Königsblaue Andacht - Publikum feiert das Schalke-Musical

Schalke-Stimmung im Opernhaus bei der ersten öffentlichen Aufführung des Oratoriums „Kennst Du den Mythos ...?“ im Musiktheater im Revier.
Schalke-Stimmung im Opernhaus bei der ersten öffentlichen Aufführung des Oratoriums „Kennst Du den Mythos ...?“ im Musiktheater im Revier.
Foto: Funke Foto Services
Eine nostalgische Nummernrevue im Gelsenkirchener Musiktheater führt das Publikum stilecht durch 111 Jahre Schalker Vereins- und Stadtgeschichte.

Gelsenkirchen.. Sie kommen in königsblauer Kutte und mit Käppi, tragen blaue-weiße Schals um den Hals und gespannte Vorfreude im Gesicht. Und sie gehen so nicht in die Veltins-Arena, sondern ins Opernhaus. Denn diese Menschen, die am Donnerstagabend in die erste öffentliche Vorstellung des Oratoriums „Kennst Du den Mythos ...?“ ins Musiktheater im Revier strömten, die tragen den königsblauen Virus im Herzen.

Musik spürt dem Klang der Zeit nach

Nach der ersten Show für geladene Schalke-Gäste und dem zweiten Spektakel im Stadion vor fast 30.000 begeisterten Zuschauern startete die Jubiläumsshow zum 111. Geburtstag des Fußballclubs nun im MiR. Allerdings bremsten rund 500 geladene Gäste eines Unternehmens, von denen nicht alle etwas mit Schalke am Hut hatten, die blau-weiße Stimmung deutlich.

Am Ende aber, nach zwei Halbzeiten von 45 Minuten und einigen Minuten Verlängerung, da standen sie fast alle und feierten eine Show, die weniger Musical oder Oratorium ist als vielmehr eine herrliche, wunderbar nostalgische Nummernrevue durch 111 Jahre Vereins-, aber auch Stadt-und Reviergeschichte.

Der Vorhang hebt sich, Fahnenträger schwenken den Stoff, Trommelwirbel, Stadionfeeling. Im Bühnennebel besingt Bonita Niessen, begleitet von der um eine Rockband verstärkten Neuen Philharmonie Westfalen, den Mythos vom Schalker Markt, und auf der Leinwand beginnt Schauspielerin Anna Thalbach virtuell zu erzählen: „Schwarz waren die Blätter an den Bäumen vom Ruß, schwarz waren unsre Gesichter ...“ Die Schauspielerin mit der wunderbaren Erzählstimme führt auf der Videoleinwand in immer neuen Rollen und Kostümen pointiert durch die Zeitgeschichte, kommentiert, ordnet ein.

Am Ende schmettern alle gemeinsam

Inspiriert und inspirierend die Videoeinspielungen von Jan Peter in ihrer gelungenen Mischung aus historischem Bildmaterial und Schauspielszenen. Herrlich Kuzorras legendäres Zitat als Einspieler: „Ich wusste nicht, wohin mit dem Ball, da hab ich ihn einfach reingewichst.“

Die Kompositionen von Dieter Falk und Heribert Feckler, der auch dirigiert, spüren dem Klang der jeweiligen Zeit nach, zitieren die Goldenen Zwanziger, die Zeiten von Kurt Weill, üppige Opernarie trifft auf spritzigen Rock, soften Pop und weich gespülten Schlager. Und immer wieder blitzt der Sound der Fangesänge durch, vom Steigerlied über„Kennst Du den Mythos“ bis hin zu „Wir schlugen Roda“.

Leidenschaftlich verkünden die MiR-Ensemble-Mitglieder Petra Schmidt, Anke Sieloff, Joachim G. Maaß und Lars-Oliver Rühl nach der Erinnerung an Triumphe und Tränen, an dunkle Stunden und glorreiche Zeiten in Stadt und Verein „Wir sind Gelsenkirchen, wir sind das Revier!“

Die zweite Halbzeit kommt schneller in Fahrt, wirkt emotionaler, näher dran, auch wenn teils Technik und Akustik noch etwas holperten. Vergessen, wenn am Ende alle gemeinsam schmettern „Blau und Weiß, wie lieb ich dich ...“

 
 

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