„Ich singe einmal quer durchs Gemüsebeet“

Pe Werner
Pe Werner
Foto: WP
Die Sängerin und Entertainerin Pe Werner nennt sich eine „Kommode mit vielen Schubladen“.

Gelsenkirchen.. Dieses Kribbeln im Bauch ist hier garantiert: Pe Werner, Sängerin, Songwriterin, Autorin und Kabarettistin, feiert am 13. Oktober mit einem Konzert im Gelsenkirchener Musiktheater ihr 25-jähriges Plattenjubiläum und ihren 55. Geburtstag. Alte und neue Hits werden dann mit orchestralem Glanz der Neuen Philharmonie Westfalen erklingen. Vor dem Konzert sprach Pe Werner mit WAZ-Redakteurin Elisabeth Höving über nervige Fragen, feste Freunde und über Falten im Alter.

Frau Werner, vor ein paar Jahren benannten Sie in einem Interview mal Fragen, die Sie nerven. Fangen wir gleich mit denen an, dann haben wir’s hinter uns. Die Frage nach dem Vornamen Pe zum Beispiel.

Pe Werner: Nun, Pe ist keine Abkürzung, sondern steht genau so im Personalausweis. Meine Mutter hatte damals die kleine Hexe Petronella im Sinn und wollte mir den Kosenamen Pe geben. Weil dies aber nicht geschlechtsspezifisch war, brauchte ich noch einen zweiten Vornamen und der wurde Malou.

Liedermacherin, Komponistin, Kabarettistin, Autorin, das alles und noch viel mehr. In welcher Schublade, auch die Frage nervt Sie, sehen Sie sich?

Werner: In keiner. Ich bin eine Kommode mit ganz vielen Schubladen, habe viele Talente. Das ist wohl schwer zu vermarkten. Am liebsten mag ich die Berufsbezeichnung Singer/Songwriterin und Entertainerin. Ich möchte Menschen gut unterhalten. Das heißt, es darf gelacht und geweint werden in den Konzerten. Meine Shows führen einmal quer durchs emotionale Gemüsebeet.

Bei Pe Werner haben viele auch heute noch als Erstes ein „Kribbeln im Bauch“? Nervt Sie das?

Werner: Nein, das tat es in den ersten zwei, drei Jahren. Heute gilt es, sich darüber zu freuen, dass ich einen Evergreen geschrieben habe.

Sie pflegen zahlreiche musikalische Freundschaften. Fällt es leichter, anderen Songs auf den Leib zu schreiben als sich selbst?

Werner: Nein, der Song muss immer wie ein maßgeschneiderter Anzug passen, die Worte sollten dem Künstler förmlich leicht aus dem Mund purzeln. Dafür ist es natürlich wichtig, die Weltanschauung desjenigen, für den man komponiert, zu kennen.

Das Private muss privat bleiben, auch wenn der Songinhalt höchst persönlich ist. Bei meinen Liedern mischen sich immer Dichtung und Wahrheit. Es ist eine Mischkalkulation aus Erlebtem und Erfundenem.

Bleiben Kontakte zu Künstlern wie Milva, Mireille Mathieu, Katja Ebstein oder Barbara Schöneberger, für die sie alle Songs geschrieben haben?

Werner: Auf jeden Fall, auch wenn man sich nicht so oft sehen kann.

Liedermacher wie Wecker, Wader und Co erleben derzeit eine Renaissance. Spüren Sie die auch?

Werner: Ja, ich freue mich darüber, dass die deutsche Sprache wieder hoffähig geworden ist. Es gab Zeiten, da fanden deutsche Songs im Radio kaum statt. Das hat sich zum Glück geändert. Musik in Muttersprache wird momentan wiederentdeckt. Da ist schön.

Welche Themen inspirieren sie gerade?

Werner: Meine Schreibphase beginnt erst wieder im nächsten Jahr. Im Moment beschäftigt mich ausschließlich die aktuelle Tournee. Ich habe den Kopf voll mit logistischen Herausforderungen. Gestern war ich noch in Ascona zum ZDF TV Dreh für den Fernsehgarten, gleich reise ich nach Potsdam, für mein Konzert mit dem deutschen Filmorchester Babelsberg. In meinem Kopf möchten Sie gerade nicht stecken!(lacht)

Sie feiern 25-jähriges Plattenjubiläum, werden bald 55. Ist Altern ein Thema?

Werner: Gar nicht. Ich fühle mich innerlich wie maximal 28, bin vital und lebensfroh. Für mich ist das Glas immer halb voll. Natürlich sehe ich mein Alter auch im Spiegel, aber für Botox bin ich zu feige. Mit dem Altern bin ich aber eng konfrontiert durch meine Mutter, die gerade 80 geworden ist.

Mir ist dadurch schon bewusst, dass ich im letzten Drittel angekommen bin. Das gilt es bewusst und intensiv zu leben.

„MiR goes Pop“ wird im Musiktheater mit großem Besteck erklingen, mit der Neuen Philharmonie Westfalen und dem Bundesjazzorchester.

Werner: Es war ja schon ein Geschenk für mich, meine Songs mit großem Besteck aufnehmen zu dürfen. Dass ich die Produktion meines Best of Albums „ Von A nach Pe“ in Zusammenarbeit mit den beiden Klangkörpern des WDR realisieren konnte war schon ein Glücksfall. Dass ich dies nun auf die Bühne bringen kann, ist wie ein Ritterschlag für mich. All die Songs, die ich einst in meinen vier Wänden mit der Gitarre komponiert habe, erklingen jetzt im Hollywood-Sound in Gelsenkirchen und Recklinghausen. Das ist einfach toll!

Welche Freunde werden bei Ihrem Geburtstagskonzert mit Ihnen feiern?

Werner: Götz Alsmann wird kommen, Jörg Knör, Stefan Gwildis, Jiggs Whigham und der Pianist der WDR Bigband Frank Chastenier. Eine echte Sensation ist natürlich Thomas Quasthoff. Ich freue mich schon riesig auf alle „Dütts“ mit den Kollegen.

Sie kommen in eine Fußballstadt!

Werner: Ich bin ja immer mit Mannsbildern im Tourbus unterwegs, da bekomme ich schon viel von Fußball mit. Aber ein Bayernfan wird wohl nicht mehr aus mir.

 
 

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