HSH für Blinde nicht barrierefrei

Inge Ansahl
Imposant: Das neue HSH – hier ein blick ins Foyer. Blinde beklagen indes, das Haus sei nicht barrierefrei.
Imposant: Das neue HSH – hier ein blick ins Foyer. Blinde beklagen indes, das Haus sei nicht barrierefrei.
Foto: WAZ FotoPool
Günter Gajewski zählt die Knackpunkte für Sehbehinderte in einem Schreiben an OB Frank Baranowski und andere Politiker auf. Er schreibt, blinde und sehbehinderte Gelsenkirchener seien „enttäuscht und unzufrieden“ mit dem neuen Hans-Sachs-Haus

Gelsenkirchen.  Blinde und sehbehinderte Gelsenkirchener sind nach eigenem Bekunden enttäuscht und unzufrieden mit dem neuen Hans-Sachs-Haus. In einem Brief an (u.a.) Oberbürgermeister Frank Baranowski hat der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins, Günter Gajewski, eine Reihe von Kritikpunkten aufgezeigt.

Sie sind das Ergebnis einer Besichtigung der neuen Verwaltungs- und Bürgerhochburg durch Vereinsmitglieder. „Aus Sicht der sehbehinderten und blinden Menschen in Gelsenkirchen ist das Hans-Sachs-Haus nicht barrierefrei“, fasst Gajewski in seinem Schreiben zusammen. Dass er in der Hoffnung auf den Weg brachte, dass noch Verbesserungen erfolgen und Sehbehinderte das Hans-Sachs-Haus ohne fremde Hilfe nutzen können.

Kein Leitweg zu den Treppen

Im Einzelnen beanstandet Gajewski: „Der Leitweg zum HSH endet direkt neben der Glaswand. So stößt man mit der rechten Schulter an die Glaswand. Im Winter kommt es vor, dass die Schiebetür nicht ganz aufgeht. So bin ich gegen die Glaswand gelaufen.“

Im Foyer gebe es nur Leitlinien zur Information, zur Cafeteria, zur Infotafel und zum ersten Fahrstuhl. Gajewski: „Grundsätzlich sind alle Informationstafeln für blinde Menschen nutzlos. Es sind zwar Linien abzutasten, jedoch fehlt eine Beschriftung in Braille bzw. in abtastbarer Schwarzschrift.“

Weitere Knackpunkte: „Es gibt nicht einen Leitweg zu den Treppen. Ein blinder Mensch, der nicht mit dem Aufzug fahren möchte oder kann, ist somit schon hier auf fremde Hilfe angewiesen.“ Gleiches gelte für die WC’s. Auch hierhin führe kein einziger Leitweg. „An allen WC’s fehlen für blinde Menschen ertastbare Schilder. Es sind nur die Zimmer-Nummern abtastbar. Die Behindertentoiletten neben den Fahrstühlen sind auch für sehbehinderte Menschen schlecht auffindbar. Die Türen sind nicht kontrastiert. Es sind weiße Türen neben einer weißen Wand.“ Zum Treppenhaus: Die 1. und die letzte Treppe seien markiert, „leider farblich schlecht. Die DIN-Norm wird hier ganz sicher nicht eingehalten.“ In den Fahrstühlen sollten Alarmtaster und Türöffnertaste beschriftet sein. Weiter geht die Mängelliste: Kein Treppenhaus sei mit Braille-Schrift versehen, es fehlten Noppen, die auf Treppen hinweisen, der Not- und Rettungsplan sei für Blinde und Sehbehinderte unbrauchbar.

Auf der Tagesordnung der nächsten Beiratssitzung

Udo Brückner (SPD), Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderungen, sagte auf Nachfrage der WAZ, er habe nicht nur wegen des Schreibens von Günter Gajewski, sondern auch auf Grund verschiedener anderer Anfragen vor, das Thema auf die Tagesordnung der BMB-Sitzung am 21. Januar zu setzen. „Mir liegt die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, wozu das Hans-Sachs-Haus gehört, sehr am Herzen“, so Brückner.