Jürgen Kramers Bilderwelt der Extreme in der „werkstatt“

Anne Bolsmann
Die „werkstatt" an der Hagenstraße in Gelsenkirchen-Buer zeigt ab Freitag, 28. Oktober, Werke des verstorbenen Gelsenkirchener Künstlers Jürgen Kramer aus den Sammlungen von Heidi Kramer und Matthias Jakobs.
Die „werkstatt" an der Hagenstraße in Gelsenkirchen-Buer zeigt ab Freitag, 28. Oktober, Werke des verstorbenen Gelsenkirchener Künstlers Jürgen Kramer aus den Sammlungen von Heidi Kramer und Matthias Jakobs.
Foto: Michael Korte
Vor fünf Jahren verstarb der Gelsenkirchener Künstler Jürgen Kramer. Zwei Sammler erinnern nun mit selten gezeigten Exponaten an ihn und seine Werke

Gelsenkirchen.  Er war Querdenker, Philosoph, Maler, Konzeptkünstler, Kunstlehrer und Lyriker: Der Gelsenkirchener Jürgen Kramer, der am 22. November 2011 ganz plötzlich verstarb.

Die Flut seiner Bilder, die zuletzt in seinem Atelier in Bulmke-Hüllen untergebracht war, wanderte ins Ruhrmuseum. „Mir war es aber sehr wichtig, dass seine Werke auch wieder hier in Gelsenkirchen, seiner Heimat, angeschaut werden können“, erklärt Heidi Kramer, die geschiedene Frau des Künstlers, die ihn vor über 50 Jahren kennenlernte und von 1970 bis 1989 mit ihm verheiratet war. „Uns verband bis zuletzt eine enge Freundschaft“, sagt Heidi Kramer, die den Nachlass des Künstlers übernahm und zurück nach Schalke holte. Im fünften Jahr nach seinem Tod kam sie auf die Idee, mit einer Rückschau an den verlorenen Freund zu erinnern.

Schließlich holte sie einen befreundeten Sammler, den Kunstlehrer Mathias Jakobs, mit ins Boot – und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum. In der „werkstatt“ an der Hagenstraße trafen beide auf offene Ohren. „Uns ist es natürlich ein Anliegen, mit dieser Ausstellung an Jürgen Kramer zu erinnern“, erzählt Wolfgang Ullrich, der Vorsitzende des „werkstatt“-Vereins.

Bis zum 25. November bietet der kleine Kulturraum an der Hagenstraße nun fast 50 Werken des Künstlers eine temporäre Heimat, und die Zusammenstellung der Bilder aus verschiedenen Schaffensepochen Kramers verdeutlicht sehr eindrücklich, welche Themen dem Künstler zu Lebzeiten wichtig waren. „Immer wieder taucht etwa der Sarg in seinen Bildern auf. Aber auch Vulkane ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Werke“, betont Heidi Kramer, die weiß, dass Jürgen Kramer besonders von Naturgewalten fasziniert war.

Imposante Gegensätze

Mathias Jakobs verweist zudem mit einer Bilderserie darauf, wie die Werke des Künstlers jeweils zwischen „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ changierten: „Mich hat diese Wechselseitigkeit immer fasziniert.“

Der Großteil der hier gezeigten Werke stammt aus den privaten Sammlungen von Heidi Kramer und Mathias Jakobs und war zuvor noch nie öffentlich zu sehen. Das macht die Ausstellung so einzigartig. Übrigens veröffentlichen beide bei der Vernissage am heutigen Tag auch einen Lyrikband mit Gedichten von Jürgen Kramer. Dieser ist für 15 Euro ab sofort in der „werkstatt“ erhältlich – so dass jeder sich ein Stück des künstlerischen Schaffens des Beuys-Schülers Jürgen Kramer mit nach Hause nehmen kann. . .

Die Ausstellung wird am Freitag, 28. Oktober, um 19 Uhr mit Lyrik und einer Einführung von Dietmar Herrmann (Frankfurt) und Abraham Göbel (Potsdam) eröffnet.

Bis zum 25. November können die Werke von Jürgen Kramer jeweils dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr an der Hagenstraße 34 besichtigt werden.