Kinderschutzbund Gelsenkirchen rechnete für Neustart kft ab

Inge Ansahl
Foto: WP Michael Kleinrensing
Bis Mittwochabend hieß der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Frings, der seit 1. Mai vom Dienst im Jugendamt freigestellt ist. Stadt storniert Ferienfreizeiten in Ungarn.

Gelsenkirchen. Auch der Gelsenkirchener Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) ist in den Skandal um die Betreuung von Jugendlichen im ungarischen Pecs verwickelt. Verwickelt, weil der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Frings heißt – besser gesagt, bis Mittwochabend hieß. Auf einer außerordentlichen Versammlung wählten die Kinderschützer gestern Abend einen komplett neuen Vorstand.

Dem seit 1. Mai freigestellten stellvertretenden Jugendamtsleiter wurde bereits vom DKSB-Landesverband NRW mit Verweis auf die öffentliche Diskussion nahe gelegt, sein Amt ruhen zu lassen, „bis die Sachlage eindeutig geklärt ist“. Schadensbegrenzung also.

Konkreten Fall gefunden

Und so sah die Verwicklung aus: Der Ortsverband der Kinderschutzorganisation hat die Kosten für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in der Einrichtung der Neustart kft in Pecs berechnet, also die Buchführung übernommen. Im Gegenzug sind die Leistungen des DKSB mit 5 Euro pro Tag pro betreutem Jugendlichen honoriert worden. Zu den Leistungen gehörte auch, dass der Kinderschutzbund für alle betreuten jungen Menschen auch im Ausland eine Haftpflichtversicherung abschließt.

Der Geschäftsführer des Kinderschutz-Landesverbandes NRW, Friedhelm Güthoff, hat bei seinen eigenen Prüfungen bisher zumindest einen ganz konkreten Fall einer solchen Abrechnung gefunden. Auf der vom DKSB Gelsenkirchen erstellten Rechnung wurde demnach sowohl die Gesellschaft Neustart als auch das St. Josef Heim genannt. St. Josef hatte dagegen bisher immer abgestritten Jugendliche an Neustart vermittelt zu haben.

Buchhalterische Verbandelungen

Einmal abgesehen von den buchhalterischen Verbandelungen: Der DKSB selbst hat Ferienfreizeiten in Ungarn durchgeführt. Bis zu Beginn der außerordentlichen Versammlung gestern Abend hat DKSB-Geschäftsführerin Silke Kozicki die Frage der WAZ nicht beantwortet, ob der Reiterhof Terekes unweit von Pecs Ziel der Reisen war. Und damit jenes Feriendomizils, von dem die Stadt gestern offiziell Abstand genommen hat.

Oberbürgermeister Frank Baranowski hat im Zusammenhang mit den Untersuchungen rund um Neustart kft die auch im Sommer 2015 geplanten Ferienfreizeiten gestoppt. Der Grund: Zum jetzigen Zeitpunkt könne nicht völlig ausgeschlossen werden, dass die derzeit freigestellten Mitarbeiter des Jugendamtes an dem Reiterhof oder der im Zuge der Ferienfreizeit genutzten Umgebung beteiligt sind.

+++ Update (7. Mai, 12 Uhr) +++

In einer früheren Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise ein Bild verwendet, auf dem das Logo des Kinderschutzbundes Duisburg zu sehen war. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler und betonen ausdrücklich, dass der Kinderschutzbund Duisburg nichts mit oben beschriebenen Vorgängen zu tun hat.