Helfer bereiten Gelsenkirchener Emscher-Lippe-Halle für Flüchtlinge vor

Karoline Poll
Helfer setzen die Parzellen aus Bauzäunen zusammen. Hinten sind auch schon Plastikplanen angebracht.
Helfer setzen die Parzellen aus Bauzäunen zusammen. Hinten sind auch schon Plastikplanen angebracht.
Foto: Funke Foto Services
Mit großem Kraftaufwand arbeiten Stadt und Deutsches Rotes Kreuz in der Emscher-Lippe-Halle. 150 Flüchtlinge sollten am Montag kommen. Ein Besuch vor Ort.

Gelsenkirchen. Der junge Mann kniet auf den Spanplatten. Vorsichtig rollt er den PVC-Boden aus, dann ein schneller Schnitt mit dem Messer. Der Kollege kleistert ein. Es riecht nach Kleber. 13.15 Uhr. In weniger als zwei Stunden können die Busse mit den Flüchtlingen an der Emscher-Lippe-Halle ankommen. So hieß es zumindest am Montag. Da am Montag aber wenige Flüchtlinge in NRW ankamen als erwartet, wurde die Halle noch nicht gebraucht.

Das kann sich aber in jeder Stunde ändern, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann am Dienstagmorgen auf Nachfrage. Wer die Menschen sind, woher sie kommen – das weiß die Stadt erst bei der Ankunft. Wie lange bleiben die Menschen? Auch das bleibt zunächst unklar.

Weitere Flüchtlinge in dieser Woche erwartet

In dieser Woche sollen noch weitere 150 Flüchtlinge in die Emscher-Lippe-Halle kommen. „Für mindestens sechs Monate ist sie geblockt“, sagt Stadtsprecher Martin Schulmann. Die Schalker Haie suchen für die Eishockey-Saison nach Alternativen in den Nachbarstädten, einige Kulturveranstaltungen werden verlegt, manche müssen ausfallen.

Andere Hallenseite. Klong! Der Bauzaun steht. Ein Arbeiter befestigt weiße Plastikplanen an den Außenseiten der Parzelle. Daraus werden 18 Quadratmeter Privatsphäre, nur die Betten fehlen noch. Die kommen Ende der Woche an, wurden die Flüchtlinge doch ursprünglich erst am Mittwoch erwartet. Am Sonntag erfuhr die Stadt von der früheren Ankunft. Feuerwehr, THW und DRK springen jetzt mit Feldbetten ein.

Verpflegung stellt das DRK

Zwei große Treppen führen zur Tribüne Ost, Ausgang 5. Das ist nicht nur der Haupteingang, sondern auch wegen des Brandschutzes notwendig. Auch an den anderen Tribünen stehen große Treppen. Ein Problem: Die sanitären Anlagen. 15 Duschen gibt erst einmal in der Emscher-Lippe-Halle. Toiletten sind etwas mehr. „Wir schauen, wie das funktioniert“, sagt Martin Schulmann. Man könne aber jederzeit auch Dusch- und Sanitärcontainer zusätzlich aufstellen.

Um Essen und Trinken kümmert sich das DRK. Im hinteren Teil der Halle soll es einen Aufenthaltsraum geben. Wo sonst die Ice-Hockey-Cracks spielen, fährt jetzt eine Frau mit ihrer Putzmaschine über den frisch verlegten Boden. Es ist laut. 13.45 Uhr. Etwa 35 Helfer arbeiten daran, dass die Halle rechtzeitig zur Ankunft der Flüchtlinge fertig wird.

Draußen am Seiteneingang des Freibades räumen zwei DRK-Frauen Vollmilch und Servietten in einen blauen Lager-Container. Ein Lastwagen hält am Eingang. Er bringt Becher, Müsliriegel, Kaffee. Die Helfer arbeiten Hand in Hand. Und nebenan im Sportparadies geht der ganz normale Alltag weiter.

Keine Alternativen zur Emscher-Lippe-Halle

Die Stadt betont, dass es keine Alternativen zur Unterbringung in der Emscher-Lippe-Halle gegeben habe – sofern der Schulsport nicht weiter beeinträchtigt werden solle. Ab heute soll auch die Turnhalle Breddestraße als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden – zunächst eine Übergangslösung. Die Dreifach-Turnhalle bietet Platz für 150 Menschen. Die Nutzung der Halle ist ab sofort nicht mehr möglich, heißt es von der Stadt.

Die Alte Polizeiwache sei dagegen als Notunterkunft ungeeignet. „Da gibt es überhaupt keine Duschen“, sagt Stadtsprecher Martin Schulmann. Das Gebäude sei schließlich ausschließlich als Büro genutzt worden. Außerdem stehe das Gebäude jetzt schon länger leer. „Da tobt der Schimmel.“

Auch das Finanzamt – in Internetforen als Standort zur Flüchtlingsunterbringung im Gespräch – komme nicht infrage. „Das Gebäude gehört uns nicht.“