Königsblauer Grenzverkehr

Patrick Schleu
Der Schalker Ex-Profi Rolf Lendzian (71) spielte für den FC Schalke 04, ehe er 1961 nach Enschede. Das Bild zeigt den ehemaligen Fußballprofi im Laden seiner Tochter an der Ewaldstraße in Resse.
Der Schalker Ex-Profi Rolf Lendzian (71) spielte für den FC Schalke 04, ehe er 1961 nach Enschede. Das Bild zeigt den ehemaligen Fußballprofi im Laden seiner Tochter an der Ewaldstraße in Resse.
Foto: WAZ FotoPool
Rolf Lendzian schnürte zunächst für Schalke 04 und ab 1961 für den FC Twente Enschede die Fußballstiefel.

Gelsenkirchen. „98 Kilometer sind es von der Glückauf-Kampfbahn zum Vereinsgelände von Twente Enschede.“ Die Aussage belegt: Jeden dieser Kilometer, die heute viele der etwa 2000 Schalke-Fans zurücklegen, hat der Gelsenkirchener Ex-Fußballprofi Rolf Lendzian genau gezählt. 1961 wechselte der damals 21-Jährige von Schalke zum niederländischen Erstligisten und wurde so wöchentlich zum Grenzgänger. Vor dem Europa League-Auswärtsspiel von S04 sprach Lendzian über glorreiche Zeiten.

Nach drei Profi-Jahren auf Schalke wechselte der Knappe zum FC Twente (damals noch SC Enschede), bei dem Helmut Rahn bereits eine Saison für Furore sorgte. Lendzian, der neben der Glückauf-Kampfbahn aufwuchs und während seines Gastspiels dort wohnen blieb, und der WM-Torschütze von 1954 hatten den selben Berater. „Die eine Woche haben wir meinen Wagen genommen, in der anderen den vom Boss“, so der 71-Jährige über die Fahrgemeinschaft mit dem Helden von Bern. Es war keine leichte Zeit für deutsche Fußballer im Ausland. In den Niederlanden waren die Wunden nach dem zweiten Weltkrieg tief. Lendzian berichtet aber durchweg Positives: „Der Verein war schon während meiner Zeit sehr gut geführt.“ Und zahlungskräftig. Auf Schalke hatte der Stürmer 380 DM im Monat plus Prämien verdient. Ein Vermögen, „aber Enschede hat als Siegprämie soviel gezahlt wie Schalke in zwei Monaten.“

Auf nach Rot-Weiß Oberhausen

[kein Linktext vorhanden]Dass er nur anderthalb Jahre blieb, lag am Druck, den der Verein ausübte. „Die wollten, dass wir rüber ziehen.“ Rahn blieb, Lendzian ging nach Rot-Weiß Oberhausen. Dort traf er mit Helmut Laszig und Horst Poganaz zwei alte Bekannte. Das Trio holte 1958 mit Schalke die westdeutsche A-Jugendmeisterschaft.

Lendzian schwärmt, wenn er die Atmosphäre bei seinem Profi-Debüt gegen Westfalia Herne in der Glückauf-Kampfbahn beschreibt: „Damals stand ich als 18-Jähriger mit 10 Meisterspielern vor 35 000 Menschen.“ Auch Herne war mit Tilkowski im Tor prominent besetzt. Daran, dass S04 mit 0:3 unterlag, war der Novize schuldlos. Die Presse urteilte im Spielbericht: „Bei Schalke gefiel der junge Lendzian, der das Pech hatte, an einem so schwarzen Tag debütieren zu müssen.“

Streit mit dem "Feldwebel"

„Das war meine schönste Zeit“, sagt der Fußballer, der 1965/66 noch einmal an den Schalker Markt zurückkehrte. Präsident Fritz Szepan holte den verlorenen Sohn aus Oberhausen. Der blieb aber ohne Einsatz und überwarf sich mit Trainer Fritz Langner, Spitzname: Feldwebel. „Er war so etwas wie der frühe Felix Magath“, so Lendzian, um rückblickend zuzugeben: „Ich war schon einer, dem man ab und an in den Hintern treten musste.“

Die Entscheidung, den Club erneut zu verlassen, habe er schnell bereut. Nach Königsblau folgte ein Jahr bei der STV Horst-Emscher. Angebote aus der Schweiz lehnte der Stürmer ab und beendete seine kurze Karriere.

Heute verkauft er Taschen

„Noch heute bekommen wir alte Fotos zum unterschreiben per Post“, so Ehefrau Doris, seit 45 Jahren mit Lendzian verheiratet. Die Rentner sind oft im Laden von Tochter Nicole anzutreffen. An der Ewaldstraße in Resse verkauft die Familie Taschen. Einen Berater hat Rolf Lendzian nicht mehr. Im Gegensatz zu Humor und Geschäftssinn: „Ich habe schon lang keine Gehaltserhöhung mehr bekommen.“

Für die Partie heute tippt der Enschede-Experte auf ein 1:1. Beim Rückspiel ist er wie immer in der Arena, „dann macht Schalke mit einem 2:1 alles klar.“