Kokain-Schmuggel – Gericht schickt Schwestern ins Gefängnis

Foto: Kerstin Kokoska
  • 59-jährige Gelsenkirchenerin muss vier Jahre und drei Monate in Haft
  • In präparierten Autos Kokain von Rotterdam nach Mallorca geschmuggelt
  • Ihre zwei Jahre jüngere Schwester half ihr bei den Kurierfahrten

Die Schwestern blickten starr in den Saal. „Wie Urlaub“ seien die Kokain-Schmuggelfahrten nach Mallorca, hatte es mal euphorisch geheißen. Jetzt präsentierte die VII. Strafkammer am Landgericht Essen ihnen die Rechnung: Gabriele G. (59) soll vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis, ihre Schwester (57) zweieinhalb Jahre. Ihre Mitangeklagten bekamen Bewährungsstrafen.

Wieder ein Urteil rund um die Rauschgiftaktivitäten des Frank W. (43), der im Sommer sieben Jahre Gefängnis erhalten hatte. Erst in der vergangenen Woche hatte eine andere Kammer des Landgerichtes seine Mutter, 80 Jahre alt, wegen ihrer Beteiligung am Drogenhandel des Sohnes zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Das milde Strafmaß war wohl vor allem dem Alter der Angeklagten geschuldet, so dass selbst Staatsanwältin Heike Handtke „unter Zurückstellung größter Bedenken“ lediglich eine Bewährungsstrafe beantragt hatte.

Drogenlieferant saß in Holland

Von 80 Lebensjahren sind die Gelsenkirchener Schwestern noch weit entfernt, auf Milde durften sie deshalb nicht hoffen. Gabriele G. war im vergangenen Jahr von Frank W. angesprochen worden, weil sein Drogenlieferant in Rotterdam Kuriere für den Rauschgiftschmuggel gesucht hatte. Die Arbeit klang einfach: In Holland sollte sie in ein präpariertes Auto steigen, in dessen Innerem sechs Kilogram Kokain versteckt waren. Damit sollte sie nach Mallorca fahren und den Stoff dort abliefern. 3000 Euro sollten der Lohn für die Fahrt sein.

Später warb Gabriele G. noch ihre Schwester an. Davon erzählte die Jüngere im Prozess: „Sie sagte, das sei wie Urlaub. Jeder könne mitmachen.“ Ein wenig Diskussion hatte es im Prozess um die Frage gegeben, ob die Schwester anfangs glaubte, nur Schwarzgeld zu schmuggeln, oder von Beginn an eingeweiht war.

Auch schon in Frankreich verurteilt

Die Schwestern, die auf einer ihrer Fahrten in Frankreich von der Polizei gestoppt und später von einem französischen Gericht zu einer kurzen Strafe verurteilt wurden, hatten im Essener Prozess „im Grunde gestanden“, wie Richter Nils Feldhaus es in der Urteilsbegründung ausdrückte. Zum Geständnis hatte auch das Motiv gehört, von dem Gabriele G. gesprochen hatte. Sie habe das Geld für die Grabpflege benötigt.

 
 

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