Giftmüll wie Dioxin und Schwermetalle lagern in stillgelegten Bergwerken

Irene Stock
Fördermaschinist und Ex-Bergmann Christian Link aus Ge-Horst ist gegen das Lagern von Sondermüll in ehemaligen Bergwerken.
Fördermaschinist und Ex-Bergmann Christian Link aus Ge-Horst ist gegen das Lagern von Sondermüll in ehemaligen Bergwerken.
Foto: WAZ FotoPool
Christian Link macht auf die Gefahren des Giftmülls in stillgelegten Bergwerken aufmerksam. Auch im Bergwerk Consolidation wurden in den 90er Jahren Abfälle aus den Müllverbrennungsanlagen deponiert. Zu den gefährlichen Stoffen, die in enthalten sein können, zählen Dioxin und Schwermetalle.

Gelsenkirchen. Christian Link (47) bezeichnet die Einlagerung von Giftmüll in den Bergwerken als „gigantische Zeitbombe ähnlich wie in der Asse“. Der Fördermaschinist, aktiv in der Bewegung „Kumpel für AUF“, lässt nicht locker, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die in den still gelegten Bergwerken lauern. Auch im Bergwerk Consolidation wurden in den 90er Jahren Abfälle aus den Müllverbrennungsanlagen deponiert. Wie groß die Menge ist, könne man nicht sagen, so RAG-Sprecher Christof Beike. „Die Einlagerung wurde mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt.“

Consolidation gehörte zu den drei Versuchsbergwerken, in denen hinter dem Streb oder Dämmen von aufgegebenen Strecken die Rückstände aus Kraftwerken, der Stahl- und Zementproduktion, Hausmüll- und Klärschlammverbrennung sowie Altsande aus dem Gießereibetrieb „verpresst und verwertet“ wurden.

Eine gefährliche Suppe

Zu den gefährlichen Stoffen, die in den eingelagerten Abfällen enthalten sein können, zählen Dioxin und Schwermetalle wie Blei und Cadmium. „Eine gefährliche Suppe, auf der das Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Bergkamen schwimmt, spätestens dann, wenn die RAG die Pumpen abstellt, die das Grubenwasser abpumpen“, ahnt Christian Link. Damit der Bergbau überhaupt möglich ist, muss ständig in stillgelegten und aktiven Bereichen Grubenwasser abgepumpt werden.

Für RAG-Sprecher Beike ist das Thema „ernst, aber nicht neu“. Aufs Tapet kam es nur, weil ein Landwirt befürchtet, dass seine Äcker mit giftigen Stoffen aus hochsteigendem Grubenwasser belastet würden. Nach 2018 könnte es sein, dass das Grubenwasser nicht mehr aus bis zu 1400 Metern, sondern aus geringerer Tiefe abgepumpt wird. „Das ist durchaus denkbar“, so Andreas Nörthen, Pressesprecher für die Abteilung Bergbau und Energie in Arnsberg. Wie viele Tonnen eingelagert sind, rechnet man in Arnsberg aktuell „bergwerksscharf“ aus.

RAG sieht keine Gefahr

Die RAG sieht keine Gefahr. Sprecher Beike: „Dort, wo der Müll lagert, besteht 1. keine Wasserwegigkeit, wurden 2. die Reststoffe in Flözpartien gelagert, die abgedichtet sind. Diese liegen 3. in Tiefen von über 800 Meter.“ Sanierungspläne gibt es nicht. Analyseergebnisse des Grubenwassers, das permanent an den Stellen beprobt werde, wo es eingeleitet wird (Emscher, Lippe) belegten, dass „von den eingelagerten Stoffen keine Risiken für die Umwelt ausgehen“. Link will trotzdem nicht schweigen ....