Kunterbunte Tier-Truppe für Gelsenkirchener Weihnachtscircus

Jörn Stender
Der Kleintiertrainer Jochen Träger-Krenzola jr. tritt mit gut siebzig Tieren in zwei Showteilen im Weihnachtscircus Probst in Gelsenkirchen auf. Auch Fuchs Michel gehört zu seiner tierischen Showtruppe.
Der Kleintiertrainer Jochen Träger-Krenzola jr. tritt mit gut siebzig Tieren in zwei Showteilen im Weihnachtscircus Probst in Gelsenkirchen auf. Auch Fuchs Michel gehört zu seiner tierischen Showtruppe.
Foto: Funke Foto Services
Jochen Träger-Krenzola junior formiert aus Gans und Fuchs, Hund und Katze, Minischweinen, Ziegenbock und Kakadus Show-Nummern für die Manege.

Gelsenkirchen. Pablo, Peggy und ihre sieben Minischweinchen neigen zur Haufenbildung. Kunterbunt gewürfelt liegen sie im Stroh und halten Mittagsschlaf. Nebenan hängen die beiden Füchse Michel und Paulinchen in ihrer Hängematte aus Sackleinen ab. Ihr Zwinger grenzt ans Gehege der Gänse und Laufenten. Die schnattern zwischen Wasserbecken und Stallbox und sind die einzigen im näheren Umkreis, die der einsetzende Nieselregen Montag nicht an ein trockenes Plätzchen treibt.

Matschige Entenfüße? Kein Problem. „Die gehen einmal ins Wasser, dann sind sie sauber“, sagt Jochen Träger-Krenzola junior. Und damit sind sie fein für den Auftritt. In ein paar Stunden wird die gesamte Meute mit dem Tiertrainer in der Manege stehen – als Hauptakteure einer verspielten Revue. Mit Fuchs und Gans, Katze und Hund, mit Ziegenbock Wolfgang und Truthahn Rudi. Was sich von Natur aus nicht unbedingt hold ist, vereint der Tiertrainer im Gelsenkirchener Weihnachtscircus in zwei tierischen Nummern, die Zirkusklassiker sind.

Der heimliche Star ist dabei eine Lady – Kakadu-Dame Dorothy. Schneeweiß und verschmust sitzt sie auf der Schulter des 49-Jährigen, klettert seinen Arm auf und ab. Ein deutlich gekrächztes „Papa“ ist zu hören. Der Tiertrainer darf sich angesprochen fühlen. Er ist so etwas wie der Ziehvater der gesamten Herde – und sicher das Leittier.

Wolfgang Krenzola hat die ungewöhnliche Tierdressur einst aufgebaut. Träger, ausgebildet als Tierpfleger in der DDR, stieß Anfang der 1990er Jahre dazu, zunächst als Assistent, später übernahm er die Tiershow. Den Namen „Krenzola jr.“ trägt er erst als Künstler- und nun als Doppelname seit 1996. In diesem Jahr starb sein langjähriger Mentor.

Leckerchen als Belohnung

Dorothy, mittlerweile 30 Jahre alt, stammt noch aus der gemeinsamen Zeit. Wie ihr Vater, Kakadu-Oldie Pepe. 40 Jahre alt ist er und noch bei jeder Show dabei. Zwar eher am Rande, aber eben in der Manege. „Man muss jedem Tier gerecht werden. Jedes Tier hat seinen eigenen Willen. Das ist auch gut so, sonst kann man nicht arbeiten. Erzwungen und allez hopp auf Biegen und Brechen geht da gar nix. Man muss immer schauen: Was verlangt man von dem Tier? Was kann es geben. Im Idealfall animiert man es, Aufgaben anzunehmen“, skizziert der Tiertrainer die Grundlagen seiner Arbeit und weiß: „Manche sitzen nur dabei, die sind für Solo-Sachen nicht geeignet. Dann hat man eben die kleinen Stars und die ganz normalen Arbeiter.“ Wie im richtigen Leben halt. Und auch das gibt’s: Tage, an denen der ein oder andere tierische Akteur nicht so recht mitspielt. Dann ist der Tiertrainer als Motivator gefragt. Aber in der Regel, weiß Träger-Krenzola jr. „warten Tiere auf Beschäftigung. Das ist sehr stark ausgeprägt.“

Kontakt und Vertrauen sind dabei die Basis für alles. Und, na klar, Leckerchen zur Belohnung. Für einen Happen Toast zieht es auch jetzt die Schweine aus ihrem Strohnest. „Hunger haben die immer. Und sie sind recht schlau.“ Eber Pablo ist der Boss der Großfamilie und verschafft sich grunzend Respekt. Doch der endet schon am Zaun. Da haben zwei quirlige Jack-Russel-Terrier das Sagen. Die, lacht der Tierlehrer, „sind die Chefs“.

Mit Laufenten zum RTL-Supertalent

Mit Wellensittichen und Zebrafinken fing einst die tierische Beziehung von Jochen Träger an. Mit 18 lernte er Tierpfleger an einem Staatszirkus der DDR mit einem „sehr großen Tierbestand“ vom Zwergpony bis zum Elefanten, mit eigenen Raubtiernummern. „Das war staatlich gefördert und gewollt. Entsprechend fehlte auch der Druck, wirtschaftlich zu sein.“

Der traf Träger mit der Wende. Doch dem Zirkus blieb er treu. „Der Wechsel von Show und harter Arbeit, von Auf- und Abbau des ganzen Zirkusbetriebs, das war immer schon für mich eine faszinierende Welt. Mein Herz hängt am Zirkus“, sagt der 49-Jährige, der auf seinem Hof in Sachsen-Anhalt die Heimatbasis für sich, seine Familie und gut 150 Tiere hat. Mit 76 – von der Taube bis zum Irischen Wolfshund – kam er zum Gastspiel in den Revierpark. Im Circus Probst ist er das erste Mal mit seinen Nummern im Programm. „Extrem international und gut besetzt“ empfindet er den Weihnachtscircus“, der eine von vielen Stationen im Laufe eines Jahres ist. Mit seinen Tieren tritt Jochen Träger auch in Varietés, bei Galas, Messen oder auch in Seniorenheimen auf. Besonders gerne übrigens mit seinen Vögeln. Die bekam auch schon ein Millionenpublikum zu sehen – beim RTL-Supertalent. Mit seiner Schar Laufenten setzte sich der Tiertrainer dort bei Bohlen & Co. gegen eine ganze Reihe schräger Vögel durch.