Kinder machen inklusiven Zirkus

Tobias Mühlenschulte
Auch Musik spielt eine Rolle beim Zirkusprojekt in der Frühförderstelle der Lebenshilfe.
Auch Musik spielt eine Rolle beim Zirkusprojekt in der Frühförderstelle der Lebenshilfe.
Foto: WAZ
In der heilpädagogischen Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe bringen die Clowns und Künstler der Gruppe „Pompitz“ 36 Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderung Kunststücke bei.

Gelsenkirchen. Zauberei, Clownerie, Jonglage, Bodenakrobatik, Drahtseil- und Laufkugelartistik, die Kunst der Fakire und noch so manches andere steht in dieser Woche in der Lebenshilfe auf dem Plan. 36 Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren – davon 16 mit Handicap – machen mit beim inklusiven und kostenlosen Ferienprojekt der Elterninitiative. Am Freitag kommt dann der große Tag. In einer zweistündigen Show zeigen die frischgebackenen Künstler Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten, was sie alles gelernt haben.

Pom vom Zirkus Pompitz lässt theatralisch die Muskeln spielen, beugt seine Arme und reckt die Fäuste gen Decke des Veranstaltungssaals. „Zeigt mal, wie stark ihr seid“, fordert er die Gruppe Kinder auf, es ihm gleich zu tun. Und rund zehn kleine Muskelmänner präsentieren stolz ihren Bizeps. Die Vorbereitungen für die Vorstellung am Freitag laufen auf Hochtouren. Markus Pitz (Pitz), Andreas Dorna (Pom), Käptin Chaos und Clown Köpi bringen den Kindern ihre Kunststücke und Nummern bei.

Zirkuspädagogik von 10 bis 13 Uhr

Susanne Kratz, die Leiterin des familienunterstützenden Dienstes bei der Lebenshilfe freut sich: „Das ist unser erstes richtiges inklusives Projekt für behinderte und nicht behinderte Kinder.“ Seit Montag wird morgens um 9 Uhr erstmal gemeinsam gefrühstückt. Von 10 bis 13 Uhr sind dann die Zirkuspädagogen von „Pompitz Zirkus & Variete & Event“ am Werk. Dann ist Mittagessen angesagt, von 14 bis 16 Uhr steht Freizeit auf dem Programm. Die verschiedenen Übungseinheiten dauern 25 Minuten, dann wird für zehn Minuten verschnauft. Jedes Kind konnte sich für zwei Zirkus-Aktivitäten entscheiden.

Am Mittwochmittag zeichnete sich bereits ab, dass die jungen Akrobaten, Zauberer und Clowns auf einem guten Weg sind. Ob mit oder ohne Behinderung – sie balancierten (mit Hilfe) auf dem großen mit Luft gefüllten Ball, liefen mit Unterstützung über das Drahtseil und zeigten am Tambourine auch musikalisches Können.

"Gemeinsam zusammen stark"

Unterscheidungen zwischen behindert und nicht behindert werden an der Paulstraße in Bismarck nicht gemacht. „Klar fragen die Kinder mal ,Was hat der denn?’“, so Susanne Kratz, aber damit sei die Sache dann auch gegessen. Kinder wären da offener als Erwachsene. „Nicht jedes Kind bei uns hat die klassische geistige Behinderung“, sagt Kratz.

Auch Lernbehinderungen und leichte körperliche Handicaps seien bei dem Projekt vertreten. Das steht übrigens unter dem Motto „Gemeinsam zusammen stark“. Das Team vom Zirkus Pompitz wird von 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Lebenshilfe unterstützt. Susanne Kratz: „Unsere Mitarbeiter sind begeistert, wie gut das Projekt von den Kindern angenommen wird.“