Ist Gelsenkirchen die faulste Stadt in ganz Deutschland?

Tobias Mühlenschulte
Altes und neues Wahrzeichen von Gelsenkirchen: das Hans-Sachs-Haus.
Altes und neues Wahrzeichen von Gelsenkirchen: das Hans-Sachs-Haus.
Foto: www.blossey.eu
Noch ‘ne Studie: Ein Österreicher hat statistische Indizien für den„Teufelskreis der Faulheit“ gesucht. Gerald Hörhan beruft sich dabei auf Faktoren wie Bruttoinlandsprodukt, Einkommen, Krankheitstage und Schulden. Die Auswertung hat der streitbare Mathematiker angereichert mit reichlich Populismus.

Gelsenkirchen. Diesmal haben sie sich wirklich lange Zeit gelassen. Das letzte Negativ-Ranking, in dem Gelsenkirchen für irgendwelche Institute an der Spitze war, liegt gefühlte fünf Wochen zurück. Was wirklich schon viel ist. Solch vermeintlich pathologische Befunde trudelten bisweilen beinahe im Tagesrhythmus herein.

Nun ist es wieder so weit. Gelsenkirchen ist die faulste Stadt in Deutschland. Das will ein österreichischer Mathematiker herausgefunden haben. Bewertet wurden die 50 größten deutschen Städte. Kriterien waren etwa das Bruttoinlandsprodukt, das verfügbare Einkommen und die Krankheitstage pro Einwohner, die Zahl der privaten Schuldner und die der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss.

Daten vom Institut der Deutschen Wirtschaft auswerten lassen

Die Daten hat der Mathe-Ösi vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln auswerten lassen. Laut Antenne Bayern – ganz genau: in München leben die fleißigsten Menschen – ist der Initiator Gerald Hörhan für seine drastischen und nicht unumstrittenen Thesen bekannt. Und anscheinend gießt er gerne Öl ins Feuer.

Der Sender zitiert ihn folgendermaßen: „Gelsenkirchen hat wie auch andere Städte im Ruhrgebiet nicht rechtzeitig auf Veränderungen reagiert und wurde damit zu einem typischen Beispiel für den Teufelskreis der Faulheit.“ Hört, hört. Fast jede Stadt habe in ihrer Geschichte mit Problemen wie einem sterbenden Industriezweig oder einem abwandernden Konzern zu kämpfen.

Hörhan: „Dann kommt es darauf an, wie sie reagiert. Wenn sie Arbeitsplätze ohne Zukunft subventioniert und sich von öffentlichen Geldern abhängig macht, statt in Innovationen und Bildung zu investieren, hat der Teufelskreis der Faulheit schon begonnen.“ Und, dieser Satz des Österreichers soll nicht vorenthalten werden: „Die Fleißigen, die dazu in der Lage sind, ziehen weg oder lassen sich demotivieren und werden selber faul, bis die Faulen in der Mehrheit sind.“

Ist das eigentlich noch Populismus oder spielen solche Aussagen schon in einer höheren Liga? Auf Platz zwei und drei liegen übrigens Herne und Duisburg. Die Plätze vier und fünf belegen Halle/Saale und Berlin.