Jugendorchester vom Musiktheater probt "Die Sieben Todsünden" von Brecht

Elisabeth Höving
Mitglieder des MiR -Jugend-Orchesters proben für die Premiere des Stücks „Die sieben Todsünden“ von Bert Brecht/Kurt Weill im Orchesterprobenraum des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen. Foto: Martin Möller
Mitglieder des MiR -Jugend-Orchesters proben für die Premiere des Stücks „Die sieben Todsünden“ von Bert Brecht/Kurt Weill im Orchesterprobenraum des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool
Das MiR-Jugendorchester fährt in den Osterferien nicht in den Urlaub, im Gegenteil: Die Nachwuchsmusiker proben im Musiktheater für "Die Sieben Todsünden" von Bertold Brecht - ein aufregendes, aber auch schwieriges Projekt.

Gelsenkirchen. Osterferien – da fahren die einen in den Urlaub, die anderen frönen daheim dem Müßiggang, entern die Freizeitparks, treffen Freunde. Es gibt aber auch welche, die lernen jetzt erst recht, täglich, stundenlang – und das freiwillig und mit jeder Menge Freude. Die studieren die Notenblätter, die spielen Geige, Bratsche und Cello, und die haben ein Ziel vor Augen: die Premiere!

Pünktlich mit dem Start in die Ferien begann im Musiktheater im Revier die heiße Probenphase für das MiR-Jugend-Orchester. Ein Projekt-Klangkörper, zusammengestellt für eine Musiktheater-Produktion, bei der talentierter Nachwuchs auf die Profis trifft.

Rund 40 junge Musikerinnen und Musiker aus Gelsenkirchen und der Region sitzen seit Montag dort, wo sonst allein die Profis von der Neuen Philharmonie Westfalen zu Hause sind. Am Ende des Projektes werden die Nachwuchs-Instrumentalisten auch auf der Profi-Bühne unter Beweis stellen, was sie musikalisch drauf haben.

Nachwuchsarbeit in Echtzeit

Am Samstag, 30. April, 17 Uhr, feiert die Produktion „Die sieben Todsünden/Songs aus Happy End“ Premiere im Kleinen Haus. Das Stück steht danach auf dem ganz regulären Spielplan. Das ist Nachwuchsarbeit in Echtzeit.

Ihr Können mussten die Musiker im Alter zwischen neun und 24 Jahren bereits vor einigen Wochen beim Casting unter Beweis stellen, beim klassischen Vorspiel mit Geige, Cello und Co. Mit neun Jahren ist Cellist David der Benjamin auf der Bühne. Bereits zum dritten Mal bietet das Musiktheater dem musikalischen Nachwuchs ein solches Forum. Den Takt gibt Kapellmeister Clemens Jüngling an.

Zum Start in die heiße Probenphase wurden die jungen Instrumentalisten gestern im Probensaal von Norman Warmuth, dem Referenten des MiR-Intendanten Michael Schulz, begrüßt. Regisseur Alexander von Pfeil erläuterte sein Regiekonzept für die Oper aus der Feder von Bertolt Brecht (Libretto) und Kurt Weill (Musik) und betonte: „Wir legen wie ein Fußballverein großen Wert auf gute Nachwuchsarbeit. Ihr seid unsere A-Jugend!“

Unverwechselbarer Sound

Und die wird nun ein aufregendes, spannendes, aber auch schwieriges Projekt stemmen müssen. Erzählt wird eine verrückte Familiengeschichte, und Regisseur von Pfeil wird sie als noch verrückteren Psychothriller inszenieren.

„Die sieben Todsünden“, konzipiert als Ballett mit Gesang, erzählen von Anna, die von ihrer Familie in die Welt hinaus geschickt wird, um Geld zu verdienen. Was einfach klingt, entpuppt sich als kompliziert und unheimlich. Denn Anna ist eine gespaltene Persönlichkeit.

Regisseur Alexander von Pfeil wird die Szenerie in ein Theraphiezentrum verlegen. Eine der Patientinnen ist Anna, am Musiktheater dargestellt von Hanna Dóra Sturludóttir. Eine Assistentin mutiert zur zweiten Hälfte von Anna (Noriko Ogawa-Yatake).

Die Musik swingt derweil im unverwechselbaren Weill-Sound, Rhythmik und Melodien gehen ins Ohr. Noch aber wird fleißig am perfekten Klang gefeilt. Der Kapellmeister unterbricht noch oft, drosselt hier das Tempo, treibt dort an. Die jungen Musiker: Sie sind hochkonzentriert bei der Sache. Ein Ferien-Spaß der anderen Art.