Kundgebungsort der Rechten in Gelsenkirchen entsetzt Gegner

Irene Stock
„No Nazis“ in Gelsenkirchen. Dafür gehen die Bürger auf die Straße.
„No Nazis“ in Gelsenkirchen. Dafür gehen die Bürger auf die Straße.
Foto: Martin Möller / Funke Foto Services
Die Partei "Die Rechte" will ihre Abschlusskundgebung im Wendehammer der Karl-Mayer-Straße machen – in unmittelbarer Nähe des Ernst-Käsemann-Platzes, wo ein großes Volksfest mit Musik und Kundgebungen stattfindet.

Gelsenkirchen. Unverständnis, Unmut, Entsetzen – das sind die Reaktionen im Rathaus, bei der Demokratischen Initiative, im Stadtteil Rotthausen und bei der Emmausgemeinde über die Entscheidung der Essener Polizei, die Abschlusskundgebung der Partei "Die Rechte" am 1. Mai im Wendehammer der Karl-Mayer-Straße stattfinden zu lassen.

Die Karl-Meyer-Straße und der Ernst-Käsemann-Platz, wo ab 19 Uhr das Volksfest stattfindet, mit dem Gelsenkirchen den Nazis die Rote Karte zeigen will, sind nur durch die Bordsteinkante getrennt.

„Das man die Rechten direkt am Käsemann-Platz vorbeiführt, ist nicht nachzuvollziehen“, sagt Pfarrer Rolf Neuhaus von der Emmausgemeinde in Rotthausen. Ursprünglich war man in Gelsenkirchen davon ausgegangen, dass "Die Rechte" von der Steeler Straße kommend in die Straße "Am Dahlbusch" einbiegt.

„Diese Nähe war so nicht geplant; damit schafft man eine Situation, die schnell eskalieren kann.“ Er fürchtet, dass nun vor allem „die demonstrationsunerfahrenen Bürger“ dem Fest auf dem Käsemann-Platz fern bleiben werden – aus Angst, aus Sorge, dass es zu Gewalt kommt. „Der Polizei muss klar sein, dass sie für die Sicherheit auf dem Ernst-Käsemann-Platz zuständig ist und dass sie jeden Bürger beschützt.“

Auftaktkundgebung in Essen verlegt

Für den Rotthauser Pfarrer sind einige Fragen offen: „Wie ist es mit der alten Oma, die bereit ist, zum Ernst-Käsemann-Platz zu kommen, aber um 20.30 Uhr nach Hause möchte? Hat sie überhaupt die Möglichkeit oder muss sie bis 22 Uhr bleiben?“ Heute will die Gelsenkirchener Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer ausführlich Stellung beziehen.

Na ch dem Kooperationsgesprächen zwischen dem Polizeipräsidium Essen und dem Antragsteller „Die Rechte“ ist auch die Auftaktkundgebung der Neonazis am 1. Mai in Essen verlegt worden. Sie findet jetzt auf dem Krayer Markt statt (vorher: S-Bahnhof Essen-Steele). Die Initiative "Essen stellt sich quer" organisiert fünf Gegenaktionen auf dem Essener Stadtgebiet.

In Gelsenkirchen gibt es zwei: südlich der Achternbergstraße und auf dem Ernst-Käsemann-Platz. Ab 19 Uhr gibt es auf dem Platz Hardrock-Musik mit „Out of Script“. Pfarrer Chaikowski, OB Baranowski und Superintendent Höcker sprechen (19.35 Uhr).

Stefan Mrezar und Günter Bargel spielen europäische Lieder, es gibt die Aktion „Engel der Kulturen“ und Musik von „Les Djembistes“ (bis 20.35 Uhr). Redebeiträge gibt es auch von der Moscheegemeinde, dem Interkulturellen Stammtisch und Evangelischer Jugend. Musik von „Infrarot“ und „Four“ setzen den Schlusspunkt.

18 Uhr: Kundgebung der Rechten auf dem Krayer Markt. 19 Uhr: Marsch über Hubertstraße, Krayer Straße, an den Stolpersteinen der Kirche St. Barbara vorbei, Unterführung Rotthausen.

Und weiter: Rotthauser Straße, Steeler Straße, Rotthauser Markt, am Ernst-Käsemann-Platz vorbei in den Wendehammer der Karl-Mayer-Straße. Dort soll die Abschlusskundgebung stattfinden.