Gelsenkirchens letzter Fachhandel für CDs muss schließen

Mareike Kluck
Nach fast 20 Jahren muss Reiner Fabritz seinen Fachhandel für Silberscheiben aufgeben.
Nach fast 20 Jahren muss Reiner Fabritz seinen Fachhandel für Silberscheiben aufgeben.
Foto: Funke Foto Services
„Der Telök“, Gelsenkirchens letzter Fachhandel für CDs, muss sich der Konkurrenz geschlagen geben. Der Räumungsverkauf hat bereits begonnen.

Gelsenkirchen. „Es macht einfach keinen Spaß mehr, meine Ware zu verramschen“, sagt Reiner Fabritz sichtlich resigniert. Nächstes Jahr hätte er mit seinem Geschäft für An- und Verkauf von CDs „Der Telök“ an der Husemannstraße 20-jähriges Bestehen gefeiert.

Hätte... Denn am 31. März ist endgültig Schluss. Der Räumungsverkauf hat bereits begonnen. „Es fühlt sich an wie ein Sterben auf Raten“, sagt Fabritz, der schon vor Jahren seine beiden anderen Filialen in Bochum und Essen schließen musste. Nun wird auch Gelsenkirchens letzter Fachhandel für Silberscheiben bald Geschichte sein.

„Alles muss raus!“ steht in großen Lettern auf der Schaufensterscheibe. 30.000 CDs, DVDs, Blue-Ray-Filme und Computerspiele hat er noch im Sortiment. Als Anreiz ist bereits alles um 20 Prozent reduziert. „Ich hoffe soviel wie möglich bis Ende März zu verkaufen“, so Fabritz. „Was übrig bleibt, nimmt vielleicht noch ein Großabnehmer oder eben über’s Internet.“

40.000 CDs zu Spitzenzeiten

1997 hat er das Geschäft an der Husemannstraße übernommen. Zunächst primär mit CDs – die DVD steckte noch in den Kinderschuhen – später wurde das Sortiment erweitert. „Mit 8000 CDs im Warenbestand habe ich gestartet“, erinnert sich Fabritz. „Zu Spitzenzeiten waren es 40.000.“

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Er habe zwar früh die Gefahren des Internets erkannt, so der Musikliebhaber, aber dass es dann doch so schnell und rapide geht, damit habe er nicht gerechnet. Die Internetangebote, vor allem die Musik-Streaming-Dienste, haben dem Fachhandel den Rang abgelaufen.

Aber auch die Bequemlichkeit vieler Kunden macht es dem gesamten Einzelhandel schwer. Da sei „Der Telök“ keine Ausnahme. Waren, also auch CDs oder DVDs, werden lieber über das Internet bestellt – es wird auch noch frei Haus geliefert. „Wenn man dann mit seinem Geschäft nicht in einer 1a-Lage liegt und dann noch in einer krisengeschüttelten Stadt wie Gelsenkirchen, kommen einfach viele Faktoren zusammen“, sagt Reiner Fabritz.

Seit fünf Jahren ging's bergab

Eine Existenzgrundlage ist sein Geschäft schon länger nicht mehr. Seit fünf Jahren ging es immer weiter bergab. „Die Leute kaufen für fünf Euro einen Kaffee bei Starbucks, aber bei einer CD für zwei Euro versuchen sie noch zu handeln“, sagt der 50-Jährige kopfschüttelnd. „Ich bin einfach dann auch nicht mehr mit so viel Herzblut dabei wie noch vor 20 Jahren.“ Auch die Qualitätsunterschiede würden kaum noch interessieren. Für den Experten lassen sich viele einfach nur noch mit Musik berieseln.

Wie es weitergeht? Reiner Fabritz zuckt die Schultern und lacht verbittert. „Als 50-jähriger ehemaliger Unternehmer werde ich es auf dem Arbeitsmarkt wohl nicht leicht haben.“ Zunächst gilt es aber den Räumungsverkauf über die Bühne zu bringen. Dann könne er immer noch schauen, was die Zukunft wohl bringen wird.