Kneipe „Paparazzi“ in Gelsenkirchen wird neu belebt

Nikos Kimerlis
Cemal Aldur  hat an der Bochumer Straße 173 die Kneipe „Paparazzi“ übernommen. Da hier auch Sisha-Pfeifen geraucht werden dürfen, ist der Zutritt erst ab 18 Jahren möglich. Hier im Bild sitzt Cemal Aldur in der Sisha-Lounge.
Cemal Aldur hat an der Bochumer Straße 173 die Kneipe „Paparazzi“ übernommen. Da hier auch Sisha-Pfeifen geraucht werden dürfen, ist der Zutritt erst ab 18 Jahren möglich. Hier im Bild sitzt Cemal Aldur in der Sisha-Lounge.
Foto: FUNKE Foto Services
Cemal Aldur hat das frühere Lokal von „Trompeten-Willi“ in Gelsenkirchen übernommen. Tarnnetze und Altersbeschränkung haben für brodelnde Gerüchteküche gesorgt.

Gelsenkirchen. Ein Aufkleber mit dem Hinweis „Zutritt erst ab 18 Jahren!“ und Tarnnetze über dem Außenbereich der Gaststätte „Paparazzi“ an der Bochumer Straße 173 haben in Ückendorf die wildesten Gerüchte ins Kraut schießen lassen. Soweit waren sie schon „gediehen“, dass selbst die Politiker der Bezirksvertretung Süd darüber diskutierten, was für ein Lokal denn dort seit Oktober 2014 eingezogen war, nachdem die frühere Arbeitsstätte von „Trompeten-Willi“ das Aus ereilt hatte. Immerhin sollen in naher Zukunft Millionen Euro in die nachhaltige Umgestaltung und Belebung der Straße investiert werden, da hätte ein zwielichtiger Laden das hehre Ziel konterkariert.

Gasthaus mit Sisha-Angebot

„Es ist ein Gasthaus, eine Kneipe, in der ich Speisen und Getränke anbiete“, sagt Cemal Aldur, der neue Inhaber. Der 37-jährige Gelsenkirchener, seit „drei Wochen“ befugt, auch Alkohol auszuschenken, wohnt gleich über seinem Lokal, in dem Gäste ebenso in den Genuss des Sisha-Rauchens (mit Aromamitteln) kommen können – „daher ist der Zutritt auch erst ab 18 Jahren erlaubt“, erklärt Aldur. Und die Tarnnetze, so der 37-Jährige, habe er draußen als Sichtschutz aufgehängt, damit sich weder Gäste noch Anwohner in irgendeiner Weise gestört fühlten.

Die Polizei, in Ückendorf oft zugegen, kann nichts Negatives berichten. „Solche Gerüchte können wir nicht bestätigen“, heißt es aus dem Präsidium. Und auch Nachbar Adam Fritsch, Rentner und seit zehn Jahren dort beheimatet, hat nach eigenen Angaben nichts Anrüchiges bemerkt: „Meist kommen abends die ersten Gäste, noch aber sind es nicht viele.“ Meist seien es jüngere Männer, Arbeiter, die da einkehrten, durchaus mit „dicken Autos“. Aber Frauen, Fehlanzeige.

Schwieriger Start ins Geschäftsleben

Der schwierige Start ins Geschäftsleben, bereitet Aldur Sorge. Gern würde er, einen befreundeten Koch und zwei Bedienungen in der Warteschleife, „noch Automaten aufstellen“. Das geht nur, wie Stadtsprecher Martin Schulmann erklärt, „wenn die Gaststätte auch mit Leben erfüllt ist, das schreibt die Verordnung vor – aber das ist derzeit noch nicht der Fall.“

Bei einer Kontrolle hatten städtische Mitarbeiter Speisekarte und Hinweise auf einen steten Speisebetrieb vermisst. Heißt: Der Inhaber muss quasi in Vorleistung bzw. den Beweis (an-)treten, um das Ok für die Automaten zu bekommen. Derzeit gibt es von städtischer Seite weder Genehmigung noch Ablehnung.

Etwas, was Cemal Aldur vergrätzt: „Bei der Existenzgründung werden mir Steine in den Weg gelegt. Wochenlang musste ich bereits auf die Konzession zum Ausschank von Alkohol warten. Und jetzt das.“ Pacht und Miete schlügen derart ins Kontor, dass er, wo die Nachfrage nach Speisen aktuell mager sei, Verluste mache, weil er viele Lebensmittel wegschmeißen müsse. Dass er da keine Berge von Nahrungsmitteln horte, sei logisch. Dennoch: „Ein Essensangebot ist da. Heute (gemeint ist Freitag, die Red.) gab’s frischen Fisch.“