Kunst der Verwandlung

Wolfgang Platzeck
„Gespräch der Baumgeister" heißt die Skulptur von Jan Bormann.    Foto: Thomas Schmidtke
„Gespräch der Baumgeister" heißt die Skulptur von Jan Bormann. Foto: Thomas Schmidtke
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Gelsenkirchen.  Ob sich Geisterstimmen gegen Volkes Stimme behaupten können? „Wenn ich etwas Technisches hätte machen wollen, sähe das anders aus“, sagt Jan Bormann über seine Baumskulptur, die am Sonntag um 11.30 Uhr in den Berger Anlagen vorgestellt wird.

„Gespräch der Baumgeister“ nennt der Bildhauer aus Castrop-Rauxel seine Arbeit. Im Volksmund hat das 8,4 Meter hohe Werk dagegen schon einen anderen Namen weg: „Die Stimmgabel“.

18 Baumskulpturen stehen nun in den Berger Anlagen, die dem Kunstverein Gelsenkirchen von den Gelsendiensten für sein Projekt „Kunst am Baum“ zur Verfügung gestellt wurde. Seit 1993 erfährt jährlich eine der Pappeln, die ein halbes Jahrhundert nach der Pflanzung ihre Standfestigkeit zu verlieren drohen, die Metamorphose durch Künstlerhand. Einzige Vorgabe: Der Baumstumpf muss erhalten bleiben. Welche Gestalt das „natürliche“ Kunstwerk dann auch annimmt, es bleibt im Kreislauf der Natur gefangen. . Stefan Pietrygas bekannte blaue „Pappel Westwind“ zum Beispiel steht längst nicht mehr, liegt auf dem Boden; auch der „Standpunkt“ von Nicola Dormagen, glaubt Kunstvereinsvorsitzender Ulrich Daduna, dürfte bald seine Standfestigkeit einbüßen.

Jan Bormann ist nun der erste Revier-Künstler, der in den Berger Anlagen vertreten ist; entgegen dem üblichen Verfahren musste sich der Castrop-Rauxeler – der für das „Gespräch der Baumgeister“ erstmals am lebenden Baum arbeitete – nicht bewerben; der Kunstverein bot den renommierten Bildhauer und Landschaftsgestalter von sich aus eine „Jahrespappel“ an. Für Bormann bedeutet die neue Arbeit nur ein weiteres Zeichen neben den vielen anderen, die er bereits im Ruhrgebiet gesetzt hat und mit denen er oft seiner Zeit voraus war. Sein erst später realisierter „Spurwerkturm“ für die Halde der Zeche Waltrop war die erste entworfene, seine Sonnenuhr auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel (1994) ist die erste errichtete Landmarke der IBA.