In Gelsenkirchen erschaffen Bürger den Metropolengarten

Wolfgang Eichler im – noch – verwilderten Garten rund um die Villa Dahlbusch an der Steeler Straße in Rotthausen.
Wolfgang Eichler im – noch – verwilderten Garten rund um die Villa Dahlbusch an der Steeler Straße in Rotthausen.
Foto: WAZ FotoPool
Das Gartenprojekt setzt bei dem ehemaligen Zechengelände in Rotthausen auf die Partizipation der Anwohner. Am Samstag, 20. September, gibt es ab 14 Uhr ein Suppenfest. Dort können sich Interessierte über informieren und auch direkt Mitglied im Verein „Metropolengarten auf Dahlbusch“ werden.

Gelsenkirchen.. Noch liegt der verwilderte Garten rund um die Villa Dahlbusch an der Steeler Straße in einem Dornröschenschlaf. Doch das Gelände könnte schon nächstes Jahr wachgeküsst werden. Mutige Rotthauser haben sich dem alten Gelände samt historischem Kutscherhaus angenommen. Der Metropolengarten auf Dahlbusch soll mit individuell gestalteten Parzellen entstehen. Ein gleichnamiger, gemeinnütziger Verein hat sich gegründet und wirbt nun um Mitstreiter.

Die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich: Dem Agenten von Herbert Grönemeyer ist es zu verdanken, dass das 4000 Quadratmeter große Grundstück eine Wiedergeburt feiern soll. „Der Agent war bei uns auf einer Feier zu Gast und hat uns auf diese Perle aufmerksam gemacht“, sagt Stefan Belz rückblickend.

Mitglieder gestalten ihre Parzellen

Belz wohnt in der Villa Dahlbusch, die denkmalgeschützt saniert und in Wohnungen aufgeteilt ist: „Wir beobachten den Garten schon seit Jahren.“ Der Anwohner ist mittlerweile Vereinsgründer. Jüngst wurde der „Metropolengarten auf Dahlbusch e.V.“ ins Leben gerufen, zehn Mitglieder gibt es schon.

Die Idee ist, dass Vereinsmitglieder für einen Jahresbeitrag von 36 Euro eine Parzelle mit einer Fläche von etwa 15 Quadratmetern zur Verfügung gestellt bekommen. Einzige Bedingung: Interessenten müssen ein kurzes Konzept für ihre Nutzung vorlegen. „Wir wollen keine Monokultur“, betont Stefan Belz. Als außerschulische Lernorte könnten einige Flächen für Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Austausch unter erfahrenen und weniger erfahrenen Gärtnern sowie der multikulturelle Aspekt seien wichtig. Belz: „Es ist doch spannend, beispielsweise einem Gärtner mit türkischen Wurzeln beim Pfefferminzanbau über die Schulter zu schauen.“ Im Kutscherhaus könnte eine Reparaturwerkstatt eingerichtet werden. Unterstützung leistet das in Gelsenkirchen ansässige Unternehmen „NRW Projektarbeit“, das kreative Projekte vernetzt.

Zwei Hürden müssen die Metropolengärtner jedoch noch nehmen. Die Pacht beträgt 5000 Euro im Jahr. „Es ist also wichtig, dass jetzt möglichst viele Menschen Mitglied werden“, wirbt Belz um Mitstreiter. Die Vorlage für einen Mietvertrag des Eigentümers „NRW.URBAN“ liege bereits in der Schublade. Außerdem wird das Gelände zur Zeit auf Altlasten geprüft. Sollte der Boden der ehemaligen Zeche kontaminiert sein, kann das Projekt aber auch mit Hochbeeten gelingen. Stefan Belz hat seine Parzelle schon vor Augen: Neben Sonnenblumen und Wein will er es sich in seiner Hängematte bequem machen.

Beim Suppenfest gibt es Informationen

Wenn genug Menschen mitmachen, könnten schon im Frühling die ersten Metropolengärten gestaltet werden. Zu einem Suppenfest lädt der Trägerverein ein, um über das Partizipationsprojekt zu informieren. Die „Fête de la soupe“ findet am morgigen Samstag im Garten der Villa Dahlbusch, Steeler Straße 61, von 13 bis 17 Uhr statt. Fetenbesucher sind aufgefordert einen Topf ihrer Lieblingssuppe mitzubringen. Das Fest dient aber vor allem als Möglichkeit, das bürgerschaftliche Gartenprojekt besser kennen zu lernen. Das Motto der Metropolengärten lautet „Jeder bringt das ein, was er kann“.

Die Villa diente früher dem Zechendirektor auf Dahlbusch als Wohnsitz. Anders als die Villa, wurde der Garten seinem Schicksal überlassen. Kutscherhaus und Gewächshäuser sind in verwahrlostem Zustand. Mehr Hintergrundinformationen gibt es auf der Internetseite des Vereins.

Mehr Informationen: www.metropolengarten.de

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