Kampfabstimmung um die Beck-Nachfolge

Annette Berg leitet aktuell das Jugendamt der Stadt Essen und hat sich aus Sicht der Findungskommission des Rates unter insgesamt 53 Bewerbern durchgesetzt.
Annette Berg leitet aktuell das Jugendamt der Stadt Essen und hat sich aus Sicht der Findungskommission des Rates unter insgesamt 53 Bewerbern durchgesetzt.
Foto: FUNKE Foto Services
Im Rat der Stadt Gelsenkirchen wird es am Donnerstag wohl zu einer Kampfabstimmung kommen, wenn es um die Nachfolge von Bildungsdezernent Dr. Manfred Beck (Grüne) geht.

Gelsenkirchen. Wenn es um Posten geht, hört der Spaß für viele bekanntlich auf. Dass die Findungskommission des Rates sich bei der Nachfolge von Bildungsdezernent Dr. Manfred Beck (Grüne) für Annette Berg entschied, die Leiterin des Fachbereiches Jugend der Stadt Essen, ist eine Sache. Dass die Grünen nun aber auf ihrem Kandidaten David Fischer beharren für die SPD offenbar eine ganz andere. Damit zeichnet sich am Donnerstag in der Ratssitzung (16 Uhr, Hans-Sachs-Haus) eine Kampfabstimmung ab.

Die Entscheidung in der fünfköpfigen Findungskommission verlief knapp. Nach WAZ-Informationen stimmten Oberbürgermeister Frank Baranowski, Personaldezernentin Karin Welge und der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus Haertel (alle SPD) für die Essener Genossin Berg. Gegen die 49-Jährige votierten Burkhard Wüllscheidt (Grüne) und Wolfgang Heinberg (CDU).

So weit so gut? Nicht wirklich! Denn die Grünen beugen sich dieser Empfehlung der Kommission nicht und wollen es wissen. Sie schicken ihren Kandidaten, den Stadtverordneten David Fischer (42), der in Münster ein großes Berufskolleg leitet, trotz der Empfehlung der Findungskommission ins Rennen. „Wir halten ihn für die Anforderungen dieser Dezernentenstelle für fachlich und persönlich hervorragend geeignet“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Burkhard Wüllscheidt der WAZ.

Befremden in der SPD-Fraktion

Das stößt der SPD-Ratsfraktion auf. Sie zeigt sich befremdet über die Argumentation der Grünen, auch aus diesem Grund: Bei der Bildung der Findungskommission verzichteten die Sozialdemokraten zugunsten der Grünen auf ihren zweiten Sitz. „Aber es wurde Herrn Wüllscheidt unmissverständlich deutlich gemacht, dass dies kein Freibrief für einen Grünen Kandidaten ist, sondern der oder die Beste ausgewählt wird“, sagte Haertel. Einmal in Fahrt setzte er nach: „Einst waren es die Grünen, die bei jeder anstehenden Personalentscheidung Wert darauf gelegt haben, dass die Entscheidung sich ausschließlich an der Eignung und den Fähigkeiten der Bewerber ausrichtet. Nun wird, weil bezeichnenderweise nicht nur ein Kandidat aus den eigenen Reihen, sondern ein örtlicher Stadtverordneter durchgesetzt werden soll, diese Argumentationslinie aufgehoben.“ Jetzt ginge es um den vermeintlichen parteipolitischen Proporz im Verwaltungsvorstand. Haertel: „Was für die SPD-Fraktion zählt ist nur die berufliche Qualifikation.“

Zeitreise ins Jahr 2000 und zur Erstwahl von Manfred Beck vor 16 Jahren, der damals auf Vorschlag der CDU-Fraktion unter einem christdemokratischen Oberbürgermeister Oliver Wittke ganz oben auf der Kandidatenliste stand. Da waren es die Genossen, die auf den letzten Drücker Dr. Barbara Duka (SPD) als eigene Kandidatin präsentierten, weil sie von ihren Qualitäten überzeugt waren.

In einer Kampfabstimmung im Rat behauptete sich Beck seinerzeit mit 32:31-Stimmen in geheimer Wahl. Duka arbeitet heute in der Nachbarstadt Marl als Erste Beigeordnete.

 
 

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