Investitionen in die Bergbau-Tradition

Ewald im Blick: Links die Rasenhängebank mit Doppelbock, in der Mitte der Malakowturm, rechts das Gebäude Schacht 2.
Ewald im Blick: Links die Rasenhängebank mit Doppelbock, in der Mitte der Malakowturm, rechts das Gebäude Schacht 2.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Der Standort ist in Herten, doch die Überschneidungen mit Gelsenkirchen sind so verblüffend hoch, dass sich an dieser Stelle ein Blick in die Nachbarstadt lohnt. Konkret geht es um die Entwicklung von fünf historischen Bergbau-Gebäuden auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald, die schon einmal in den Fokus lokaler Unternehmer geraten waren. Das sehr ambitionierte Projekt scheiterte am Ende kläglich, soll aber nun mit neuen handelnden Personen wiederbelebt werden.

Doch der Reihe nach. In Gelsenkirchen hatte sich Wolfgang Werner einst einen Namen gemacht, als er als Beteiligter die alten Gebäude der Zeche Holland in Ückendorf einer Wohnnutzung zuführte und zeitweilig die Kneipe „Unverwechselbar“ als Inhaber führte.

Visionen endeten im finanziellen Desaster

Dann – zunächst wieder als Partner, später dann als Solist – sorgte er im Juli 2007 dafür, dass den Stadtoberen in Herten die Augen leuchteten. Den Malakowturm, die riesige Rasenhängebank mit Doppelbock-Konstruktion, die Heizzentrale, das Gebäude Schacht 2 und die Maschinenhalle Süd wollte Werner, von Hause aus Bauingenieur, neuen Nutzungen zuführen. Einzig ein Projekt wurde am Ende umgesetzt, das erste, das unkomplizierteste, um überhaupt mal Geld für weitere Vorhaben erwirtschaften zu können. Es war der Umbau der Heizzentrale in einen lupenreinen Veranstaltungsort, dem der Wanner Prinzipal Christian Stratmann (Mondpalast) als langfristiger Pächter seither mit seinem „RevuePalast Ruhr“ kräftig Leben einhauchte.

Der Rest der Visionen erwies sich als Illusion, weil dem in Herten schnell mit dem Titel „Zechenbaron“ versehenen Wolfgang Werner ohne Partner, die sich von ihm lossagten, die Mittel ausgingen. Im Jahr 2010, drei Jahre nach dem Projektstart, war das finanzielle Destaster schließlich offiziell besiegelt. Alle Hoffnungen starben mit der Insolvenz der Betreiber-Gesellschaft „Der Zechenbaron“, deren Geschäftsführer Werner war. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Baugenehmigungen für den Malakowturm (Nutzung als Bürogebäude) und das Förderhaus Schacht 2 (Nutzung als Restaurant) vor; Werner rief die Fördermittel für beide Projekte nicht ab, weil ihm das für eine Umsetzung notwendige Eigenkapital fehlte.

Gebäude und Gelände gingen an die ZEE

Was folgte, war ein schwieriger Klärungsprozess der rechtlichen Verhältnisse. Jetzt, nach monatelangem Gezerre, gaben die Gläubiger dem für Werners persönliches Eigentum zuständigen Insolvenzverwalter Richard Lorisch aus Herten grünes Licht, der wiederum die Gebäude an die ZEE veräußerte, die Zeche Ewald Entwicklungsgesellschaft mbH. Und damit schließt sich der Kreis, damit sind wir erneut in Gelsenkirchen angekommen.

Einer von zwei Geschäftsführern des ZEE ist (neben dem Hertener Gerhard Albers) Martin Rinke, ein Geschäftsmann, der es neben anderen Unternehmungen auch geschafft hat, den Schalker Sportpark (feiert dieser Tage sein 30-jähriges Bestehen) an der Kurt-Schumacher-Straße so zu vermarkten und zu entwickeln, dass die ehemalige Werkhalle immer jedem Trend gerecht wurde und jederzeit „State of the Art“ war.

Gesellschafter sind Borutta, Quednau und Rinke

Mit im Boot als Gesellschafter sind nach WAZ-Informationen die Unternehmer Christoph Borutta, Dieter Quednau, die Martin Rinke Immobiliengesellschaft & Co. KG (allesamt Gelsenkirchener) sowie Gerhard Albers und Elisabeth Kassing.

Da stellt sich die Frage, wie es weitergeht auf Ewald mit dem Engagement der Gruppe. „Nein, einen genauen Zeitplan haben wir nicht aufgestellt. Aber dafür haben wir auch keinerlei Denkverbote oder finanziellen Druck“, sagte Martin Rinke auf Nachfrage der WAZ. Klar sei es für ihn auf jeden Fall aber, dass die Entwicklung auf Ewald so einmalig sein müsse, dass die spätere Nutzung etwa der Rasenhängebank mit rund 3000 Quadratmetern Fläche auch noch Menschen aus einem Umkreis von 50 Kilometern anlocken müsse. „Es muss schon ein markantes Alleinstellungsmerkmal geben“, setzt Rinke ein Ausrufezeichen.

Ort mit spezieller Aura

Ideen dafür wollen alle Gesellschafter, will auch er zunächst einmal sammeln und sich dafür bereits vollzogene Umsetzungen anschauen, die anerkanntermaßen stark seien. Etwa die Nutzung der Dockanlagen in London oder die des Schlachthofes in Chicago.

Er selbst, sagt der Geschäftsführer, sei hochmotiviert, in Herten etwas tatsächlich Einmaliges schaffen zu wollen – und erläutert seinen Antrieb so: „Ich bin Immobilist. Die Konvertierung von Flächen ist meine Professur. Und ich habe ein Gefühl für Plätze entwickelt, aus denen man etwas machen kann. Und dieser Platz, die Zeche Ewald, hat für mein Empfinden eine ganz spezielle Aura.“

 
 

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