Gelsenkirchen

„Hartz 4“: Alleinerziehende Mama aus Gelsenkirchen klagt in Coronavirus-Krise: „Das ist keine Hilfe!“

Hartz 4: Eine Mutter aus Gelsenkirchen klagt über die momentane Corona-Situation mit Hamsterkäufen  in den Supermärkten.(Symbolbild)
Hartz 4: Eine Mutter aus Gelsenkirchen klagt über die momentane Corona-Situation mit Hamsterkäufen in den Supermärkten.(Symbolbild)
Foto: imago images

Gelsenkirchen. Die Corona-Krise trifft wirtschaftlich sehr viele Menschen. Besonders hart werden Familien und Menschen gebeutelt, die ohnehin schon am Existenzminimum leben oder Hartz 4 beziehen.

Nachdem DER WESTEN über eine Oberhausener Familie berichtet hatte (hier geht es zur Geschichte), hat sich nun auch eine alleinerziehende Mama aus Gelsenkirchen an unsere Redaktion gewandt, die ebenfalls Hartz 4 bezieht und genau dieselben Erfahrungen machen musste.

Hartz 4: Mutter aus Gelsenkirchen klagt: „Es ist schwer mit dem Geld auszukommen“

Stefanie Meier* aus Gelsenkirchen möchte lieber anonym bleiben. Deshalb haben wir ihren Namen geändert. Die Dreifachmama klagt über die sogenannten Hamsterkäufer. Da die Regale so gut wie leergefegt sind, könne sie nicht mehr frei entscheiden, welche Produkte sie kaufe, sondern werde in letzter Zeit gezwungen, auf teurere Markenprodukte zurückzugreifen.

„Es gibt ja viele Rücksichtslose, die weiterhin hamstern, obwohl die Vorräte wahrscheinlich ausreichen“, ist sich die 35-Jährige sicher. Das Resultat: Die Alleinerziehende gebe pro Einkauf in der Regel 20 bis 30 Euro mehr aus.

Und das sei einfach nicht drin, macht die junge Mutter deutlich. Ja, sie habe - so gut es eben geht - etwas angespart, konnte in den vergangenen Monaten so 50 bis 100 Euro zurücklegen. Doch nun muss sie ran an ihr Ersparnisse.

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Ihre größte Sorge momentan: Wenn ein Haushaltsgerät kaputt geht und sie beispielsweise schnell einen Batzen Geld für eine Waschmaschine braucht. Zudem wird ihr sechsjähriger Sohn im Sommer eingeschult. „Für die Erstausstattung muss auch noch Geld da sein.“

Die 35-Jährige arbeitet neben ihrer Grundsicherung als Reinigungskraft, stockt mit 150 Euro brutto ihr Einkommen noch etwas auf. Doch jetzt in der Krise sei auch dieser Job gedrosselt worden.

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Das ist „Hartz 4“:

  • „Hartz 4“ heißt eigentlich Arbeitslosengeld II (ALG II)
  • Es wurde zum 1. Januar 2005 eingeführt
  • Es ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch
  • Es soll Leistungsberechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht
  • Allerdings kann es durch zulässige Sanktionen gekürzt oder ganz gestrichen werden - Kritiker sagen: Das ist menschenunwürdig
  • Die gesetzliche Grundlage für das ALG II bildet das Zweite Buch Sozialgesetzbuch

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Von vielen Menschen höre sie Vorwürfe wie: „Als Hartz 4-Empfänger hast du doch Zeit durch die Supermärkte zu ziehen und günstige Produkte zu suchen.“ Die Mehrkosten, die durch die Fahrt entstehen, habe aber keiner im Blick, sagt Meier. Auch habe sie niemanden für die Kinderbetreuung in dieser Zeit. „Und so habe ich im Internet nun 36 Rollen Klopapier für 20 Euro gekauft“, erklärt die Mutter hilflos.

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An die Stadt Gelsenkirchen habe sie sich auch schon gewandt. Das Jobcenter habe ihr die Möglichkeit eines Darlehens vorgeschlagen. Doch das müsse sie - wie das Jobcenter auf Nachfrage von DER WESTEN bestätigte - mit 10 Prozent des Regelsatzes zurückzahlen.

„Das ist keine Hilfe, sondern zieht nur einen Rattenschwanz nach sich“, meint die Gelsenkirchenerin. Sie müsse dann 130 Euro monatlich zurückzahlen. Dazu sieht sie sich nicht in der Lage. Immerhin ist sie froh, dass ihr diese Lösung vorgeschlagen wurde, wenn es hart auf hart kommt.

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Jobcenter weiß um schwierige Situation

Sie wünsche sich nur von der Politik mehr Aufmerksamkeit, wolle sensibilisieren, dass der Grundbedarf an Lebensmitteln nun steigt. Susanne Auth, Pressesprecherin des Jobcenters in Gelsenkirchen, ist sich der verzwickten Situation vieler Hartz 4-Familien bewusst. Doch das Jobcenter habe „derzeit keine Kenntnis darüber, dass von der Bundesregierung gesetzliche Änderungen geplant seien“, so Auth. Ob sich das noch ändern könnte, ist momentan unbekannt.

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Für Stefanie Meier bleibt zu hoffen, dass diese irrsinnigen Hamsterkäufe bald ein Ende haben und die Menschen sich in den Supermärkten und Discountern wieder die Lebensmittel in den Einkaufswagen packen können, die sie sich leisten können.

* Name geändert, aber der Redaktion bekannt

 
 

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