Kirchlicher „Abpfiff“ vor dem letzten Heimspiel von Schalke 04

Zum Abschluss des ökumenischen Gottesdienstes „Abpfiff“ sangen die Fans ihre Hymne: „Blau und Weiß, wie lieb ich dich ...“. Dann machten sich die meisten auf zur Arena auf Schalke.
Zum Abschluss des ökumenischen Gottesdienstes „Abpfiff“ sangen die Fans ihre Hymne: „Blau und Weiß, wie lieb ich dich ...“. Dann machten sich die meisten auf zur Arena auf Schalke.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
Schalke-Pfarrer Ernst-Martin Barth pfiff den Gottesdienst am Samstag in der Matthäus-Kirche in Erle um Punkt 12.04 Uhr an.

Gelsenkirchen.. 3:1. Der Tipp von Schalke-Pfarrer Ernst-Martin Barth war im Nachgang betrachtet gar nicht so verkehrt. So hätte das letzte Heimspiel der königsblauen Knappen tatsächlich ausgehen können, wenn nicht ... Aber naja, hätte, hätte, Fahrradkette. Wesentlich angenehmer war das Prinzip Hoffnung am frühen Samstagmittag in der evangelischen „Matthäus-Arena“ in Erle.

Punkt 12.04 Uhr: Ernst-Martin Barth pfeift den ökumenischen Gottesdienst an, dribbelt zum Altar, am Fuß den Originalball aus dem Europa League-Spiel gegen Schachtar Donezk, das Schalke 0:3 vergeigt hatte, über das Beffchen den S04-Bekennerschal gelegt. Der Niedergang gegen Donezk ist längst verdaut. Schalke-Fans sind hart im Nehmen und unerschütterlich im Glauben: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und so sitzen über 100 Menschen aller Generationen, optisch überwiegend in Bekenner-Blau-Weiß gewandet, in der Matthäuskirche, applaudieren dem Gospelchor „Lights of hope“.

Ein paar Knappenkids, Senioren, Familien, Singles – und ein schläfriges Prachtexemplar von Leonberger lauschen der „Abpfiff“-Predigt von Anke Ballhausen vom Fanclub „mit Gott auf Schalke“. Und auch sie malt zunächst, wie zuvor Pfarrer Barth, das aktuelle Bild des Vereins. Mit einem Manager, der bereits auf gepackten Koffern sitze oder Negativschlagzeilen wie etwa die der Bild-Zeitung: „Breitenreiter spielt gegen seinen Nachfolger“. „Die Unsicherheit ist unsere einzige Konstante“, sagt sie, bevor sie von Schalke-typischen Unsicherheiten in die krisengeschüttelte Welt hinaus schaut. Um am Ende bei der Gruppe Silbermond anzukommen, die mit dem Lied „Gibt mir ein kleines bisschen Sicherheit“ vielen Menschen aus der Seele gesungen habe.

In Erle singen und beten sie gemeinsam. In der Hoffnung, dass der vorletzte Spieltag der Saison die Kehrtwende bringt – und vielleicht sogar die Aussicht auf die Champions League-Teilnahme. „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“, dirigiert Ernst-Martin Barth, bevor er und sein katholischer Amtskollege Ingo Mattauch von St. Joseph in Schalke den Abschlusssegen sprechen. Um dann mit allen den weltlichen Schlusspunkt anzustimmen: die Schalke-Hymne „Blau und Weiß, wie lieb ich dich ...“ Generalprobe zum zigtausendfachen Gesang kurz vor Anpfiff gegen die Augsburger. Draußen gibt’s die Bratwurst auf die Hand und ein Wässerchen für den Weg zur Arena unter königsblauem Himmel.

„Fußball gibt Räume, den Glauben auszuleben“, sagt Barth nach dem Gottesdienst. Und ja, „es gibt Ähnlichkeiten zwischen Kirche und Fußball“. Mehr aber nicht und schon gar keinen Fußballgott. Dann gibt er noch schnell seinen Tipp ab: 3:1. Der katholische Schalker Mattauch ist da wesentlich zurückhaltender und prognostiziert grundsätzlich keinen Spielausgang. Aber natürlich hofft er, dass die Königsblauen gewinnen. Prinzip Hoffnung scheitert später am Gewurschtel der Knappen. Aber in der nächsten Saison, da wird alles besser ... Anstoß für hoffnungsfrohe Gläubige: 27. August um 12.04 in St. Joseph.

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