Hornissen bauen in Gelsenkirchener Kleingarten ein Nest

Gartennachbar Helmut Voigt hilft im Garten der Oschinskis aus. Hier beobachtet und fotografiert er das Hornissennest
Gartennachbar Helmut Voigt hilft im Garten der Oschinskis aus. Hier beobachtet und fotografiert er das Hornissennest
Foto: FUNKE Foto Services
Nach mehr als 40 Jahren alleine im Schrebergarten in der Kleingartenanlage Bismarckhain hat das Ehepaar Oschinski nun tierische Mitbewohner.

Gelsenkirchen. Sie sind schwarz-gelb gestreift, drei Zentimeter groß und können stechen: Hornissen. Vor knapp zwei Wochen machten sie sich im Vogelnistkasten an der Laube der Oschinskis breit.

Da könnte man glauben, das Gartenglück sei schnell vorbei. Wilfried Oschinski sieht das allerdings anders: „Die tun nichts, sind ganz harmlos.“, betont er, während er entspannt auf seiner Terrasse sitzt. Seit über 40 Jahren haben er und seine Frau Inge diesen Schrebergarten, „einen der ältesten“, im Kleingärtnerverein Bismarckhain. Oschinski hat den ganzen Garten selbst gepflanzt und aufgebaut. „Auch die Laube“, verkündet er nicht ganz ohne Stolz.
Früher hat er auch Gemüse angebaut, mit inzwischen fast 88 Jahren ist ihm das allerdings doch zu viel Arbeit. Trotzdem gibt es im Garten noch einige Obstbäume und Blumen. Unterstützt wird er von seinem Gartennachbarn Helmut Voigt. Auch er ist von dem Hornissennest fasziniert und stellt sich furchtlos direkt daneben: „Die schwirren einem erst um den Kopf. Sobald sie aber merken, dass man keine Gefahr darstellt, fliegen sie wieder weg.“ Die Oschinskis sind schon lange dabei und bekannt. Der Weg zu ihrem Garten ist nach seiner Frau Inge benannt, die für 30 Jahre die Frauengruppe des Kleingartenvereins geleitet hat.

Friedliche Hornissen

Auch wenn es für die Oschinskis das erste ist, bereits vor zwei Jahren hat es im Kleingartenverein ein Hornissennest gegeben. „Innerhalb von zwei Wochen ist das Nest unglaublich gewachsen.“, erzählt der Senior. Zu Beginn hätte es in eine hohle Faust gepasst, inzwischen ragt es oben und unten aus dem Nistkasten heraus und scheint diesen bald zu sprengen. Das Nest selbst ist ein Meisterwerk natürlicher Baukunst.

Die über drei Zentimeter großen Hornissen, die aus dem Bau fliegen, oder unten in diesen hineinkrabbeln wirken zunächst furchteinflößend. Respekt vor diesen Insekten zu haben, ist sicherlich nicht falsch. So gefährlich wie die meisten denken, sind sie aber doch nicht. Auch das Ehepaar Oschinski stören die Hornissen nicht. „Die sind ganz friedlich und tun nichts.“, betont Wilfried Oschinski jedes Mal, wenn die Insekten auf ihn zufliegen. Das Nest entfernen zu lassen oder es gar selbst zu versuchen, möchte er allerdings nicht. Und das ist auch gut so.

Besonders Geschützt

Hornissen werden durch das Bundesartenschutzgesetz besonders geschützt. Ohne Genehmigung dürfen ihre Nester nicht umgesiedelt oder zerstört werden, weshalb dies vorher bei der Stadt beantragt werden muss. Die Insekten sind als besonders giftig gefürchtet, was jedoch eine falsche Annahme ist. Dem Naturschutzbund (NABU) zufolge sind Hornissen scheue, passive Tiere und ihre Stiche nicht giftiger als die von Bienen oder anderen Wespen. Besonders ist bei ihnen allerdings, dass sie umziehen, sollte es ihnen in ihrem Bau einmal zu eng werden. Dadurch entstehen auch im Juli und August noch Hornissennester – oder wie eben bei den Oschinskis sogar erst im September, wobei dies eher eine Ausnahme ist.

Hornissen überleben meist nur bis Mitte Oktober. Sollte das Wetter aber weiterhin so warm bleiben, wird dieser Stamm wohl noch etwas länger im Schrebergarten wohnen bleiben.

 
 

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