Konferenz zeigt die Zusammenhänge von Armut auf

Der Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge (re.) spricht am Samstag bei der abschließenden Podiumsdiskussion auf der Sozialkonferenz für Gelsenkirchen. Die Partei Die Linke hat diese unter dem Titel „Zeit für Veränderung“ in der Gesamtschule Ückendorf organisiert.
Der Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge (re.) spricht am Samstag bei der abschließenden Podiumsdiskussion auf der Sozialkonferenz für Gelsenkirchen. Die Partei Die Linke hat diese unter dem Titel „Zeit für Veränderung“ in der Gesamtschule Ückendorf organisiert.
Foto: Martin Möller
Die Städte sind mit Geld chronisch unterversorgt und müssen gleichzeitig immer mehr Aufgaben übernehmen. Da fehlen die Mittel für die Armen

Gelsenkirchen..  Seit Jahren nimmt Gelsenkirchen in der Armutsstatistik einen traurigen Spitzenplatz ein. Über die Gründe dieser anhaltenden Entwicklung und die Möglichkeiten, was man dagegen tun kann, wurde am Samstag in der Gesamtschule Ückendorf diskutiert. Eingeladen hatte zu der hochkarätig besetzten Veranstaltung Die Linke, Kreisverband Gelsenkirchen.
Während die einzelnen Arbeitgruppen sich eher um konkrete Vorschläge kümmerten, wie man in den Quartieren den Menschen helfen kann, ordnete der bekannte Armutsforscher Prof. Christoph Butterwegge von der Uni Köln die Zusammenhänge zwischen arm und reich ein und begann mit einem Zitat von Bert Brecht: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an, und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“.

Die Forschung zeige, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen privatem Reichtum und der Armut der öffentlichen Hand gibt, erklärte der Wissenschaftler. „Mittlerweile wird die Daseinsvorsorge kaputt gespart, die Infrastruktur liegt am Boden.“ Im Grunde brauche man eine viel bessere Ausstattung der Kommunen.

Butterwegge; Veränderung scheitert am politischen Einfluss der Reichen

Aber auch der Bevölkerung könne man vieles nicht vermitteln. Zum Beispiel sei der überwiegende Teil der Bürger gegen eine Erbschaftssteuerreform, weil alle um das Häuschen von Oma fürchten würden, das sie einmal erben.

Es sei so schwer, etwas zu verändern, weil diejenigen, die reich sind, auch immer politisch einflussreich sind. Und das eben auch in den Kommunen. Wenn es vielen schlecht gehe, wachse auch die Gefahr, dass die Bürger den Rechtspopulisten auf den Leim gehen.

Gelsenkirchens Sozialdezernent Luidger Wolterhoff wies darauf hin, dass die Möglichkeiten, die die Stadt habe, eher begrenzt sind. Ein Feld, in dem man noch Gestaltungsraum hätte, sei das Wohnen. In dem Bereich hatte auch eine Arbeitsgruppe erarbeitet, das man verstärkt in die Quartiere gehen müsse, um älteren Menschen, die eine zu große Wohnung haben, den Umzug in eine kleinere zu ermöglichen. Da ließe sich finanzielle Not lindern.

Publizist Dr. Werner Rügemer: Aus dem Aufstand der Städte ist nicht geworden

Publizist Dr. Werner Rügemer von der Uni Köln machte auch den Bund-Länder-Finanzausgleich für die Misere der Kommunen und damit auch eines großen Teils der Bevölkerung verantwortlich. „Auch wenn mehr Geld fließt, kommen ständig neue Aufgaben auf die Städte zu, die wieder mehr Geld verschlingen“, so seine Kritik. „Aus dem Aufstand der Städte, ist nichts geworden. Wir brauchen andere Initiativen“, forderte Rügemer. Auch Ingrid Remmers, stellvertretende Landessprecherin der Linken, kritisierte, dass es immer nur punktuellen Widerstand gegen diese Art der Finanzierung gebe.

„Wir brauchen politischen Druck, denn das Problem ist ein strukturelles“, sagte sie. Es könne nicht sein, dass 45 942 Gelsenkirchener ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen könnten. „Die Schlüsselzuweisungen sind immer weiter gesunken bei immer mehr Aufgaben, die die Städte übernehmen müssen.“ Zeit für Veränderungen, forderte die Sozialkonferenz und lieferte starke Argumente.

 
 

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