Geschnetzeltes und Fisch zum Jahresausklang

Lars-Oliver Christoph
Foto: WAZ

Gelsenkirchen.  Von dinierenden Stadtverordneten, CDU-Landtagsabgeordneten und einem Referatsleiter, der nun doch in der Stadt bleibt - ein etwas anderer politische Wochenrückblick.

In Ausschüssen sitzen die Mandatsträger bisweilen drei Stunden oder länger beisammen, um bei schnöden Erfrischungstränken, Kaffee und Keksen schwere Themen durchzukauen. Das gilt in der Regel auch für den Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie(KJF). Mit einer Ausnahme: Traditionell in der letzten Sitzung des Jahres treffen sich die KJF-Mitglieder in der Scheune Lahrshof in Bismarck, um sich von der dortigen Gastronomie bewirten zu lassen. Gastronomie heißt hier: Die städtische Jugendberufshilfe macht in dieser auch für den Stadtteil offenen Einrichtung junge Menschen fit für den Arbeitsmarkt. Am Dienstag ist es mal wieder so weit: Der KJF wird das arbeitsreiche Jahr nach einer knappen Tagesordnung mit einem wohl nicht ganz so knappen Büffet ausklingen lassen. Bezahlen müssen die Politiker und Vertreter von Verbänden dafür nicht, die Kosten übernimmt die Stadt. Ein Geschmäckle kann die Verwaltung dabei nicht erkennen. Auch deshalb nicht, so Referatsleiter Alfons Wissmann zur WAZ, weil die dort tätigen Jugendlichen bei solchen Anlässen lernten, zu servieren, einzudecken und eine größere Zahl von Gästen zu bewirten. In diesem Jahr wird der Lerneffekt wohl besonders groß sein. Denn: Der sonst in Schulen tagende Bildungsausschuss, der eigentlich nichts mit der Scheune Lahrshof zu tun hat, hatte in Person seines Vorsitzenden Markus Karl (CDU) erstmals den Wunsch an die Verwaltung herangetragen, das Jahr auch mal im Lahrshof ausklingen zu lassen. So ist es am Donnerstag nach der regulären Sitzung auch geschehen – bei Geschnetzeltem und Fisch. Dass in 2011 alle Ausschüsse des Rates das Sitzungsjahr im Lahrshof ausklingen lassen wollen, damit die Jugendlichen dort noch mehr lernen, ist aber nur ein Gerücht.

Fragen warf in dieser Woche eine Pressemitteilung der Stadt auf. Darin war nämlich zu lesen, dass sich „die für Gelsenkirchen zuständigen Landtagsabgeordneten“ Markus Töns und Heike Gebhard (beide SPD) sowie Verena Schäffer (Grüne) auf Einladung der Stadt zu einem Gedankenaustausch mit OB Frank Baranowski getroffen haben. Und was ist mit CDU, FDP und Linkspartei? Von den Liberalen und der Linken sei der Verwaltung nach der Landtagswahl kein für Gelsenkirchen zuständiger Abgeordneter gemeldet worden, so die Stadt zur WAZ. Was angesichts der überschaubaren Größe dieser beiden Fraktionen und der hohen Zahl der zu betreuenden Kommunen im Land ein Stück weit nachvollziehbar ist. Doch was ist mit der Volkspartei CDU? Der (formal) für Gelsenkirchen zuständige Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen (Kreis Recklinghausen) war verhindert, heißt: beim Bundesparteitag der Union in Karlsruhe. Mit einer beeindruckenden Pressemitteilung hat Hovenjürgen aber jüngst auch öffentlich dokumentiert, dass er mit Leib und Seele Gelsenkirchener (CDU-)Interessen vertritt. Gemeinsam mit CDU-Chef Guido Tann machte er nämlich die rot-grüne Landesregierung dafür verantwortlich, dass die unabhängige Jury Gelsenkirchen und Herten nicht zur InnovationCity gekürt hat. Das wirft natürlich noch andere Fragen auf: Sind Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann auch für die Schalker Krise, das schlechte Wetter und die Ampelschaltung auf der Grothusstraße verantwortlich?

Sozialdezernentin Henriette Reker verlässt bekanntlich Gelsenkirchen und macht rüber nach Köln. Ob diese (wichtige) Stelle sofort oder wegen Auflagen aus Münster erst nach einem Jahr wiederbesetzt werden kann, ist offen. Keine Gedanken muss sich die Stadt zurzeit über eine andere Spitzenposition machen. Denn: Kulturreferatsleiter Volker Bandelow bleibt in Gelsenkirchen. Das war deshalb nicht selbstverständlich, weil Bandelow sich für den vakanten Posten des Vorstehers im Landesverband Lippe beworben hatte und auch in die (von einer Kölner Agentur zusammengestellte) finale Auswahlrunde kam. Der Landesverband, der u.a. 16 000 Hektar Land bewirtschaftet und zahlreiche Kultureinrichtungen unterhält, konnte sich in dieser Woche nicht auf einen der drei Kandidaten einigen und wird die Stelle neu ausschreiben.