Am Dienstag griff der 69-jährige Künstler, ein exzentrischer Star der zeitgenössischen Kunstszene, tief in die Farbtöpfe und verlieh dem Kraftprotz ein grelles Make-up.

Den Weg vom Rhein an die Emscher kennt Lüpertz inzwischen bestens. Immer wieder pendelte er in den letzten Tagen zwischen Düsseldorf und Gelsenkirchen, um auf dem Gelände des Nordsternparks seinen Göttersohn zu betreuen, bevor der am 14. Dezember auf den über 80 Meter hohen THS-Turm gehievt wird.

Am Unterkörper schweißen noch die Schlosser

Am Dienstag nun Anreise zum Schminken des 23 Tonnen schweren Zeus-Nachfahren. Einmal mehr tauschte Markus Lüpertz, langjähriger Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, Frack gegen Arbeitskittel, Lackschuhe gegen derbe Stiefel. Arbeitshandschuhe statt der gewohnten Totenkopfringe. Malen in 18 Metern Höhe bei eisigen Minusgraden und dank Hubwagen in luftiger Höhe, eine echte Herkules-Aufgabe.

Aber der Meister ist sichtlich glücklich, gelöst, entspannt. Kein Glamour, kein Hofhalten, keine extravagante Egozentrik. Nur ein bisschen vielleicht: „Die Bedeutung der Skulptur ist die, dass sie von mir ist.“ Nun ja, er wird später präzisieren.

Rund um den Mann mit dem eisgrauen Bart dröhnt der Baulärm, Bagger rollen, Lastwagen donnern, die Arbeiten rund um den Nordsternturm laufen noch auf Hochtouren. Der silbrig glänzende Herkules steht aufrecht da, mit einem Lendenschurz aus blauer Plastikfolie. An seinem Unterkörper schweißen noch die Schlosser.

„Die Farbe wird ihm jetzt erst den Charakter geben“, sagt Lüpertz, bevor er seine ganz spezielle Schellack-Farben anrührt, ein Material, das schnell trocknet und das besonders gut auf Metall hält.

„Die entsprechende Figur für ein aufstrebendes Ruhrgebiet“

Gut, aber nicht ewig: „Mit der Zeit verändert sich die Farbe der Figur, das Aluminium dunkelt an der Luft, Staub wird sich in den Furchen absetzen.“ So wird die Zeit dem Herkulues immer wieder ein neues Gesicht geben: „Die Farbe, die ich jetzt auftrage, ist nur was für die Zeitgenossen.“

Wenn Lüpertz Farbe bekennt, dann mutig, kraftvoll, aufregend, intuitiv. „Fragen Sie nicht, warum die Haare blau sind! Götter haben einfach andere Haare als wir.“

Und mehr Mut. „Wir brauchen Helden, Idole, Utopien“, sagt Lüpertz, „es gibt keine bessere Zeit für Helden als unsere. Wir haben die dringend nötig.“ Einen Herkules zum Beispiel, der Probleme löse, Aufgaben bewältige: „Er ist die entsprechende Figur für ein aufstrebendes Ruhrgebiet.“

Spricht’s und schwebt wieder in die Höhe. Mit dem Blauton ist er noch nicht ganz zufrieden, „der ist zu flach, hat zu wenig Struktur“. Wachs wird er in die Furchen reiben, schwarezn und transparenten, und dem Koloss seinen archaisch rauen Anstrich geben.

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