„Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“

„Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ heißt die neue Inszenierung im Musiktheater.
„Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ heißt die neue Inszenierung im Musiktheater.
Foto: Pedro Malinowski
Der Kinderbuchklassiker „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ von Christine Nöstlinger dient als Vorlage für die gleichnamige Inszenierung im Musiktheater. Was passiert, wenn Berta Bartolotti eigentlich ein Paket Schuhe erwartet, aber eine blaue Tonne mit Kind bekommt, erzählt dieses Stück.

Gelsenkirchen.. Es klingelt. Vor der Tür steht nicht der freundliche Bote vom Paketservice mit dem Schuhkarton. Stattdessen eine blaue Tonne. Berta Bartolotti entfährt darüber natürlich kein Schrei der Glückseligkeit, eher der Entrüstung, als sie darin nicht das erhoffte Paar Schuhe findet, sondern, wie sie erfahren muss, ihren frischproduzierten, fabrikneuen, siebenjährigen Sohn. „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ ist die neue Musiktheater-Inszenierung von Gisberth Näther und Ulla Theißen nach dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker von Christine Nöstlinger.

Frau Bartolotti, hinreißend von Denise Seyhan gespielt, und ihr Sohn wider Willen, Konrad, manchmal etwas sehr roboterhaft, dennoch durchweg charmant gegeben von Helge Salnikau, passen so gar nicht zueinander. Die Mutter ist liebevoll chaotisch. Der Sohn wurde artig und pflichtbewusst in der Fabrik programmiert. Aber wie so oft entwickelt sich aus offensichtlichen Gegensätzen Sympathie. Und als sich herausstellt, dass Konrad der falschen Mutter zugestellt wurde, entbrennen tiefe Mutter-Sohn-Gefühle.

Eine stimmige Produktion

Humorvoll, sehr nah- und greifbar entflechtet Ulla Theißen in ihrer Regie durchaus anspruchsvolle Sujets, wie die Patchwork-Familie, Adoption und Zivilcourage. Das Stück auf der Bühne im Kleinen Haus wird zu einem Mikrokosmos auf den vor allem die kleinen Besucher stark reagieren.

Als Konrads Freundin Kitti, bezaubernd von Linda Hergarten interpretiert, ihm gesteht, dass sie ihn lieb hat, reagieren zwei Mädchen im Publikum direkt mit: Igitt. Und so viele „Aahs“ und „Oohs“, Lacher und Fragen aus dem Zuschauerraum wünscht sich wohl jeder Regisseur für seine Inszenierung. Dazu tragen auch die sehr passende Ausstattung von Helke Hasse bei sowie die mit in die Handlung eingreifenden Musiker.

Alles in allem eine sehr stimmige Produktion für Kinder und Erwachsene, die im besten Sinne Lust macht auf Musiktheater, auch wenn sich Linda Hergarten wahrscheinlich manchmal eine schnurlose Kommunikation auf der Bühne oder zumindest eine Kabelrolle wünschte, wenn Sie den direkten Draht zu Konrad zieht. Aber dieser rote Faden führt nicht nur zu Konrad sondern auch geradewegs zum Höhepunkt der Inszenierung. Den sollte man nicht verpassen.

 
 

EURE FAVORITEN