Jazz-Elite erobert Lüttinghof

Elisabeth Höving
In der Wasserburg Lüttinghof spielte das Julian und Roman Wasserfuhr Quartett (Bild) in der Reihe NRW Jazz.
In der Wasserburg Lüttinghof spielte das Julian und Roman Wasserfuhr Quartett (Bild) in der Reihe NRW Jazz.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. An einem zauberhaften Ort spielten sie magische Klänge vor überraschend restlos ausverkauftem Haus: Das brillante und hoch virtuose Julian & Roman Wasserfuhr Quartett gastierte am Donnerstag abend in einer Premieren-Jazzveranstaltung im Rittersaal auf der Wasserburg Lüttinghof im Norden der Stadt.

Keine Musik, die seicht vor sich hinplätscherte, sondern die jung-dynamisch mit fein austariertem Rhythmus und schlichten Melodien vom ersten Ton an begeisterte. Das Duo Julian (Trompete) und Roman (Piano) Wasserfuhr, zwei verblüffende Brüder im Jazz, verstärkte sich mit dem Kontrabassisten Benjamin Garcia und dem Schlagzeuger Oliver Rehmann zum wohlklingenden Quartett und einem stimmigen Sound.

Vorm historischen Kamin der Burg jazzten die vier Musiker, die längst zur Elite ihres Genres gehören, auf Einladung von NRW.Jazz und dem Veranstalter „PublicJazz“. Der hat es sich mit seiner kleinen, feinen Reihe „FineArtJazz“ zur lobenswerten Aufgabe gemacht, ungewöhnliche Orte in der Stadt zu bespielen. Gleich drei Konzerte fanden im Herbst äußerst erfolgreich auf dem Nordsternturm zu Füßen des Herkules statt. Diese wohl höchste Bühne im Revier soll auch im nächsten Jahr wieder hochkarätigem Jazz ein Forum geben. Zudem sind weitere Spielstätten avisiert.

Gelungener Abend

Die Brüder aus dem oberbergischen Hückeswagen haben in der Jazzszene einen wohlklingenden Namen. Ihr neues, nunmehr viertes Album wurde erst vor wenigen Wochen mit einer Goldenen Schallplatte gekrönt. Der WDR zeichnete das Gelsenkirchener Konzert auf und wird es Ende des Jahres senden. Jung und von erstaunlicher Reife spielte das Quartett seine große stilistische Bandbreite aus, inszenierte brillante, umjubelte Soli, anspruchsvolle Arrangements bekannter Rock- und Pop-Hits.

Was man alles aus Stings Hit „An Englishman in New York“ herausholen kann, demonstrierte das Quartett mit herrlichen Improvisationen. Die Beatles-Nummer „Nowhere Man“ reduzierten sie mit klaren, lyrischen Linien auf ihre musikalische Essenz.

Ein atmosphärisch dichter, stimmungsvoller und umjubelter Abend.