Leserbeirätin ist verliebt in ihr Viertel

Anton und sein Frauchen Dorothea Schäfers haben uns mitgenommen auf ihre tägliche Hunderunde durch Buer.
Anton und sein Frauchen Dorothea Schäfers haben uns mitgenommen auf ihre tägliche Hunderunde durch Buer.
Foto: WAZ FotoPool
In ihrem Viertel kennt Dorothea Schäfers jeden Geheimgang. An der Pfefferackerstraße startet unser Rundgang durch das Quartier mitten in Buer.

Gelsenkirchen.  In ihrem Viertel kennt Dorothea Schäfers jeden Geheimgang. Über fein gefegte Gehwege, vorbei an Einfamilienhäusern und gestutzten Hecken gelangen wir zum „Schwarzen Weg“. So mysteriös wie sein Name klingt, ist der Gang zwischen den Gärten aber gar nicht. Hündchen Anton tappst daher an der langen Leine voraus. Denn der schwarze Weg führt gleich ins grüne Paradies – den Goldbergpark! Hier, im Eck zwischen Goldberg-, De-La-Chevallerie-Straße, Ost- und Nordring, ist Dorothea Schäfers, 59, geboren und aufgewachsen – dort wohnt sie auch heute noch. Sie sagt: „Ich liebe dieses Viertel.“

Mitten in Buer

An der Pfefferackerstraße startet unser Rundgang durch das Quartier mitten in Buer. „Dort bin ich geboren“, sagt Dorothea Schäfers und zeigt auf Haus Nummer 32. „Heute sieht es natürlich ganz anders aus.“ Damals war die Straße noch nicht asphaltiert, sondern voll mit Schotter. „Rollschuh gefahren sind wir darauf aber trotzdem.“ Ihre Großeltern hatten in den Zwanziger Jahren an der Pfefferackerstraße für die Familie ein Zuhause geschaffen. Davor drängeln sich Autos durch die Wohnstraße.

Es ist kurz nach eins und die Eltern holen ihre Kinder von der gegenüberliegenden Grundschule ab. „Dort sind drei Generationen unserer Familie zur Schule gegangen – meine Mutter, meine Kinder und ich.“ Auch die weiterführenden Schulen liegen alle nah beieinander. „Als ich noch berufstätig war, konnte ich zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit und die Kinder von der Schule abholen, das war genial!“ Ohnehin: „Hier liegt alles so nah beieinander.

Drei Jahre Horst

1976 zog es Dorothea Schäfers und ihre Familie, Mann, Tochter und Sohn, mal kurz nach Horst. „Aber nicht lange“, lacht sie. Drei Jahre später flüchteten sie wieder in die Heimat – nach Buer. 1984 kauften sie schließlich ihr Haus in der Straße Am Spinnweg, Garten an Garten mit den Großeltern.

Anton zieht an der Leine, er will die übliche Runde gehen. Also auf in Richtung Lindenstraße. Wir laufen vorbei an einer Bar mit kleinem Biergarten und Schäfers erzählt: „Früher gab es hier mehr Läden, einen Fleischer, ein Büdchen, Lebensmittelläden – aber die haben alle zu gemacht.“ Mehr Nahversorgung würde sie sich daher für ihr Viertel wünschen, auch wenn es in Buer-Mitte viele Geschäfte gebe.

Als Kind auf dem Feld gespielt

Wir biegen an der Westerholter Straße nach links in einen kleinen Park zwischen den Häusern ein. „Früher habe ich hier als Kind auf dem Feld gespielt.“ Heute nutzen die Bueraner die Grünfläche vor allem, um ihre Hunde auszuführen. Zwar gebe es in der Nähe den Westerholter Wald, trotzdem fehle „eine Hundewiese, auf der wir die Tiere frei laufen lassen können.“

Anton trippelt voran, vorbei an Annette-von-Droste-Hülshoff- und Max-Planck-Gymnasium, hin zum Goldbergpark. „Es wäre schön, wenn hier mehr Veranstaltungen wie das Blind Date Festival stattfinden würden“, sagt Schäfers. Außerdem fehle ein Bürgerhaus oder eine Art Kulturzentrum, in dem sich Jung und Alt treffen können. „Zu meiner Jugendzeit war das die Pappschachtel, ein Jugendzentrum, in dem Konzerte stattfanden.“

Wir gehen ein paar Schritte weiter in Richtung De-La-Chevallerie/ Ecke Westerholter Straße, an den Ort, an dem die Pappschachtel im April 1977 eröffnete – und im Mai 1982 niederbrannte. Herbert Grönemeyer, Hannes Wader oder Extrabreit haben da gespielt, heute steht dort ein Komplex mit Eigentumswohnungen. Seitdem habe es keine Begegnungsstätte mehr für die Menschen im Stadtteil gegeben. „Schade“, findet das Dorothea Schäfers. „Dabei haben wir hier eine so tolle Nachbarschaft.“

 
 

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