Glückauf-Bier aus Gelsenkirchen für Keller und Kehle

In der Flaschenabfüllanlage. Ab 1966 liefen die Bügelverschlussflaschen langsam aus.
In der Flaschenabfüllanlage. Ab 1966 liefen die Bügelverschlussflaschen langsam aus.
Foto: Stadtarchiv Gelsenkirchen
Die Brauerei-Tradition wurde 1887 begründet. Bier von „G.B.G.“ trug lange die Grubenlampe als Markenzeichen. 1980 endete die Geschichte.

Gelsenkirchen.. Glückauf-Bier und Schalke zelebrierten über lange Jahre erfolgreich den schäumenden Doppelpass. Wichtig war da nicht auf’m Platz, sondern der Platz an der Theke. 1954 warb die Brauerei im „Jubiläumskreisel“ für ihr Pils mit dem Hinweis: „Ötte Tilbulsky, Vereinsheim Schalke, Berni Klodt, Schalker Markt, und Walter Zwickhofer, im Haverkamp schenken auch Glückauf-Bier aus“ – es war eine der vielen Werbekampagnen der Brauerei, die auf Wimpeln und Streichholzschachteln, Wandtellern, Plakaten und Krügen die lokale Geschmacksnote bestimmte. Glückauf, dass war ein erfrischendes Versprechen für die Malocher der Montanstadt.

500 Jahre Reinheitsgebot zur Bierherstellung im April 1516

Der Heimatbund Gelsenkirchen hat sein jüngstes Heft der Brauereitradition gewidmet – 500 Jahre nach Aufstellung des Reinheitsgebots zur Bierherstellung im April 1516, „passt das Heftthema hervorragend zu diesem Ereignis“, spannt Karlheinz Rabas den ganz großen Bogen. Auf seinen Vorträgen basiert Heft 8 der Reihe „Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit“ (5 Euro, u. a. Buchhandlung Junius).

Redaktion und Layout hat Hans-Joachim Koenen übernommen. Zurückgreifen konnten beide dabei auf eine breite Sammlung, die nach und nach gewachsen ist und in der Bergbausammlung Rotthausen lagert. „Nach Vorträgen haben wir immer mal wieder von Sammlern Krüge und Bierdeckel, Aschenbecher oder Gläser bekommen“, sagt Rabas. Zahlreiche Bilder im Heft zeugen von der Markenartikel-Schwemme. Ohnehin scheint die Materiallage gut. An Bildern aus der Glückauf-Geschichte mangelt es zumindest nicht. Die hatte natürlich eine Vorgeschichte.

Hausbrauereien und Kneipen versorgten eine wachsende Zahl durstiger Einwohner. 1877 wurden für 11.313 Bürger im noch beschaulichen Gelsenkirchen 127 Gaststätten und zahlreiche Branntweinhandlungen gezählt. Auf 89 Menschen kam eine Kneipe. Und die wollten versorgt sein. „So wundert es nicht, wenn die Gründer der Glückauf-Brauerei, Fritz Schulte im Hofe, Hermann Pokorny, Peter Büscher und August Strunk den Plan fassten, eine Großbrauerei zu gründen, und von der ständig wachsenden Bergbau- und Industriebevölkerung hohe Umsätze und Gewinne erwarteten“, so Rabas.

1895 in Aktiengesellschaft umgewandelt

Über mehrere Grundstücke mit insgesamt 19 256 Quadratmetern Grund verfügten die Gründer, setzten auf das Gelände zwischen der Leithestraße und dem Rangierbahnhof in mehreren Bauabschnitten ab 1887 Sud- und Kesselhaus, Kellerei, Maschinenhaus und Kühlhaus, dazu ein Burschenwohnhaus mit 22 Betten, Stallungen und ein Pförtnerhaus, Küferei und eine große Lagerhalle. Zwei Schornsteine, 26 und 42 Meter hoch, standen auf dem Gelände, die Bieraufzüge wurden mit Dampfkraft betrieben. Der Ausstoß der Großbrauerei war beachtlich. „In 300 Tagen war man in der Lage, 72 000 Hektoliter Bier herzustellen“, so Rabas. Das Wasser für den Brauprozess bezog man über Bohrlöcher aus 150 Metern Tiefe, es hatte ein hervorragende Qualität.

Bereits 1895 wurde die Personen- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Aktienkapital betrug 1,8 Millionen Mark, aufgeteilt in 1800 Inhaberaktien. 1898 wurden als Warenzeichen für die Brauerei Schlägel & Eisen eingeführt. Hackerbräu aus München, seit 1471 mit gekreuzten Flößerhaken als Markenzeichen präsent, protestierte und gewann einen Zivilprozess. Die Bergmannslampe und später das große G standen für „G.B.G“, für Glückauf-Bier aus Gelsenkirchen. Bis zum bitteren Ende.

Schließung gegen die Stimmen der verbliebenen Kleinaktionäre

Bereits in den 1920er-Jahren übernahm die Dortmunder Aktienbrauerei ein großes Aktienpaket der Glückauf-Brauerei, der Betrieb wurde 1931 stillgelegt – bis 1933. Dann wurde die Produktion wieder hochgefahren.

Die Allianz mit den Dortmundern wurde 1938 beendet, 1969 lebte sie jedoch wieder auf. Die Ritterbrauerei übernahm diesmal die Leitung, ab 1971 wurde allerdings ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Schultheiss-Brauerei AG in Berlin und Bochum geschlossen. Die Dortmunder Union-Schultheiss AG besaß 1980 bereits 99,16 Prozent der Glückauf-Aktien. Gegen die Stimmen der verbliebenen Kleinaktionäre wurde bei der Hauptversammlung am 4. Februar 1980 im Glückauf-Keller die Schließung der Brauerei beschlossen.

Schon ab 1977 war die Produktion massiv beschnitten worden. Nur noch für die Einwegproduktion wurde Bier in Gelsenkirchen gebraut.

Am 27. März 1980, so Karlheinz Rabas, „wurde die letzte Flasche Bier in Gelsenkirchen abgefüllt. Der Name Glückauf-Bier wurde danach noch bis 1983 als Billigmarke für die Dortmunder Überproduktion verwendet.

Im Handelsregister ist die Firma am 18. März 1980 erloschen.

 
 

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