Kultur für alle wird jetzt von Gelsenkirchen aus organisiert

Sibylle Raudies
Neuer Vorstand, neue Zentrale:  Hannah Lütkenhöner, Marie-Cécile Duclercq, Vorsitzende Brigitta Blömeke und Marita Heiliger organisieren das Gratiskulturangebot für Einkommensschwache ab sofort von der Husemannstraße aus.
Neuer Vorstand, neue Zentrale: Hannah Lütkenhöner, Marie-Cécile Duclercq, Vorsitzende Brigitta Blömeke und Marita Heiliger organisieren das Gratiskulturangebot für Einkommensschwache ab sofort von der Husemannstraße aus.
Foto: Funke Foto Services
Der KulturPott.Ruhr hat seine Zentrale von Essen nach Gelsenkirchen verlegt. Das Team startet mit viel ehrenamtlicher Arbeit und Crowdfunding.

Gelsenkirchen. „Kultur für alle“ – das ist das Motto der Kulturloge, die jetzt nicht mehr Kulturloge heißt. Aus komplizierten rechtlichen Gründen, was aber an der Arbeit und deren Sinn nichts ändert. Der „KulturPott.Ruhr“, wie die gemeinnützige Organisation jetzt heißt, will allen Menschen in der Region den Zugang zu kulturellen Angeboten zu ermöglichen. Auch Menschen mit geringem Einkommen. Denn die können sich in der Regel den Besuch eines Konzertes, der Oper oder auch des Kindertheaters nicht leisten.

Viel Unterstützung aus der Stadt

Neu am „KulturPott.Ruhr“ ist auch der Sitz der Zentrale. Der ist nämlich ab sofort in Gelsenkirchen, zuvor residierte sie in Essen. Dort war die Loge im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 gegründet worden.

Dass der Verein sich nun im Herzen Gelsenkirchens, an der Husemannstraße 53, niedergelassen hat, hängt mit dem neuen Vorstand zusammen. Drei von vier Mitgliedern kommen nämlich aus Gelsenkirchen. Brigitta Blömeke (67), ehemalige Leiterin der Gesamtschule Waltrop, zuvor an der Gesamtschule Berger Feld, ist jetzt erste Vorsitzende, zweite Vorsitzende ist Marie-Cécile Duclerq (71), ebenfalls ehemalige Lehrerin am Berger Feld. Aus jener Zeit kannten die beiden einander. Sie waren es auch, die vor drei Jahren die Gelsenkirchener Dependance der Loge gründeten.

2406 aktive Kulturgäste werden derzeit betreut

Hannah Lütkenhöner (26) hat gerade ihren Master of Arts absolviert und will ihre Promotion beginnen. Sie fungiert als zweite Vorsitzende und Pressesprecherin des Vereins. Die dritte Gelsenkirchenerin im erweiterten Vorstandsteam ist Marita Heiliger (62), studierte Ingenieurin und später als Lehrerin an der Sonderschule im Einsatz.

Unterstützt von einer Minijobberin, einer Langzeitarbeitslosen und je einer Kraft über das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst organisieren sie von Gelsenkirchen aus die kulturelle Versorgung der derzeit 2406 aktiven Kulturgäste aus 53 Städten. Unterstützt von zahlreichen Ehrenamtlern in den 13 Städten der Region, in denen es Niederlassungen gibt.

Anlaufstelle für Gelsenkirchene im Rundhöfchen bleibt bestehen

„Die Betreuung der Gäste läuft auch in Gelsenkirchen weiterhin über die Anlaufstelle am Rundhöfchen. Die liegt ideal, angegliedert an die Ehrenamtsagentur,“ stellt Brigitta Blömeke klar. Dass man sich für einen Wechsel der Zentrale nach Gelsenkirchen entschieden habe, liege aber nicht allein am Wohnsitz des Vorstands. „In Gelsenkirchen ist man uns so weit entgegengekommen wie sonst nirgends. Bei allem. Der Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung, die auf uns hinweist, die Schauburg, in der wir feiern durften, der Gelsenkirchener Künstlerbund, der uns unterstützt. . .“

Werke von Mitgliedern des Künstlerbundes zieren auch die Wände des ansonsten noch recht kargen Vereinsbüros. Alle Werke sind käuflich – zugunsten des „KulturPott.Ruhr“, der wahrlich nicht im Geld schwimmt. Im Gegenteil.

 

Die Zahl der zahlenden Mitglieder ist überschaubar und auch wenn die Arbeit ehrenamtlich geleistet wird, gibt es doch diverse Fixkosten für Flyer, Organisation, Miete usw. Mitgliederwerbung steht auch weit oben auf der Agenda für 2016. Um Einnahmen zu sichern – Jahresbeitrag 50 Euro – und um die Arbeit breiter verteilen zu können.

Bei der Finanzierung der Fixkosten helfen soll zudem ein Crowdfunding-Projekt gemeinsam mit der Volksbank. Mit Beträgen ab einem Euro können Interessierte dabei das Projekt fördern. Die Bank schießt ab und je fünf Euro Spende jeweils zehn Euro dazu. Allerdings müssen Teilnehmer sich dazu registrieren auf der Seite. Ende Januar läuft die Frist für das Crowdfundig-Projekt aus. Der Link dazu lautet: https:/vb-ruhrmitte.viele-schaffen-mehr.de/kulturloge-1

Crowdfunding-Projekt und Mitgliederwerbung 2016 im Fokus

Mehr als 5000 Kulturgäste hat die Organisation seit ihrer Gründung 2010 mit Gratiseintrittskarten für Oper, Schauspiel, Konzert, Kindertheater und mehr versorgt. 272 Kulturpartner bieten regelmäßig Gratiskarten an, darunter das Musiktheater im Revier ebenso wie bisweilen Schalke, das Consol-Theater, das Planetarium in Bochum und viele andere. Eingetragene Gäste bekommen stets zwei Gratiskarten.

233 Sozialpartner wie die Tafel und Wohlfahrtsorganisationen helfen, Einkommensschwache auf das Angebot aufmerksam zu machen.

55 .000 Tickets wurden seit der Gründung im Jahr 2010 vermittelt, und zwar für 6200 Veranstaltungen. Lokale Zweigstellen neben der Zentrale gibt es in Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen, Dortmund, Mülheim, Duisburg, Hattingen, Waltrop, Recklinghausen, Gladbeck, Bottrop und Marl.

Die Zentrale des KulturPott.Ruhr e.V. an der Husemannstraße 53 ist ab 15. Januar wieder erreichbar unter der Nummer 0209 157 944 10 sowie per Mail unter info@kulturpott.ruhr. Das Büro ist montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Für Kulturgäste ist die Filiale am Rundhöfchen 6 dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet – nach den Schulferien. Weitere Infos hier unter 0157 82 85 15 02.

Wer spenden möchte: Das Kulturpott.Ruhr-Konto bei der gemeinnützigen GLS Bank hat die IBAN: DE52 4306 0967 4075 8326 00. BIC: GENODEM1GLS