Jodeln auf Jiddisch

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Klezmerwelten sangen Andrea Pancur (li.) und Lorin Sklamberg (m) im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier MiR in Gelsenkirchen bayrisch - jiddische Lieder (re. Alex Haas am Kontrabass).
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Klezmerwelten sangen Andrea Pancur (li.) und Lorin Sklamberg (m) im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier MiR in Gelsenkirchen bayrisch - jiddische Lieder (re. Alex Haas am Kontrabass).
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Wer an Bayern denkt, denkt an Bier und Brezn, an Dirndl, Lederhose und Folkore. An jiddische Klezmerklänge eher wenig. „Schade auch“, dachte sich Andreas Schmitges, künstlerischer Leiter des Gelsenkirchener Festivals Klezmer-Welten und lud die famose Truppe „Alpenklezmerglühen“ aus dem Süden Deutschlands ins Ruhrrevier ein.

Und siehe da: Jodeln und jiddischer Melodienreigen funktionieren perfekt miteinander.

Begegnung mit einer All-Star-Band

Beim Doppelkonzert am Donnerstagabend im gut besuchten Kleinen Haus des Musiktheaters trafen „Alpenklezmerglühen“ auf die „Voices of Ashkenaz“, auch hier eine bestechende Begegnung von deutschem Volksliedgut mit jiddischen Klassikern, interpretiert von hochkarätigen internationalen Musikern. Der Spaß und der Jubel beim Publikum waren dementsprechend groß.

Die Münchener Sängerin Andrea Pancur und der lettische Akkordeonist und Pianist Ilya Shneyveys ließen zunächst die Alpen glühen. In langer Recherchearbeit entstaubten beide das alte Liedgut gemäß dem Motto „Lang lebe der koschere Gebirgsjodler“.

Sie entfachten die sprühenden Funken nicht allein, sondern mit Hilfe einer grandiosen All-Star-Band. Als brillanter Vorgeschmack auf das Konzert der weltberühmten und grammydekorierten New Yorker Klezmatics (Donnerstag, 25. Oktober, in der Kaue) stand deren Frontmann und Sänger Lorin Sklamberg mit seiner unglaublichen, einmaligen Stimme mit auf der Bühne.

„Edelweiß“ vom Klezmatics-Sänger

Da trafen bayerische Rhythmen auf ins Jiddische übersetzte Texte, da wurde getanzt, gejodelt und geschunkelt. Und da berührte ganz besonders das von Lorin Sklamberg schmelzend intonierte, melancholische „Edelweiß“. Wer diesen musikalischen Dialog auf höchstem Niveau auf CD mit nach Hause nehmen wollte, hatte Pech: Der Silberling kommt erst am 27. Januar auf den Markt.

Vier Musiker aus Deutschland, den USA, der Ukraine und Israel zelebrierten als „Voices of Ashkenaz“ schwungvoll, fröhlich ebenfalls die Verwandtschaft von deutschen und jiddischen Volksliedern. Der herrliche Sopran von Svetlana Kundish tanzte mit der Geige von Deborah Strauss, ebenfalls eine ausgezeichnete Sängerin, um die Wette, begleitet von Thomas Fritze (Bass, Percussion) und Andreas Schmitges (Gitarre), der auch die launige Moderation übernahm.

Mit im Publikum: die jungen Teilnehmer des Klezmer-Workshops im Jüdischen Gemeindezentrum. Die werden am Sonntag ab 18 Uhr im Musiktheater demonstrieren, was sie gelernt haben.

 
 

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