Gelsenkirchener V-Danceclub stellt App zum Verlieben vor

Barbara Seppi
App-Entwickler Robert Herich erklärte Dorina (25, links) und Yvonne (24, rechts), wie die Software für Singles funktioniert.
App-Entwickler Robert Herich erklärte Dorina (25, links) und Yvonne (24, rechts), wie die Software für Singles funktioniert.
Foto: Michael Korte
Die Diskothek V-Danceclub und die Software-Firma AppXperten starteten Pilotprojekt und Praxistest für neues Flirt-Kommunikationsprogramm. Da kann angestupst und angechattet werden, Verabredungen finden sich.

Gelsenkirchen. „Wir verlieren langsam unsere Kernkompetenz ,Flirt’“. Markus Liptow, Inhaber der Diskothek V-Danceclub in Heßler sieht die Sachlage ganz nüchtern. „Bekanntschaften werden immer mehr über soziale Netzwerke oder Cyberchats gestiftet“. Seit drei Jahren führt er den Club, aber „die klassische Single-Party ist irgendwie ein Auslaufmodell“.

Jetzt versucht Liptow, das Ganze mit neuer Technologie zu verbinden. Am Samstagabend startete in seinem Lokal das Pilotprojekt „Nites“ – eine Flirt-App für Smartphones, die virtuelle und reale Welt verbinden soll. „Die App ist für den Nutzer kostenlos, das ist erst einmal das Wichtigste“, erklärt Entwickler Martin Cygan der Firma AppXperten aus Buer. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Robert Herich überwacht er minuziös die Auftaktveranstaltung.

Eigenes Profil mit Foto

Der Besucher der Diskothek lädt die Applikation auf sein Mobiltelefon, stellt ein eigenes Profil mit Foto ein und kann dann auf einer „Picwall“, also Bilderwand, alle die sehen, die sich ebenfalls vor Ort befinden. Da kann angestupst und angechattet werden, Verabredungen finden sich. „Kommst Du zur Bar rechts neben dem Eingang“, könnte der Bewunderer einer hübschen Blonden schreiben. Die kann sich mit ihrem Handy der Theke nähernd davon überzeugen, ob der nette Junge wirklich so aussieht, wie auf dem Foto. Im gegenteiligen Fall wird sie einen Bogen darum machen. Der kann die Dame immer noch per Klick (auf ein Flämmchen) zur Schönsten des Abends küren, auch wenn sie ihn kalt stehengelassen hat.

Das Ranking der „Flammen“ prangt auf einer Megaleinwand, jeder kann bis 2 Uhr nachts den Wettbewerb hautnah und live verfolgen. „Ich glaube, das hat Potenzial. Jeder hat doch heute sein Telefon immer dabei. Ich sehe meine Kunden ständig WhatsApp-Nachrichten verschicken“, so Liptow. Piña-Colada schlürfen, Musikhören, sich unterhalten und dabei noch chatten? „Ehrlich gesagt, sehen wir die Zielgruppe auch eher bei den ab 16-Jährigen.“

Weitere Probeläufe geplant

Es wird noch Probeläufe bei Veranstaltungen für diese Altersgruppe geben“, sagt auch Cygan. Immerhin, ein Drittel der V-Dance­club-Besucher (Einlass ab 21 Jahre) hat sich Samstagnacht auf das Projekt eingelassen. Ihre Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge werden in die Weiterentwicklung von „Nites“ einfließen. Ob es wirklich funktioniert? „Die App auf jeden Fall“, ist sich die 25-jährige Yvonne sicher. „Aber der Traumprinz, der ist auch in dieser Applikation bestimmt nicht zu finden“, glaubt die Blondine.