Gelsenkirchen

„Gucken Sie sich hier doch mal um!“ - Gelsenkirchener erklären den Erdrutsch-Sieg der AfD in ihrer Stadt

AfD-Hochburg Gelsenkirchen: Wie konnte es so kommen?
AfD-Hochburg Gelsenkirchen: Wie konnte es so kommen?
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Der Wahlbezirk Gelsenkirchen ist die AfD-Hochburg im Westen. In keinem westdeutschen Wahlkreis hat die AfD bei der Bundestagswahl 2017 mehr Stimmen geholt als in Gelsenkirchen - nämlich 17 Prozent der Zweitstimmen!

Wie konnte es so kommen - in einer Stadt, in der jahrzehntelang traditionell die SPD gewählt wurde? Wir haben Gelsenkirchener gefragt.

Heinz-Friedrich Pabst aus Gelsenkirchen

„Die großen Parteien haben versagt. Das Ruhrgebiet, besonders unser Brennpunkt in Gelsenkirchen, wurde sehr stark vernachlässigt. Dann wurde gesagt, die Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind studiert und gut gebildet. Und, dass sie durch neue Arbeitsplätze unsere Wirtschaft stärken können. Das ist alles nicht passiert. Das war eine Frustwahl. Frau Merkel müsste mehr fürs Ruhrgebiet tun. Wissen Sie, wir zahlen alle den Solidaritätszuschlag für Ostdeutschland. Aber warum gibt es den hier nicht? Jeder weiß, das es hier so schwierig ist. Wenn der Hebel dort angesetzt wird, wird sich alles auch wieder relativieren. Das müsste passieren. Ich vermute, wenn es Neuwahlen geben würde, weil Jamaika nichts wird, dann wird die AfD sogar noch stärker."

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Jürgen Körner aus Gelsenkirchen

„Das ist nicht gut. In der AfD sind immer noch Nazis. Vielleicht werden diese Leute noch zur Räson gerufen, aber im Prinzip ist es einfach nicht gut. Vielleicht kam das durch die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel. NRW ist nicht das Haupt-Wählerland der AfD. Aber warum sie in Gelsenkirchen gerade so stark ist...gucken Sie sich doch mal um. Wenn Sie hier die Straße runtergucken, sehen Sie halt größtenteils Menschen mit Migrationshintergrund.“

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Tamara Schützek

„Ich finde zwar schon, dass sich etwas ändern muss. Aber, dass es jetzt gerade die AfD ist, finde ich nicht gut. Vielleicht haben die Leute einfach keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Es gibt hier so viel Kriminalität und ich vermute, die meisten hatten es einfach mal satt. Ich würde meine Tochter auch nachts nicht mehr alleine nach draußen lassen.“

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Ursula S. aus Schalke

„Wir haben hier einen sehr großen Ausländeranteil und die Leute sind hier mit der Politik insgesamt sehr unzufrieden. Ich bin keine AfD-Wählerin und auch nicht ausländerfeindlich. Aber vielleicht wünschen sich die Menschen einfach mehr Integration. Es kann einfach nicht sein, dass wir uns um ein Burka-Verbot streiten, während so viele Menschen hier noch nicht mal Deutsch sprechen. Das kann man jetzt nicht nur Gelsenkirchen in die Schuhe schieben, das ist in vielen anderen Städten auch ein Problem.“

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Halime K. aus Gelsenkirchen

„Woran das liegt? An den Ausländern, so wie ich eine bin. Zusammen mit der hohen Arbeitslosigkeit passiert sowas dann eben. Die Menschen sind hier extrem frustriert und statt sich hinzusetzen und sich an die eigene Nase zu fassen, suchen sie sich einen Sündenbock. Das sind jetzt eben die Flüchtlinge. So sind die Menschen nun mal. Wenn man sich darauf konzentrieren würde, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, dann würde man es doch auch zu einem Job bringen. Aber die Bibliotheken, die es hier gibt, sind leer. Und wenn Schüler dort nicht kostenlos Schulbücher bekommen würden, wäre da niemand mehr. Es ist halt leichter, anderen die Schuld zu geben, als sich mal hinzusetzen und was zu tun.“

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