Jedes zweite Kind in Gelsenkirchen-Altstadt lebt in Armut

Silvia Bader, Sozialraumplanerin der Stadt Gelsenkirchen, erläuterte in einer öffentlichen Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Altstadt die Ergebnisse der Studie "Gesellschaftliche Teilhabechancen Gelsenkirchener Kinder". Im Bild rechts: Taner Ünalgan, Vorsitzender des Ortsvereins.
Silvia Bader, Sozialraumplanerin der Stadt Gelsenkirchen, erläuterte in einer öffentlichen Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Altstadt die Ergebnisse der Studie "Gesellschaftliche Teilhabechancen Gelsenkirchener Kinder". Im Bild rechts: Taner Ünalgan, Vorsitzender des Ortsvereins.
Foto: Funke Foto Services
Das ist das Ergebnis der Studie „Gesellschaftliche Teilhabechancen von Gelsenkirchener Kindern“.

Gelsenkirchen.. Bereits im Februar 2015 hat die Stadt unter dem Titel „Gesellschaftliche Teilhabechancen von Gelsenkirchener Kindern“ eine „Grundlage für eine sozialräumliche Strategieentwicklung“ herausgegeben. Entwickelt worden war sie von der Koordinierungsstelle Kommunale Prävention. Deren Stabsstellenleiterin Dagmar Eckart sollte an diesem von der SPD ausgerichteten Abend eigentlich über den aktuellen Stand der Dinge referieren. Sie war jedoch krank; ihre Stellvertreterin Silvia Bader zeigte sich gut informiert.

Eingebettet ist die Studie in das Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen“ aus dem Jahr 2012. Darin werden verschiedene Aspekte evaluiert, etwa die Lebenswelt von Kindern mit ihrer wirtschaftlichen Lage, ihren Gesundheits- und Bildungsbedingungen sowie ihrem Integrationsbedarf.

Ein Jahr nach Veröffentlichung der Studie stellte Bader jetzt fest: „Die Mehrheit der Kinder in Gelsenkirchen wächst in benachteiligten Milieus auf.“ Folgen: Viele Kinder könnten nicht oder nur unzureichend zählen, viele litten an Übergewicht. Im Unterschied zu anderen Revierstädten sei der Süden mit Bezirken wie Neustadt, Altstadt, Schalke oder Ückendorf stärker negativ betroffen als der Norden. Hier herrschten zumeist „sehr hohe Teilhabechancen“.

Brisantes Thema – zehn Zuhörer

Die „Kümmerkinder“ der Stadt sind eindeutig Schalke-Nord, Neustadt und Altstadt. Auf letzterem Bezirk lag das Hauptaugenmerk von Baders Info-Stunde. 9000 Menschen wohnten in der Altstadt, davon 1600 Kinder. Und von denen seien 57 Prozent auf soziale Leistungen angewiesen. Heißt: Sie leben in Armut – zumindest in Verhältnissen, die in Deutschland als relative Armut identifiziert werden. Dabei sei hier die Infrastruktur (Schulen, Spielplätze) einigermaßen gut. Auch die Zahl der Übergewichtigen halte sich im Durchschnitt. Noch schlimmer sei es nur in der angrenzenden Neustadt.

Gemessen an der Brisanz der Situation und der Zahl der mehr oder weniger Betroffenen hätte die Veranstaltung eine Halle füllen können. Gekommen waren zehn Interessierte, die sich untereinander mit Handschlag begrüßten und vom Vorsitzenden der SPD-Altstadt Taner Ünalgan willkommen geheißen wurden.

Aber: Viel mehr Gäste hätten in diesem Seminarraum des August-Bebel-Hauses auch gar nicht hineingepasst. Rechnet man in der SPD damit, dass sich nur Genossen für dieses traurige Thema interessieren?

 
 

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