Insolvenz - Für Arise wird’s finster

Jörn Stender
Das kanadische Solarunternehmen Arise Technologie musste Insolvenz anmelden. Foto: Hans Blossey
Das kanadische Solarunternehmen Arise Technologie musste Insolvenz anmelden. Foto: Hans Blossey
Foto: foto@luftbild-blossey.de

Gelsenkirchen. Das Solarunternehmen Arise geht in die Insolvenz. Die verbliebenen Mitarbeiter fürchten nach einer langen Kurzarbeit-Durststrecke „den Ruin“. Von den großen Plänen, die 2009 beim Start angekündigt wurden, blieb so gut wie nichts.

Als wegweisender Schritt in die Zukunft der Solarstadt Gelsenkirchen wurde im Oktober 2009 die Übernahme des Gelsenkirchener Solarzellenwerks von Scheuten-Solar durch das kanadische Unternehmen Arise Technologie gefeiert. Damals war die Belegschaft in Kurzarbeit.

Hochmoderne und effizientere Solarzellen

Der angeblich ambitioniert geplante Aufschwung hat den Standort Am Dahlbusch 23 nie erreicht. Schlimmer noch: am 2. November hat Arise in Essen Antrag auf Insolvenz gestellt. Im ostdeutschen Arise-Werk in Bischofswerda wurde bereits vor Wochen die Notbremse gezogen.

Ein Technologiezentrum wollte Arise in Rotthausen aufbauen, um im Zeitraum von zwei Jahren hochmoderne und effizientere Solarzellen zu produzieren. Scheuten hatte das Werk 2006 von Shell Solar übernommen, als 2009 Arise mit dem ehemaligen Shell Solar-Leiter Sjouke Zijlstra einstieg, waren noch 55 Mitarbeiter von ursprünglich rund 80 beschäftigt. Seit Monaten wurde bereits Kurzarbeit gefahren. Die Produktion in Rotthausen war eingestellt – sie war nicht wettbewerbsfähig.

Nur noch 37 Mitarbeiter

Die Startbedingungen waren also alles andere als optimal, dennoch waren die Hoffnungen auch bei Wirtschaftsverbänden und Verwaltung groß. Die Kanadier leasten damals das Werk, mit der Option, es dann 2012 komplett zu übernehmen.

Ein ungewöhnliches Konstrukt. Aufgegangen scheint es nicht. „Wir haben keine Informationen darüber, wie es weitergeht“, klagt ein Mitarbeiter. Bei Arise war Montag kein Vertreter der Geschäftsführung zu sprechen. Begründung: „Das wird alles von Kanada aus geleitet.“

Auf 37 Mitarbeiter ist die Belegschaft mittlerweile zusammengeschmolzen. „Das kam alles nicht überraschend. Wir haben in der Vergangenheit immer gesagt: Wer die Chance hat zu gehen, sollte sie nutzen. Von der großen Solarstadt Gelsenkirchen ist nichts geblieben“, sagt Dieter Bonnemann, der für die Gewerkschaft IG BCE Arise betreut. Besonders bitter für die Belegschaft: Für den Oktober hat sie noch kein Geld ausgezahlt bekommen.

Produktion nicht mehr Wettbewerbsfähig

Mit 60 % vom letzen Gehalt muss das Arise-Personal seit der Übernahme auskommen. Am Standort läuft kontinuierlich die Kurzarbeit, nur unterbrochen von wenigen Monaten, in denen die Belegschaft in Bischofswerda im Einsatz war. Angesichts der bisherigen Erfahrungen sind Mitarbeiter skeptisch und fürchten: „Die treiben uns in den Ruin.“

Mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme wollte Arise Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von 20 % entwickeln und bauen. Gängig waren 2009 16 bis 17 % Wirkungsgrad. Zijlstra sah darin den nötigen Technologieschub als Basis für internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Zellen mit höherem Wirkungsgrad

Die alte „Mutter“ Scheuten war zu dem Zeitpunkt im Werk Schalke – mit 230 Beschäftigten – voll ausgelastet und konzentrierte sich auf Solarmodule. An Kurzarbeit kam man dennoch nicht vorbei. Für Gewerkschaftsfunktionär Bonnemannn kein Wunder: „Die Konkurrenz aus Fernost macht uns hier die Läden kaputt.“