Lösungen für Schrottimmobilien

Von der ehemaligen Schönheit der Fassaden ist an der Bochumer Straße in vielen Fällen nichts mehr zu sehen.
Von der ehemaligen Schönheit der Fassaden ist an der Bochumer Straße in vielen Fällen nichts mehr zu sehen.
Foto: WAZ
Fachleute diskutierten im Hans-Sachs-Haus über das Thema Stadtumbau. Die Bochumer Straße soll von der Landesinitiative „StadtBauKultur“ profitieren.

Gelsenkirchen.. Alles, was in Nordrhein-Westfalen Rang und Namen in Sachen Stadtplanung, -umbau und -erneuerung hat, kam am Freitag im Hans-Sachs-Haus zusammen. 250 Teilnehmer, darunter Architekten, Vertreter von Kommunen, Universitäten und Kammern diskutierten unter der Überschrift „Häuser von gestern für die Stadt von morgen“.

Die vom Land finanzierte Initiative „StadtBauKultur“ hatte zu der Konferenz eingeladen. In Gelsenkirchen soll die Bochumer Straße von den Ideen profitieren.

Projekt aus Rotterdam ist Vorbild

„StadtBauKultur NRW“ versteht sich als Labor, um Experimentierräume zu öffnen, die es in der Bauwirtschaft sonst nicht gibt. Ein Themenfeld widmet sich dem Stadtumbau. Einen ganzen Tag lang tauschten sich die Experten in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops zu diesem Komplex aus. Problemimmobilien wie in Ückendorf standen im Fokus. Ein erfolgreiches Projekt aus Rotterdam soll bald Wirklichkeit werden.


Die niederländische Kommune hat in den letzten zehn Jahren 150 Häuser in einem Problembezirk aufgekauft und günstig an Bauinteressierte abgetreten. Einzige Bedingungen: Der Umbau muss in Eigenregie erfolgen und die Immobilie bis zu fünf Jahre persönlich bewohnt werden. „Damit sollen Verantwortungsvolle Menschen in die Quartiere geholt werden“, macht Tim Rieniets, „StadtBauKultur“-Geschäftsführer, ein Ziel deutlich. Eine Förderung ist nur möglich, wenn das Projekt gemeinnützig ist, langfristigen Nutzen stiftet, öffentlichkeitswirksam ist und eine Dringlichkeit besteht.

Ideen auch für die Heilig-Kreuz-Kirche entwickeln

„An der Bochumer Straße wollen wir den Turnaround mit verschiedenen Projekten schaffen“, sagte Stadtdirektor Michael von der Mühlen. Die Finanzierungs- und Bauregeln aus Rotterdam müssten nun auf GE übertragen werden. „Wir werden ein bis zwei Immobilien aussuchen und zur Verfügung stellen“, so von der Mühlen. Er sei sicher, dass sich Menschen finden, die sich für das Projekt begeistern lassen.


„Wenn das erfolgreich ist, muss es nicht dabei bleiben“, verspricht Gelsenkirchens oberster Stadtplaner. Mit Machbarkeitsstudien soll die Übertragung des Rotterdamer Projekts auf die Gründerzeithäuser in Ückendorf geprüft werden. Auch die Heilig-Kreuz-Kirche soll davon profitieren. Für Kirchenleerstände werden ebenfalls Ideen entwickelt. Als Allheilmittel wird die „StadtBauKultur“ nicht herhalten: Die Ini ist nämlich landesweit aktiv.

Das Potenzial ist vorhanden

Weitere Themenfelder sind „Wir-Urbanismus“ (die Stadt als Gemeinschaftsprojekt) und das „StadtGespräch“ (Reden über Baukultur). „In vielen Menschen steckt Potenzial, um zum qualitätvollen Bauen beizutragen“, so Hartwig Schultheiß, Vorsitzender der Initiative.

Sitz der Initiative ist die Leithestraße in Ückendorf. Michael von der Mühlen ist zweiter Vorsitzender des Trägervereins.

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